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Sonntag, 16. April 2017

Plädoyer gegen den Updatewahn

"Sie müssen unbedingt ein Update für Ihren Rechner machen, sonst leben Sie angreifbar und gefährlich!" So und so ähnlich schallt es gegenwärtig wieder im medialen Blätterwald.

Mein lieben Freunde der Journaille, ich besitze zwar einen aktuellen Anti-Viren-Scanner, wegen seiner bis ins Kleinste einstellbaren Firewall, doch habe ich selbst den noch nie in meinem Leben aufgrund eines Virusbefalls benötigt. Und dieses Internet-Leben ist schon alt. Seit 1996 gehe ich täglich ins Internet. Anfangs nicht durchgehend am Tag, da es viele Deutsche Mark pro Stunde gekostet hatte, doch seit es Flatrates gibt, lebe ich förmlich im Internet, es ist mir zur zweiten Heimat geworden. Von meinen Rechnern ist mindestens einer rund um die Uhr mit dem Internet verbunden, es sei denn, ich schalte alles um mich herum mit Absicht aus, was in letzter Zeit immer öfter vorkommt, da mich die hektische Betriebsamkeit mehr und mehr in meiner Ruhe stört - oder andersherum ausgedrückt, da ich gelernt habe, die Ruhe vor der albernen Betriebsamkeit zu schätzen und sie ihr vorzuziehen.

In den nunmehr rund 20 Jahren habe ich selber, also durch meine eigene Schuld, einige Betriebssysteme geschrottet und musste in der Folge alles neu installieren, was mich durchaus manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte. Das ist aber lange her. Heute besitze ich insgesamt zwei Windows XP Rechner, zwei Windows 7 Rechner und einen Windows 10 Rechner, die zu Hause komplett miteinander vernetzt sind (es war viel Arbeit, den Win10-Rechner spionagefrei zu bekommen, so hartnäckig kommuniziert das System ungefragt und jenseits der Benutzersteuerung bereits von Haus aus). Keiner, ich wiederhole, kein einziger Rechner wurde jemals nach seiner Grundinstallation upgedatet. Nie! Und trotzdem habe ich in den 20 Jahren nicht die geringste Bekanntschaft mit einem unbeabsichtigt erlangten Virus gemacht. Sogar russische Pornoseiten hatten mir nichts anhaben können, auch wenn sich ihre Betreiber mit hintergründiger, lästiger und hartnäckiger Malware (bei früheren Besuchen *lach*) viel Mühe gegeben hatten.

Alle Systeme arbeiten zügig, sind aufgeräumt und werden von mir selber gewartet. Treiber werden bei angeschlossener neuer Hardware mitgeliefert oder längst problemlos im Internet heruntergeladen, man benötigt nicht dicke Treiberpakete auf Vorrat für Geräte, die man gar nicht benutzt. Daten werden seit 20 Jahren stets separat gesichert. Mikrofone und Kameras existieren nur bei Bedarf und selbstverständlich beschränken sich Kommunikation und Multimedia (Spaß und Gedudel) außerhalb irgendwelcher Internet-Netzwerke oder Plattformen, die eine Anmeldung/Registrierung erfordern bzw. eine Rechner-Teilkontrolle einfordern (mit einer Ausnahme, die ich aber hier nicht nenne) und online Computerspiele kann ich sowieso nicht leiden.

Es mag vielleicht sein, dass du, lieber verängstigter Mensch, Updates deines Betriebssystems benötigst, doch ein großer Fehler menschlicher Eigenschaften ist neben dem Handeln aus der Angst heraus, stets auch der, das eigene Ich auf andere zu beziehen. Im Guten wie im Schlechten. Ich benötige keine unaufgeforderte Lebenshilfe, keine Entscheidungsträger, was für mich richtig oder falsch ist oder besser oder komfortabler. Und was auf meinen Rechnern ge- und betrieben wird, geht genauso wenig jemandem etwas an wie das, was in meinem Leben geschieht, es sei denn, ich alleine bin es, der dies mitteilen oder freigeben möchte.

Und jetzt geht mir, ihr nervtötenden Journalisten und Marionetten fremder kommerzieller Interessen, mit eurer Penetranz zu den dringend nötigen Updates nicht weiter auf den Senkel, andernfalls schalte ich euer Genöle wieder ab und genieße den ruhigen Ostersonntag medienfrei offline. Einen ebensolchen ruhigen und erholsamen Feiertag wünsche ich dir, liebe Leserin und lieber Leser. Bleibe stark, bleibe selbstverantwortlich, bleibe kompetent, lege deine Sicherheit nicht in fremde Hände.

