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Samstag, 4. Februar 2017

Multimedia einen Steinwurf nah zurück

Der "Dampfer Talk", den ich jeden Freitag anschaue, war leider gestern ausgefallen. So ging ich zum Film-Regal, um mir alternativ einen Spielfilm auszusuchen. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: was hat sich die Zeit doch verändert!

Heute habe ich zu Hause eine Auswahl von Hunderten Filmen, teils auf DVDs, Blu-rays oder als Dateien. Alle Genres sind vertreten, alle Filme, die ich gerne sehe. Was früher eine Plattensammlung war, wird heute übertroffen von der Film- und Seriensammlung. Rechne ich eine einzelne Serienfolge als einen Film, so steht heute eine vierstellige Zahl derer zur Verfügung. Hier zu Hause, griffbereit. Fassbar unfassbar eigentlich.

Zusätzlich kann ich online binnen Minuten beinahe jeden Film herunterladen, Filme, die erst vor wenigen Tagen in Kinos angelaufen sind oder sämtliche Klassiker, eine schier unendliche Auswahl. Das ist im Jahre 2017 möglich, nein, nicht nur möglich, es ist kostenloser Standard (wenn man vom Preis des Internetanschlusses einmal absieht). Doch wie sah diese Welt vor 24 Jahren aus?

1993

Ich weiß es noch wie gestern. Von Simone bekam ich als Weihnachtsgeschenk eine Sammlung Star-Trek-Spielfilme; die Filme 1 bis 6 auf Videokassetten. Ich habe sie die ganze folgende Nacht hindurch angeschaut, einen Film nach dem anderen. Es war kolossal damals für mich: hey, zu Hause einen solchen Genuss erleben zu können! Diese heilige Filmnacht werde ich nie mehr vergessen. Sie kam einer Offenbarung gleich.

Als VHS-Videobänder hatten die Filme damals 99 DM gekostet, auch heute noch viel Geld. Doch das ist sogar nichts zu den Preisen bis dahin:

1987

Filme wurden in Videotheken ausgeliehen. Der Preis für einen Film pro Tag entsprach in etwa dem einer Kinokarte, ein, zwei DM weniger vielleicht. Bei Verlust oder Beschädigung einer Kassette verlangte die Videothek bis zu 200 DM Schadensersatz (wollte mal eine von mir haben, ich konnte dies auf 50 DM herunterhandeln. Die musste ich aber bezahlen. Für "The Purple Rose Of Cairo" - das bleibt genauso unvergesslich als Verknüpfung im Gehirn erhalten).

Zu jener Zeit besaß man als Normalbürger ein paar wenige Leerkassetten, auf die dann das TV-Programm aufgenommen werden konnte. Das war die gesamte Film-Bibliothek: TV-Filme. Was hielten die öffentlich-rechtlichen Sender noch für eine Macht. Und die Meinungshoheit obendrein. Ein Kopieren von Filmen im großen Stil hatte noch gar nicht begonnen, denn es war ja alles bis dahin analog, Kopien also nur unwesentlich billiger.

Unvorstellbar heute, ein Leben ohne Internet und ohne digitale Multimedia-Unterhaltung, mit, wenn überhaupt, analogen Filmmitschnitten und auf Vinyl gepresster Musik - und all das liegt nur einen Steinwurf in Gedanken zurück.

1976

Pingpong als erste Videospiel-Abwechslung - wie gebannt saßen wir vor einem schwarzen Monitor mit 3 Strichen, einem längeren, was das Netz beim Tennis darstellte, zwei auf- und abbewegliche kleinere als Schläger und einem weißen Punkt als Ball. Zwei Regler mit Kabeln an eine "Spielkonsole" verbunden und tatsächlich bewegte sich der Punkt nach unserer Vorhand. Stundenlang erklang das Plop, Plop, Plop und fesselte uns vor dem TV-Röhrengerät. Kaum zu glauben aus heutiger Sicht, aber genauso war es damals unglaubliche Science Fiction, die wir erlebten. Zwischen den Plops des Punktes und den unzähligen virtuellen Multimedia-Welten unserer Tage liegen nur 41 Jahre.

41 Jahre sind eine lange Zeit? Das ist das Faszinierende am Gehirn: je älter du wirst desto weniger bedeutet diese Zeit. In der Erinnerung erledigt sich ein Zeitsprung in einer Sekunde - von jetzt auf gleich finden Zeitreisen im Kopf statt, die dich einfach nur staunen lassen.

Kommentare:

  1. Es geht uns richtig gut! Ich bin noch mit s/w Fernsehen und drei Programmen aufgewachsen.
    Kennst du das Techniktagebuch? Da würden deine Posts gut hinpassen.

    Haben mit"Call the Midwife" begonnen. Die Serie spielt im verarmten London der 50er Jahre. Ich war etwas unsicher ob des Themas Hebammen und Krankenschwestern. Aber die Serie gefällt und wird zu Ende geschaut (leider steht nur eine Staffel zur Verfügung).
    Dir auch ein schönes Wochenende.

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    1. Genau, 3 Programme, begonnen erst nachmittags und Sendeschluss schon gegen 11 Uhr abends. Meine Güte, heute würden dich die Leute auslachen, wenn du so etwas anbieten würdest.

      Ja, uns geht’s unterhaltungstechnisch gut, absolut hervorragend. Und wenn man bedenkt, das ist ja nicht das Ende der Fahnenstange, da haben wir noch einiges mehr zu erwarten. Bin gespannt, was noch so kommt.

      "Call The Midwife" war ja auch ein Tipp von dir, habe ich gerne gesehen, ist absolut top. Die Briten können's! Die BBC ist da um einiges besser als unser öffentlich-rechtiches Pendant. Woran das liegt? Keine Ahnung, sie sind halt besser.

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