.

.

Donnerstag, 23. März 2017

Mitschuld der Medien am Demokratieabbau

Ein Terrorist wird in unserer Medienlandschaft immer häufiger als "mutmaßlicher Terrorist" bezeichnet, ganz gleich, ob er er seine Taten selber zugibt, sich zum Terrorismus bekennt oder auf frischer Tat dabei von der Polizei kampfunfähig bzw. erschossen wird. Ist es nicht ein erstaunlicher Umgang mit Sprache? Als "mutmaßlich" wird eine Tat oder ein Täter zurecht bezeichnet, wenn sie oder er nicht zweifelsfrei dafür fest stehen, Himmel, aber wenn jemand während seiner Terrortat erschossen wird, kann man doch nicht mehr von einem "mutmaßlichen Terroristen" berichten. Wo bleibt die "Sprachpolizei" in Form von öffentlicher Zurechtweisung eigentlich hier?

Ich "verlange" ja überhaupt nicht, dass das Wort "islamistisch" oder "Islam" in diesem Zusammenhang sofort fällt, denn wir alle wissen um die Gefahr eines am Ende nicht mehr zu kontrollierenden aufgehetzten Mobs, dessen mögliche Racheakte dann vielleicht Unschuldige zum Opfer fallen und woran somit die Sprache mitschuldig wäre, doch ein Weglassen oder absurdes Bezeichnen der Realität erzeugt viel größere und heftigere Reaktionen in der Öffentlichkeit, denn dadurch steigert sich die sowieso schon vorhandene Wut über die eigentliche Tat um ein Vielfaches, da man merkt, für wie dumm und blöde die Bevölkerung von unserer "vierten Gewalt im Staate" gehalten und behandelt wird.

An die sprachliche Unverbindlichkeit der Politik haben wir uns gewöhnt, deswegen nimmt niemand mehr Aussagen von Politikerinnen und Politikern ernst, doch müssen die Medien es ihnen unbedingt gleichtun? Es erinnert mich stark an die sprachlichen Verklausulierungen in der ehemaligen DDR; werden wir nun bei Medienberichterstattungen vermehrt wieder zwischen den Zeilen lesen lernen müssen, um die Wahrheit zu erfahren? Ich fürchte, die Medien verlieren in einer solchen Art und Weise jede Legitimation und sind in logischer Konsequenz dann selber mitverantwortlich für den schrittweisen Abbau unserer Demokratie.

Kommentare:

  1. Nachrichtensendungen im TV mutieren zur "Aktuellen Kamera" und die Printmedien gleichen sich dem "Neuen Deutschland" an.
    Man kann sich nur einen persönlichen Filter einrichten, ansonsten kriegt man die Wut.
    Inzwischen habe ich resigniert, besser für den Blutdruck.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Naja, wenn aber die Medien von der Bevölkerung wahrgenommen und behandelt werden wie diese schon längst die Politikerinnen und Politiker behandeln, nämlich respektlos und betrachtet mehr als Dorftrottel, dann kann jederzeit eine charismatische Dame oder ein solcher Herr mit Hilfe einer Bewegung hierzulande die Macht an sich reißen. Medien sind wichtiger als Politiker, finde ich, und sie sägen gerade den Ast ab, auf dem sie selber sitzen, das ist so fatal. Wäre es jemand anderes mit der Säge, könnte man etwas gegen ihn unternehmen, aber so wie heute, ist man machtlos. Am Ende heulen und schreien die Medien und schieben allen und jedem für ihr eigenes Versagen die Schuld in die Schuhe, doch auch ihr kommender wirtschaftlicher Ruin ist heute, hier und jetzt, schon abzusehen, denn wer bezahlt freiwillig für solche Medien auch noch teuer verdientes Geld?

      Andererseits, wer sagt eigentlich, dass die Demokratie in der jetzigen Form für alle Zeiten das Nonplusultra sein muss? Ich glaube nicht an eine Zukunft für eine parlamentarische Demokratie im Zeitalter persönlicher Vernetzung und genauso wenig an eine Medienlandschaft, wie wir sie heute kennen. Wer sagt, dass Demokratie nicht auch anders organisiert werden kann?

      Löschen

Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.