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Sonntag, 14. Mai 2017

NRW: Die Qual der Wahl

Heute ist Landtagswahl bei uns in NRW. Puh, dieses Mal tu ich mich damit wirklich extrem schwer. Meine endgültige Wahlentscheidung werde ich wahrscheinlich erst im Laufe des Tages treffen. Warum?

Nur einige spontane Gedanken:

Als bekennender politisch linker Zeitgenosse bin ich seit rund 25 Jahren von der Linkspartei mehr und mehr enttäuscht. Mir sieht diese Partei wie ein Sammelbecken unzufriedener Menschen aus. Bei deren Wählerinnen und Wählern, die ich persönlich kenne, sowie bei den hauptberuflichen Personen mit bundespolitischer Bedeutung sehe ich immer noch und immer nur eine Anti-Haltung gegen alles mögliche. Nirgendwo wird ein Vorbild abgegeben, keine Kampagnen für etwas finden statt. Heute besteht ihr einziger nach außen vertretener Inhalt im "Kampf gegen Rechts", was immer das auch heißen mag. Für Politik ist das jedenfalls zu wenig. In NRW waren und sind die Linken sowieso bedeutungslos wie die Piraten, so dass ich heute zumindest weiß, dass ich die Linke nicht wählen werde.

Die CDU hatten wir in NRW erst kürzlich. Der "Kinder-Statt-Inder-Ministerpräsident" Rüttgers hatte Gelegenheit zu zeigen, ob er dieses Land regieren kann. Dem war leider nicht so, und ein Kabinett Laschet - daran will ich gar nicht denken, obwohl ich weiß, dass die Wahrscheinlichkeit dafür bei annähernd 100 Prozent liegt - wird es kaum besser machen. Laschet ist ein Clown, ein Polit-Kasper, ein Talkshow-Geck, als MP würde ich mich für ihn schämen.

Die Grünen sind verantwortlich für die Ausbreitung der kulturellen Katastrophe der Political Correctness. Mittlerweile bekomme ich beim Anblick deren Protagonisten körperliche Auswirkungen zu spüren: mir wird schlecht vor echtem Ekel. Die Umweltthemen werden längst von der CDU umgesetzt, das muss man sich mal vorstellen, der Atomausstieg verlief unter Merkel schneller als die Grünen es selber beabsichtigten. Egal, aus welchen Gründen, es ändert nichts an dieser Tatsache. Genauso verhält es sich beim Mindestlohn: weder von den Grünen, noch von der SPD wurde er durchgesetzt, sondern von der CDU. Das sind Fakten, die man zwar relativieren kann aber nicht leugnen. Schröder hätte es auch machen können unter Rot-Grün, hat er aber nicht, im Gegenteil, seit Gazprom-Schröder oder besser gesagt, nach 4 Jahren Stillstand und Selbstbesoffenheit hatte sich die SPD seit 2002 zu einer unsozialen Partei gewandelt, für die Solidarität nicht mehr so wichtig ist. Der vorbestrafte Peter Hartz gilt heute als Namensgeber des ALG 2. Wie passend eigentlich. Meine Solidarität hat die SPD seither jedenfalls verloren. Für immer, da bin ich nachtragend. Nie mehr SPD! Damit wäre das Thema SPD vom Tisch. Eher würde ich mir die Hand abhacken als auf dem Wahlzettel bei ihr ein Kreuz zu machen.

Es bleiben also zwei mögliche Kandidaten, die AfD und die FDP, und es bleibt eine Nichtwahl.

So viel wie ich über die FDP in der Vergangenheit geschimpft und gelästert habe, fällt mir ein öffentliches Bekenntnis zur FDP natürlich sehr schwer. Es ist mir beinahe persönlich peinlich, meine Sympathie für sie hier kundzutun. Denn es wäre die einzige Partei, der ich zutraue, den europäischen Regulierungswahn - übrigens auch beim Thema E-Dampfen - einzudämmen, dem globalen Handel wieder mehr Freiheit zu gewähren und die Bürgerrechte zu stärken. Allein mir fehlt der Glaube, spuken in meinem Hinterkopf doch noch Gestalten herum wie Rösler, Koch-Mehrin, Chatzimarikakis oder der schlimmste von allen: Dirk Niebel.