Kommentare:

  1. An den Rand der Verzweiflung bin ich auch schon gekommen. Und das, obwohl ich auch nicht ansatzweise so viel von dem Thema verstehe wie du (vermutlich gerade deshalb).
    Der Meschuggene der mir bei Notfällen hilft, macht auch keine updates und riet mir kürzlich auch dazu. Eben weil bei meinen Gewohnheiten keine solchen nötig seien.
    Ein Einfallstor für Viren ist der Adobe Reader und ich denke, den könnte ich deinstallieren.
    Das Windows 7 läuft unter dem Kaspersky einwandfrei. Bei Windows XP "störte es die Performance", d.h. ich kämpfte ständig mit Abstürzen.
    Windows 10 habe ich mir bisher geschenkt und die Aktion seinerzeit ignoriert. So lange es unterstützt wird, bleibe ich bei Win 7. Hat den Vorteil, dass es sich von meinem geliebten XP nicht gravierend unterscheidet.
    Im Rahmen meiner Möglichkeiten versuche ich selbstverantwortlich zu sein.
    So ist mir in den 15(?) Jahren in denen ich auch online Banking mache, im Netz kaufe, Amazon, Paypal usw. nutze, noch nie etwas passiert.
    Einen Virus habe ich mir auch noch nie eingefangen.
    Habe von Anfang an aber immer ein kostenpflichtiges Virenschutzprogramm installiert. Ich kenne Leutchen die gar keinen oder die kostenlose Version nutzen. So ein Herzchen schickte mir kürzlich eine Mail mit virenverseuchtem Anhang, worauf Kaspersky sofort laut trötete.
    Gerne würde ich mehr verstehen und können, dann würde ich mich aktuell nicht so mit dem Apple Produkte des Mannes plagen. Ich schrieb ja bereits, das ist für mich ein ganz furchtbarer Umstandskrämer. Muss aufhören, muss auf meinen Blutdruck achten:-)

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    1. Yep, da geht es dir ähnlich wie mir. Und du sagst exakt, auf was es ankommt: selbstverantwortliches Handeln im Rahmen eigener Möglichkeiten. Das ist, glaube ich, der Kern, der letztlich zur Freiheit führt. Überall, nicht nur beim Computer.

      Wer auf alle E-Mail-Anhänge von ihm unbekannter Menschen klickt, dem werden auch keine täglichen Sicherheitsupdates vor einem Crash oder Virenbefall helfen, der will so etwas förmlich erleiden. Und wer sämtliche Geräte per Internet von seinem Smartphone steuern möchte inklusive seiner Waschmaschine, der kann sich kaum über einen möglichen Datenmissbrauch beschweren. Von "Alexa" & Co. will ich erst gar nichts sagen - dumm, das umschreibt's vollumfänglich.

      Meine Betriebssysteme werden alle nicht mehr von Microsoft unterstützt, und wenn MS das von sich aus nicht mehr macht, mehmen sie mir die Arbeit ab, dies extra so einzurichten. Prima! Ohne Unterstützung geraten sie in Vergessenheit und werden endlich von den Herstellern diverser anderer Hardware vernachlässigt, dann funktionieren sie nämlich problemloser. Für alles gibt es Alternativen. Für den Acrobat Reader ebenso. Wie du sagst, einen guten und bezahlten Virenwächter, dann ist ein mögliches Virenproblem erledigt.

      Alles andere sind meistens keine Viren, sondern ist Malware & Co.. Hier rückt wieder als Ursache die bedenkenlose Benutzung unkontrollierter Browser oder sonstiger Apps durch den Benutzer in den Vordergrund. Malware ist lästig, spioniert, zerstört aber in der Regel nicht das System, so dass sie relativ leicht wieder entfernt werden kann - wenn man sie denn überhaupt erkennt. Ich staune manchmal, wie wenig andere Menschen sie überhaupt sehen und wie wenig sie tatsächlich über ihren Computer wissen. Da fehlen nicht selten sämtliche Grundkenntnisse. Früher beim Führerschein, lernte man noch einen Reifen zu wechseln, wenn ich heute manche Zeitgenossen sehe, die einer solchen Aufgabe hoffnungslos überfordert gegenüber stünden und sofort einen "Experten" vom ADAC herbeirufen, dann verstehe ich auch, dass heute geradezu in allen Bereichen Selbstverantwortung zurückgefahren wird, um für jedes Problem einen Fachmann oder eine Fachfrau zu identifizieren - das Prinzip einer Servicegesellschaft, wenn man so will. Da steckt viel Geld drin, ein Wirtschaftszweig der Arbeitsteilung, von dem andere leben, der uns Einzelne aber immer abhängiger und unwissender macht. Man kann hier geteilter Meinung sein, ich meine halt, dass Spezialisierung und Service, auch wenn's gut gemeint sein mag, zu Abhängigkeit führt. Und Abhängigkeit führt über kurz oder lang halt immer auch zu Missbrauch.

