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Freitag, 10. März 2017

TV-Serie "True Detective"

Die Serie "True Detective" ist kaum als Einheit zu beurteilen, da hier zu viele Faktoren eine Rolle spielen. In jeder der beiden Staffeln wird ein anderer Kriminalfall erzählt. Es handelt sich eigentlich um zwei Serien unter einem gemeinsamen Titel: jeweils andere Schauspieler, andere Orte und so weiter. Auch die Film-Crew wechselt. Während einer Staffel wechseln in einigen Folgen wohl ebenso einige der Filmschaffenden, so ganz genau blicke ich das nicht, es interessiert mich als Zuschauer auch kaum. Jedenfalls besitzt die Serie unterschiedliche Designs, ist filmhandwerklich ein Sammelsurium verschiedener Styles, als böte sie Raum für allerhand Proben verschiedener Film-Gewerke, so kommt es mir beim Zusehen wenigstens vor, viele Menschen toben sich in ihrer Film-Arbeit kreativ aus und hinterlassen ihre bemerkenswerten Spuren; das ist spannend, interessant und streckenweise atemberaubend, schlichtweg absolut sehenswert.

Jetzt kommt das große Aber: nämlich es fehlt beiden Staffeln der Inhalt. Die beiden Kriminalfälle entsprechen dermaßen bereits hundertfach gesehenen Klischees, dass man bei Folge 1 sofort ahnt, wie die Staffel, also der geschilderte Fall, sich auflösen wird. Das geschieht dann auch genau nach platten vorhersehbaren Mustern. Die Serie ist inhaltlich einfallslos und, ich muss es leider so sagen, einfach nur leer. Jetzt stellt sich die Frage, ob die äußere filmtechnisch interessante, visuell und, wie ich vorgestern schon betonte, musikalisch ausgezeichnete Darbietung für eine positive Bewertung genügt, zumal ebenfalls die schauspielerischen Leistungen durchgehend hervorragend sind. Nach langen selbstkritischen Erwägungen komme ich zu dem Ergebnis: Nein; die Serie gleicht einer wunderbaren Verpackung mit verrosteten Nägeln als Inhalt. Und das reicht eben nicht. Was nutzt der schönste Bucheinband im prächtigen Lederschnitt mit aufwendig in Handarbeit hinzugefügtem Samt und Brokat als Verzierung, wenn auf dem Papier ein banaler, vorhersehbarer und letztlich 0-8-15-Roman erzählt wird?

Im Fall dieser Serie wären zwei Spielfilme in Standartlänge optimal gewesen, dann wären zwei herausragend gute Filme entstanden. Eine Serie bzw. eine Staffel, die aus einer einzigen Geschichte besteht und nicht aus vielen unabhängigen Episoden, deren Entwicklung sich also Zeit nehmen kann, bei der man in die Tiefe und Hintergründe des Geschilderten und deren Personen eintauchen sollte, steht und fällt mit der inhaltlichen Qualität ihrer Erzählung. Sie wurde bei "True Detective" leider zugunsten des Äußeren komplett vernachlässigt. Also Schulnote 3, "befriedigend"; beide Staffeln sind allemal sehenswert, eine Wiederholung ist für mich jedoch definitiv ausgeschlossen.

Kommentare:

  1. Manchmal fragt man sich, was die Drehbuchschreiber wohl geraucht haben, gedampft wurde da eher nicht.
    Wenn eine Serie fast nur aus Bildern besteht, langweilt das (siehe Mad Man). Da geht es mir wie dir, es fallen mir die Augen zu. Gerade gucke ich die 2. Staffel von "How to get away with a Murderer" und die fällt im Gegensatz zur 1. Staffel deutlich ab. Zu viel wirre Handlungsstränge nebeneinander, dazu noch Rückblenden. Da soll man nicht die Übersicht verlieren. Als Betthupferl gibt es immer eine Folge "House", da gibt es Anfang, Handlung und Ende;-).
    Kürzlich habe ich noch einmal "Im August in Osage County" gesehen (damals extra dafür ins Kino gegangen) und der lohnte sich auch in der Wiederholung.
    "True Detective" werde ich mir aufgrund deiner Rezi schenken.

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    1. Lass dich bloß nicht von mir beeinflussen, das liegt nicht in meiner Absicht - will ich nur gesagt haben. Aber du hast natürlich vollkommen recht, nur Bilder oder auch ein visuelles Spektakel, das reicht einfach nicht - oder wenn, dann, wie bei "Gravity" für eine normale Spielfilmlänge, ja, aber bei einer Serie ist so etwas tatsächlich schlaffördernd, wäre dafür ein super Medikament, nicht apothekenpflichtig.

