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Mittwoch, 29. März 2017

Lobbyarbeit sei komplex und nicht geheim

Der streitbare Joey Hoffmann legt sich mal wieder mit allen und jeden an. Das scheint ihm Spaß zu machen. Nun kann er nicht davon lassen, in seinem guten aber widersprüchlichen Artikel, in dem er ein Licht auf die Verflechtungen der Pharmaindustrie mit den Tabakgegnern wirft, einerseits heftige Kritik an Verschwörungsvorwürfe gegen die Industrie zu äußern, er kanzelt diese Verschwörungstheorien frech als Unsinn ab: "in Mitteleuropa und Nordamerika zieht auch das Bild der Bestechung nicht, bei der Geldkoffer in spärlich beleuchteten Tiefgaragen den Besitzer wechselt. Das ist eine Illusion, wie Gretchen Müller sich so etwas vorstellt."; andererseits beschreibt sein Artikel gerade diese unlautere Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaftsinteressen. Es ist wie bei seinem Boykottaufruf gegen China: was ein Boykott ist, bestimmt Joey Hoffmann selber, so wie er heute Verschwörungen treffend beschreibt aber sich weigert, sie als solche zu bezeichnen. Es ist schlicht eine begriffliche Rechthaberei, die er betreibt, und sie dient einzig dazu, dem Daniel Hagemeister-Biernath ("Nebelkrähe" u.a.) ans Bein zu pinkeln.

Lass solchermaßen Kleinkrieg bitte bleiben, lieber Joey Hoffmann, die Leserinnen und Leser sind nicht so dumm, wie du glaubst.

Nun zum Thema: wäre Bestechung so einfach nachweisbar, würden viele Menschen in ihren Zellen schmoren. Das Wesen der Bestechung liegt gerade darin begründet, dass sie nicht so leicht nachweisbar ist also im Geheimen stattfindet. Sie wird verborgen und verschleiert. Gretchen Müller fragt seit Anfang 2000, wo denn der Geldkoffer, den der Waffenhändler Schreiber dem heutigen Bundesfinanzminister Schäuble überreicht hatte, abgeblieben ist. Verschollen samt Inhalt. Ja, dieser Geldkoffer ist nur eine Mini-Spitze eines zu Tage getretenen Eisbergs, deren Verschleierung aus Nachlässigkeit der Beteiligten bei der Auflösung ihrer Strukturen durch die Wende von 1998 nicht mehr so geschmeidig funktioniert hatte. Macht aber nichts, die Existenz des Koffers wurde nachgewiesen, sein Verbleib schlicht und ergreifend so lange verschwiegen, bis er vollständig vergessen ist. Am Ende sind es nur noch Gretchen Müllers, die beharrlich danach fragen. So funktioniert Politik. Aussitzen (da war doch mal was?). Was glaubst du denn, von wem und wofür "Spendengelder" bezahlt werden? Von edlen Menschen, die anderen etwas Gutes tun?

Selbstverständlich existiert Korruption und Verschwörung von "ganz oben" bis in die kleinsten Niederungen kommunaler Politik. Persönlich kann ich das bestätigen aber nicht beweisen, daher weiß ich, dass sie sogar bei "kleineren Geldbeträgen" (so ab 1.000 Euro) munter heutiger Standard ist. Komplex, bar und geheim, sehr geheim sogar (ich habe selber vor Jahren ein Gespräch von nur drei Menschen mitangehört, in dem es in einer klassischen Verschwörung im Halbdunkel einer leeren Gaststätte bei Nacht um die "Umverteilung" von mehreren hunderttausend Euro EU-Zuschüssen ging. Auch weiß ich von Bargeldpräsenten für nette Manipulatiönchen bei Auftragsvergaben. Geheim, exakt so wie Gretchen Müller sich das vorstellt; daher aber nicht beweisbar, und wer trotzdem was sagt, nimmt den eigenen Jobverlust in Kauf oder lässt sich wegsperren, da ja alle daran beteiligt sind.). Kommunale Verwaltungen sind hierzulande genauso korrupt wie in Italien oder Südamerika - allein der deutsche Michel namens Joey Hoffmann will dies wie ein ungläubiger Thomas nicht glauben, bevor er sie nicht anfassen kann, ja, vielleicht bevor ihm selber ein entsprechendes Angebot unterbreitet worden ist. Doch selbst dann würde er sie zwar dankend zur Kenntnis nehmen aber selbstredend öffentlich verleugnen. Illusionen halt.

Kommentare:

  1. 1. Daniel Hagemeister-Biernath ist mir unbekannt. Ich habe kein Interesse ihm ans Bein zu pinkeln, da er für mich keine relevante Kategorie ist. Ich lese nicht was er schreibt. Daher lege ich mich auch nicht mit allem und jedem an.
    2. Ich habe kein Interesse an Kleinkriegen, da irgendwelche Blogger für mich keine relevanten Gegner sind.
    3. Was eine Verschwörung ist bestimme nicht ich. Auch nicht der Volksmund. Sondern der Duden und gelehrte Menschen. Ebenso was ein Boykott ist. Ich habe nie zu einem Boykott aufgerufen.
    4. „Unlautere Zusammenarbeit“ ist keine Verschwörung.
    5. Bestechung ist keine Verschwörung.
    6. In der CDU Spenden Affäre ging es nicht um eine Verschwörung.
    7. Moralische oder ethische Anstößigkeit ist kein Kriterium für eine Verschwörung.
    8. Korruption ist keine Verschwörung.
    9. Ja, es ist begriffliche Rechthaberei. Die Gründe dafür sind im Artikel genannt.
    10. Du stellst Behauptungen auf, von denen Du selber sagst, dass man sie nicht beweisen kann. Damit sind sie nicht falsifizierbar. Das ist nicht statthaft.
    11. Ich habe zu keinem Zeitpunkt bestritten, dass es Verschwörungen und Bestechung gibt.
    12. Ich halte es umgekehrt für eine Art von „Kleinkrieg“ mir immer wieder Unkorrektheit oder Naivität zu unterstellen.

    Gruß

    Joey Hoffmann

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    1. Vielen Dank für diese doch sehr aufschlussreichen 12 Punkte.

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.