Aber auch die AfD ist im Grunde eine vernünftige konservative Partei, die NRW sehr gut bekäme, wären dort nicht die vielen echten Nazis verborgen. Durch ihren Parteitag hat sich die AfD m.E. selber ins Aus begeben, denn hätte sie Höcke & Co. ihr Vertrauen entzogen, wäre die AfD definitiv wählbar geworden, so aber nicht. Nein, keine AfD.

Du siehst, es scheint paradox, nicht wahr, ein politisch linker Mensch ist hin- und hergerissen zwischen der FDP und einer Nichtwahl. Übrigens lasse ich mir mein Links-Sein nicht von anderen definieren oder stehlen. Ich weiß sehr gut, was links bedeutet und zweifle, dass die Linke diese Bedeutung für die heutige Zeit überhaupt kennt. Deren Inhalte sind bunt und stylisch angemalte politische Ziele des 19. und 20. Jahrhunderts. Und viel zu viel Antisemitismus als Israelkritik getarnt.

Nun, ob ich zur Wahl gehe oder nicht, es wird eine CDU-geführte Regierung in NRW werden. Jetzt ist erst mal Nacht, ich werde noch schlafen, vormittags frühstücken, mich ankleiden und dann zur nahegelegenen Feuerwache gehen. So lange schwirrt mir all das im Kopf herum. Die Wahl kann ich nicht beeinflussen aber als Nichtwähler hätte ich jahrelang ein schlechtes Gewissen. Schaun wir also mal, es wird einen Nachtrag heute geben. Geheime Wahl? Das habe ich mein Leben lang geheim gehalten, und wofür? Nein, wenn, dann stehe ich zu dem, was ich wählen werde.

Der versprochene Nachtrag (mit Begründung):

Wie ich in dem Kommentar zu meinem neuen temporären Arbeitsauftrag schon angedeutet hatte, habe ich mit den Jahren verstanden - und es hat verflucht lange gedauert, bis dass dieser Groschen fiel - dass es der Wirtschaft gut gehen muss, damit es mir gut geht. Es ist eigentlich eine logische und einfache Gleichung, die bei mir zu unmittelbaren Auswirkungen führt. Arbeitsaufträge erhalte ich nur von Auftragsgebern, die finanzielle Möglichkeiten haben, mich zu beschäftigen. Bei Beamten oder Angestellten dauert es eine gewisse Zeit, eh sie diese Auswirkungen zu spüren bekommen, so dass am Ende selten richtige Rückschlüsse getroffen werden können, was Ursachen und was Wirkungen der eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse sind. So ähnlich wie bei einem jugendlichen Straftäter, der den Zusammenhang einer heutigen Straftat nicht mehr erkennen kann, wenn er aufgrund der Arbeitsüberlastung der Behörden dafür erst ein Jahr später ins Gefängnis muss.

Erst wenn unsere Verhältnisse griechische werden und selbst Beamte und Angestellte nicht mehr bezahlt werden, erkennen jene den Zusammenhang von einer florierender Wirtschaft mit dem eigenen Wohlbefinden und umgekehrt. Dann ist es aber bereits zu spät für kurzfristige Reparaturen. Es ist wohlfeil, mit vollem Bauch über Gott und die Welt zu fabulieren. Leider erkennt man biologisch bedingt erst im Laufe der Jahre, dass die gesellschaftlichen Konventionen, die Moden und Farben im steten Wandel begriffen sind aber die Wirtschaft hiervon außen vor bleibt - ihr sind aktuelle Wertevorstellungen der Menschen egal, für sie ist ein möglichst freier Raum ihrer Entfaltung wichtig. Und das hat, wie gesagt, direkte Auswirkungen auf mein eigenes Leben. Geht es mir gut, kann ich hier im Tagebuch über Themen meines Interesses schwadronieren, geht es mir wirtschaftlich schlecht, habe ich keine Zeit mehr für so etwas vergleichbar Unwichtiges, da ich meine ganze Energie dafür aufbringen muss, morgen auch weiterhin zu überleben.

Es ist also existenziell wichtig, dass es der Wirtschaft gut geht, andernfalls leiden wir alle über kurz oder lang. Deshalb habe ich keine ideologische Partei gewählt, sondern die derzeit einzige praxisorientierte, freiheitliche und wirtschaftsfreundliche, die es gibt - nämlich die FDP.

