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Dienstag, 25. April 2017

Meine Meinung zu "Tote Mädchen lügen nicht"

Ein knappes Dutzend Stunden meines Lebens habe ich jetzt der Serie "Tote Mädchen lügen nicht" geopfert. Und ich bin froh, dass es damit nun zu Ende ist. Warum habe ich mir diese Serie überhaupt angetan?

  1. weil die Serie so offensiv angepriesen wird und mich das neugierig machte,
  2. weil Spiegel Online via "Bento" berichtet, dass viele Psycho-Docs die Jugendlichen vor dieser Serie warnen und
  3. weil ich mal schauen wollte, ob Goethes "Werther" vielleicht irgendwann einmal ein zeitgemäßes Remake erfährt und sich die jungen Leute nun aufgrund der Serie reihenweise selber aus dem Verkehr ziehen.

Nun, mit Punkt 3 hat die Serie bis auf den thematischen Suizid eines Mädchens nichts gemeinsam. Es ist auch keine kollektive Selbstmordwelle deswegen zu erwarten. Schade eigentlich, denn ein Werther-Revival im 21. Jahrhundert wäre doch recht interessant, nicht wahr. Böse! Wie abgrundtief böse!

Bei "Tote Mädchen lügen nicht" (furchtbar schlechter deutscher Titel für "13 Reasons Why") geht es um Pubertätsprobleme und Gesellschaftskritik auf oberflächlichster Art und Weise. Die einzige Gefahr, die von dieser Serie ausgeht, ist ihr Potential eines ständigen Sekundenschlafes und des allmählichen Verkümmerns der Sinne vor lauter Langeweile ihres endlos gähnenden, wie Kaugummi in die Länge gezogenen Inhalts. Der schleicht durch eine Aneinanderreihung von Banalitäten langsam zu seinem Kern. 13 Folgen sind es, 13 mal 50 Minuten, 4 Folgen hätten vollkommen ausgereicht, diese Geschichte zu erzählen.

Und welche Geschichte ist es? Am Ende eine Wir-Sind-Alle-Daran-Mitschuld-Geschichte, die eine Moral aussendet, die genauso gut sonntags von Margot Käßmann gepredigt werden könnte: achtet mehr aufeinander! Eine US-amerikanische Pubertäts- und Gutmensch-Schnulze, die, davon bin ich überzeugt, hauptsächlich für die ewig betroffenen Eltern einer westlich-liberalen Mittelschicht produziert worden ist als für deren Teenager.

Es hat mich große Überwindung gekostet, alle Folgen anzuschauen, doch ich wollte halt nicht etwas kritisieren, das ich nicht komplett gesehen habe. Einen uninteressanten Roman kann man überfliegen und doch inhaltlich gut verstehen, bei einer TV-Serie geht das nicht.

Bevor ich jetzt ganz schlimm beschimpft werde, wie mir einfällt, über eine solche wertvolle Serie so schlecht und respektlos zu schreiben - Probleme von Teenagern, mögen sie für Erwachsene noch so klein oder albern erscheinen, sind für die jungen Menschen weltbewegend in ihrer subjektiv wahrgenommenen Wichtigkeit, damit gehe ich konform. Natürlich sollen Erwachsene sich um die Sorgen und Nöte ihrer Heranwachsenden kümmern, sie müssen das sogar, sie müssen sie ernst nehmen, doch es sind und bleiben zwei unterschiedliche Welten, die der Jungen und die der Erwachsenen - diese beiden Welten sind nicht kompatibel. Auch wenn viele "Kümmer-Eltern" das anders sehen wollen, sie werden nie als gleichberechtigt von ihren Sprösslingen wahrgenommen und in deren Gedanken und Geheimnisse eingeweiht werden. Die Produzenten hätten sich vorher entscheiden müssen, für wen sie die Serie eigentlich erschaffen, für beide Generationen gleichermaßen, das funktioniert eben nicht. Und das ist meine hauptsächliche Kritik.

Da es sich um ein Highschool-Drama handelt, hier nun also meine unmaßgebliche Bewertung als US-Benotung: F, "nicht ausreichend". Deutsch halt 5, "mangelhaft".

Kommentare:

  1. Ein Glück, dass ich keine Reviews schreibe. Hier wurde ratzfatz das Handtuch geschmissen. Über Ostern wurde die Serie wohl viel gestreamt, also für Netflix ein großer Erfolg.
    Ich kann die überschwänglichen Kritiken nicht nachvollziehen.
    Freue mich auf heute abend mit 3 Folgen "Better Call Saul". Hier bewirbt Netflix die Serie mit ganz vielen City Lights.

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    1. Hab mir Folge 2 zum zweiten Mal und dann die neue Folge 3 angesehen. Eine alleine, da haste's dir gerade gemütlich gemacht und schon ist Schluss. Jetzt werde ich es so wie du machen: mindestens drei Folgen warte ich ab, bevor ich sie am Stück dann genießen kann.

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  2. Nächster Termin zum Gucken ist der 16. Mai, wurde hier schon notiert.
    Auch nach 3 Folgen hätte ich gerne weitergeschaut. Die Serie ist einfach großartig. Die Mischung aus Landschaft, Farbe, guten Charakteren und Gesichtern produziert eine Sogwirkung auf mich. Und wie du schriebst, wenig Dialog. Man sieht den Protagonisten zu bei dem was sie so tun. Toll, wie es bei Gustavo Fring plötzlich klickediklick macht, als Mike Ehrentraut schon wieder am Auto ist. Bin sehr gespannt, wer aus Breaking Bead noch alles auftaucht.
    Die Serie verlangt vom Zuschauer viel Aufmerksamkeit und Mitdenken, da keine Action irgendetwas erklärt.
    Die Figur des gestörten Chuck finde ich sehr gut. Die Idee von Saul, ihm seinen Anzug mit der Folie auszukleiden - hinreißend.
    Wenn Better Call Saul ausläuft (schrecklicher Gedanke) werden wir Breaking Bad noch einmal anschauen.
    Vince Gilligan is Genius.

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    1. WAAAS? 16. Mai? Das hatte ich noch gar nicht gesehen *heul*. So lange warten …

      Am Ende werde ich's genauso machen wie du, denn dann werden uns in "Breaking Bad" ja völlig neue Sichtweisen eröffnet, das wird bestimmt ein Heidenspaß, schon jetzt muss ich schmunzeln bei einigen Personen ;-) Wer weiß, was da noch alles kommt. Ach, es ist so spannend und so elendig lange Pausen zwischen den Folgen, kaum auszuhalten.

      Ja, Gilligan ist ein Genie. Das stimmt.

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  3. Habe ich Verwirrung gestiftet?
    Das ist der Termin an dem du 3 Folgen am Stück sehen kannst. Bis dahin kannst/musst du dich in Selbstkasteiung üben.

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    1. Puuhhh, da bin ich aber wirklich erleichtert. Um so weniger macht mir jetzt die Wartezeit aus, wenn ich dann knapp zweieinhalb Stunden lang eine tolle Abendunterhaltung habe *freu*.

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