      Naja.

      Wenn ein Rechner öfter …

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    2. ... abstürzt, ist jedenfalls etwas grundsätzlich nicht in Ordnung, das würde mich so lange wurmen, bis ich's gefunden hätte oder ich würde den Rechner aus dem Fenster werfen. Und ja, es stimmt, aus den Crashs kann man lernen - aber ich vergesse auch alles wieder, wenn jahrelang keine Probleme auftreten. Und was die Einrichtung des Netzwerkes auf unterschiedlichen Systemen betrifft, zum Haareraufen! Vom Prinzip her leicht, in der Praxis umzusetzen aber manchmal sehr schwierig - oft hege ich den Verdacht, dass die beschriebenen Dokumentationen extra kompliziert ausgedrückt werden, damit die Kompetenz eine künstliche Erhöhung erfährt, die nur noch von einem Fachmann (oder dem Kauf eines solchen spezifischen Programms) erledigt werden soll.

      Für mich ist eine Firewall das nützlichste Instrument, denn mit ihr erkenne ich erst, wer sich wann und mit wem per Internet verbindet und "nach Hause telefonieren" möchte. Man sagt immer, dass dies nur die kostenlosen Programme machen, doch fast ALLE machen das. Adobe und Microsoft übrigens in unverschämt dreister Art und Weise. Diese Art der Spionage, selbst wenn sie als Statistik getarnt wird, kann man mit einer Firewall oder ein paar Änderungen der Dienstparameter prima in den Griff bekommen. Sollte mich aber die NSA bereits überwachen, ihre Art würde weder ein Update noch ein sonstiges Programm melden, denn sie arbeiten bekanntlich alle zusammen. Dagegen hilft dann wirklich nur eine offline Insellösung und Datenübertragung via USB-Stick oder ähnlichem.

      Naja, das ist alles so ein weites Feld. Windows 10 ist ein Dilemma, denn wenn du heute einen Rechner kaufst, ist es kaum möglich, ihn ohne Win10 zu bekommen. Oft ist ein leerer PC sogar teurer. Daran erkennt man doch gut, wo welche Interessen gelagert sind.

      Der Internet-Browser besitzt eine weitere zentrale Bedeutung für mich. Ich nutze für verschiedene Zwecke mehrere aber hauptsächlich fürs normale Sufen den "PaleMoon" (ein Open Source Projekt, das auf dem Firefox-Gerüst aufbaut), kann ich nur empfehlen, habe ich ja auch im Blog deshalb verlinkt.

      Also was du schreibst, ist für mich in Gänze vertrauenswürdig. Alles gut bei dir. Dir würde ich bei Problemen meinen Rechner zur Untersuchung und Reparatur anvertrauen. Das mit den Abstürzen wirst du auch noch in den Griff bekommen, da gehe ich jede Wette ein.

      Liebe Grüße

      PS: Ein Mal wäre ich um ein Haar beim Online-Banking auf Betrüger hereingefallen, so gut war das gemacht. Auf die Schnelle schaue ich mir auch nicht jedes mal die Absenderadressen genau an, besonders dann nicht, wenn ich auf eine bestimmte E-Mail warte. Das war so der Fall, aber es kam wirklich durch einen dummen Zufall zuerst die Betrugsmail bei mir an. Was sie kurz vor dem entscheidenden Klick dann als solche verraten hatte, war einzig die Gier der Betrüger, denn sie wollten gleich zwei TAN-Zahlen von mir haben. Ist aber eine Geschichte noch aus Zeiten vor dem TAN-Generator. Was ich damit sagen will ist, jeder Mensch kann Opfer von Betrug werden, auch Wissen schützt nicht zu 100 Prozent.

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.