Kommentare:

  1. "Zur Zeit ist es so, dass man sich als Wähler vor den nächsten Wahlen fürchtet. Wir müssen wieder dahin kommen, dass Politiker die Wahlen fürchten"...schrieb Chris Kurbjuhn kürzlich in seiner "Netzecke".
    Du hast nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber Frau "Wir faffen daf" werde ich im Herbst meine Stimme nicht geben.
    Als Wechselwähler habe ich alle Parteien schon durch. Bei den letzten Landtagswahlen habe ich bereits AfD gewählt, weil ich Seehofer nicht mehr ertrage.
    Das Personal der Grünen ist die unerträglichste Pest überhaupt. Aber auch die habe ich vor laaanger Zeit einmal gewählt.
    Bin gespannt auf deinen Nachtrag.

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    1. Da isser schon :-) Mir geht es sehr ähnlich wie dir. Ich will's mal so sagen: dieses Mal hat mein Kopf, also die Vernunft, entschieden und das Gefühl, die Ideologie, habe ich zu Hause gelassen.

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  2. Nun, dann trifft auf dich der dir bekannte Spruch zu "Wer mit mit 20 nicht die Linke wählt, hat kein Gefühl. Wer sie mit 40 noch immer wählt, kein Verstand".
    War früher Urlaubsvertretung für die Sektretärin des Chefredakteurs der "Passauer Neuen Presse", seinerzeit das schwärzeste Blatt im Freistaat und natürlich links. Da hörte ich das Zitat (von wem stammt das ?) zum ersten Mal.
    Das Kreuz bei der FDP zu machen, hatte ich erwogen, aber nein, diesmal bleibt es bei der AfD.
    Ich glaube, was die Flüchtlingspolitik angeht, sind wir unterschiedlicher Meinung.
    Aber hier darf man das ohne Blogverbot zu bekommen;-)
    Schöne restlichen Sonntag noch. Die Berichterstattung werde ich verfolgen.

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    1. Ja, den Spruch kenne ich auch, weiß aber ebenso wenig, woher. So ist das halt mit der abnehmenden Gedächtnisleistung im Alter, nicht wahr.

      Ich glaube nicht mehr an die traditionelle politische Farbenlehre, das ist eigentlich alles voriges Jahrhundert. Grünen = links; AfD = rechts usw. das stimmt so nicht. Die AfD ist konservativ, die Grünen sind gar nichts bis auf irrsinnig, mal konservativ, mal altkommunistisch, wieder mal israelfeindlich; die SPD ist längst nicht mehr sozial oder "mitte-links", es ist die politische Fraktion übersättigter Verdi-Gewerkschaftler. Schlussendlich hat seit Merkel die CDU auch nur noch kaum etwas mit den sogenannten und so verstandenen "christlichen Werten" zu tun.

      Aus dieser von den Medien aufgezwungenen Farbenlehre musste ich mich erst befreien, um rational entscheiden zu können. Die Ideologie, das versuchte ich zu erklären, ist für mich nicht mehr wichtig, sie ist ein Luxus, den ich mir erlauben kann, wenn es mir gut geht. Viel wichtiger ist die Freiheit, meine persönliche im Internet sowie die des freien wirtschaftlichen Handelns.

      Die Flüchtlingsproblematik ist eine unter vielen. Da sind wir gar nicht so weit voneinander entfernt, liebe Barbara, nur ist sie mir nicht so wichtig, dass ich alles andere wegen ihr zurückstelle.

      Religion ist Privatsache, also zu welchem Gott jemand betet, Religion soll sich aber aus dem täglichen Leben möglichst heraushalten. Das macht der Islam nicht und deshalb halte ich ihn für noch rückständiger und auch gefährlicher für unsere freie Gesellschaft als das Christentum. Das war auch mal gefährlich, es wurde durch die Aufklärung erst gewissermaßen "entschärft", heute ist es größtenteils Privatsache. Der Islam ist aber eine gewalttätige Religion, wer das leugnet, ist dumm. Deshalb sehe ich die Probleme, die wir in der Zukunft mit ihm bekommen werden, auch heute bereits. Ich habe hier allerdings keine Lösung parat.

      Es steht außer Frage, dass gewalttätige Asylbewerber hier keinen Platz finden dürfen. Entweder werden sie bestraft oder ausgewiesen, dass deren Gewalt von vielen Deutschen aber tatenlos geduldet und sogar noch relativiert wird, ist schlicht ein Skandal. Da sind wir beide uns vollkommen einig. Auch, dass wir Einwanderungsregeln benötigen, wie jedes andere Land sie auch besitzt. Doch all das hat mit meiner NRW-Wahlentscheidung nichts zu tun.

      Hachja, es ist so ein weites Feld, Barbara.

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