      "How to get away with Murder" kenne ich mal wieder nicht. Habe mir aber die 1. Staffel besorgt.

      "Im August in Osage County" kenne ich ebenfalls nicht *schäm*. Liegt jetzt aber schon bereit für morgen. Da freue ich mich schon richtig, denn wenn du diesen Film magst, weiß ich, dass er gut sein muss.

      Wiedermal ein herzliches Dankeschön für deine Tipps!

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    2. Osage County ist exzellent besetzt. Ich genieße es all diesen Schauspielern zuzusehen. Bin gespannt, was du zu dem Film sagst.

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    3. Oja, ganz schön heftig - aber wahr, es ist eine ehrliche Geschichte, die erzählt wird, ein Blick hinter die Kulissen, bei deren Ende ich zuerst ratlos zurückgelassen wurde und mich fragte: "Wie? Das war's jetzt?" Denn irgendwie erwartet man immer gleich eine Auflösung bis ans (bittere) Ende, will, wenn schon, dann in alle tiefen Abgründe und Geheimnisse der Protagonisten blicken, aber schon nach wenigen Minuten nach Ende des Films erkannte ich, dass gerade sein im Prinzip nun völlig offener Ausgang geradezu sinngebend ist, denn damit sind viele Möglichkeiten einer weiteren Entwicklung gegeben. Eine Bereinigung und Aussprache lässt die Zukunft offen und neu entstehen. Man muss als Zuschauer nicht immer alles bis zum Dessert serviert bekommen, muss nicht alles bis ins letzte Detail wissen, es braucht auch nicht immer alles ins totale Chaos oder in Hass und Zerstörung zu enden. Es gehen mich zwar Einzelheiten nichts an, doch ich sehe, dass es anderen Menschen und Familien in ihren Beziehungen genauso ergeht wie einem selber in der eigenen Lebensgeschichte. Von daher ist die relative Oberflächlichkeit des Erzählten kein Fehler, sondern Absicht. Auch ermöglicht es den Humor angesichts der Tragödie nicht vollends zu verlieren, da ja kein wirklich dramatisches und unumkehrbares Ende vorhanden ist.

      Witzig finde ich die Schlussszene: wo fährt sie denn hin auf der einsamen Landstraße? Irgendwann kommt sie in eine Stadt und muss aus dem Auto aussteigen - in rotschwarz gepunkteter Schlafanzughose und im Morgenmantel :-)

      Das Schauspiel aller Darsteller ist natürlich fabelhaft. Alle agieren gleichrangig und gleichwertig, niemand versucht sich besonders herauszustellen, aber auch keiner Rolle wird zu viel Bedeutung zugemessen, das ist toll. Und endlich Julia Roberts ohne ihr typisch maskenhaftes und dämliches Grinsen in einer Charakterrolle, das hat richtig gut getan. Sie können es noch alle, sie haben gezeigt, dass sie nicht nur Marionetten von Regisseuren sind, sondern dass sie ihr gelerntes Handwerk der Schauspielerei auch beherrschen. Ein wunderbarer Film. Danke für den Tipp.

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  2. http://raybeard.blogspot.de/Hier noch eine Review eines wahren Cineasten. In den Kommentaren wird Judi Dench in "Tagebuch eines Skandals" erwähnt - kenne ich nicht, klingt interessant. Und "Wer hat Angst vor Virginia Wolf" passt auch in das Genre. "Magnolien aus Stahl" hat mir damals sehr gut gefallen, weiß aber nicht, wie ich den heute fände (auch da spielt Julia Roberts mit).
    Hier gefiel mir Roberts auch ausnehmend gut, aus den Gründen die du nennst. Hoffentlich lässt sie keinen Chirurgen an ihr Gesicht. Die letzte Einstellung lässt viele Deutungen zu, vielleicht fiel dem Regisseur nichts dazu ein.
    Zum Start des Films in Deutschland gab es ein schönes Interview mit Streep/Roberts. Meryl Streep wohnt während langer Dreharbeiten lieber in einer Wohnung, so auch hier. Sie kocht dann gerne für ihre Kollegen. Und obwohl Roberts Meryl sehr verehrt, hat sie den Regisseur so lange bearbeitet, bis er ihr die letzte Einstellung versprach (in der sie nicht nur Schlafanzughose sondern auch noch Birkenstocks Arizonas trägt;-).Eigentlich hätte diese Streep zugestanden.
    Die Drehbuchschreiber haben einzigartige Charaktere geschrieben und ich weiß, ich wiederhole mich: hier kriegt das niemand hin.
    Ich wünsche dir ein Wochenende an dem du deinen beiden Leidenschaften ausführlich fröhnst!

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