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Donnerstag, 23. Februar 2017

Ein Tagesablauf

Heute versuche ich mich mal an einen Tagesablauf und weiß nicht, ob dabei überhaupt etwas Lesenswertes herauskommt, zumal ich heute komplett zu Hause bleibe und nicht einmal zum Einkaufen draußen unterwegs sein werde. Mit "heute" ist für dich übrigens gestern gemeint, denn jetzt im Augenblick des Aufschreibens ist es Mittwoch, veröffentlicht wird dieser Eintrag aber erst morgen, also heute für dich. Zu kompliziert.

Aufwachen: 0:30 Uhr, anschließend Katzenwäsche. Jaja, staune du als Neu- oder ZufallsbesucherIn ruhig, dies entspricht meinem biologischen und im Großen und Ganzen durch meine Nachtarbeit über 30 Jahre antrainierten Biorhythmus. "Nachtarbeit macht krank", ist überall zu lesen, stimmt allerdings nur zur Hälfte, wie alle anderen Lebensweisheiten typischerweise auch, denn mich würde dauerhafte Tagesarbeit krank machen. Durch Nachtarbeit wurde ich trotz ungesunden Lebensstils (schlechte Ernährung, zu wenig Bewegung) noch nicht ein einziges Mal ernsthaft krank *klopfaufholz*. Dies sei ein familienunfreundlicher Rhythmus, ist weiterhin oft zu hören. Ja, das stimmt, aber nicht jeder Mensch lebt in einer Familie und andererseits dürfte die Scheidungsrate längst nicht so hoch sein, da üblicherweise ja gerade fast ausschließlich tagsüber gelebt und gearbeitet wird. Also auch hier nur wieder eine Halbwahrheit.

Frühstück: Bis 3 Uhr. Am großen Schreibtisch. Währenddessen ausgiebige Rundgänge im Internet in Form von Leseattacken. Alles halt textbasiert, denn zu dieser frühen Stunde mag ich keinen Lärm der Videos oder redende fremde Menschen direkt vor meinen Augen. Draußen stürmt und regnet es unablässig, drinnen empfinde ich das auf die Dachfenster prasselnde Nass geradezu urgemütlich, erst recht, da ich heute eben nicht mit dem Rad unterwegs zu sein brauche. Was aus den News im Kopf hängenbleibt, das ist die Meldung der entdeckten 7 erdähnlichen Planeten: viel Raum für Fantasie. Ich lehne mich als uralter Trekkie im Sessel zurück, e-dampfe genüsslich leckeres Kaffee-Liquid und hänge meinen Gedanken nach.

4 Uhr: Frühsport. Action! Bewegung lässt die Knochen und Gelenke meines Skeletts die Treppe hinabgehen, die Wohnungstür öffnen, die Schultern wegen des windigen nassen Wetters anziehen, zum Briefkasten eilen, um nach Post vom Vortag zu sehen, leer, wieder schließen und 5 Meter im hastigen Dauerlauf zurück hinein ins Warme eilen. Darauf erst mal etwas frisches Menthol-Liquid einatmen. Nachbars Katze, die dreibeinige schwarze Miss Flint hatte auf mich derweil gewartet (in Anlehnung an Captain Flint, Stevensons "Schatzinsel", du weißt? Und obwohl Long John Silver ursprünglich der mit dem Holzbein war, wurde das in der Verfilmung Captain Flint angedichtet). Miss Flint also ist während meines frühen Sports hineingehuscht in die Wohnung und liegt nun auf einem Sessel. Sie meldet sich in ein paar Stunden wieder.

5 Uhr: Die beiden Computer werden heruntergefahren, ihre 4 Monitore, um den Stand-By-Modus zu verhindern, komplett vom Stromnetz getrennt. Dafür schalte ich einen 3. Netzwerkrechner ein und den riesigen TV-Monitor, denn ich möchte an dem noch ruhigen Morgen den Film "Boston - Patriots Day" sehen.

In den letzten 3 bis 4 Jahren ist mir übrigens aufgefallen, dass der Luftverkehr über uns stark zugenommen hat. In der Maisonette wird oben unterm Dach das Brummen und Grummeln wie in einem Resonanzkörper verstärkt. Seit ungefähr 2 Jahren fliegen in der Früh zuerst sehr laute Flugzeuge (alte Frachter?), danach wird’s ruhiger. Es klingt hingegen stets wie ein herannahendes Gewittergrollen, nicht wirklich störend aber auffallend. Über unserer Region befindet sich ein sogenanntes Luftkreuz und die Warteschleifen des Düsseldorfer Flughafens reichen ebenso bis hierher. Hinzu kommen die neueren Regionalflughäfen, die ebenfalls früh am Tag angeflogen werden. Insgesamt verzeichne ich akustisch eine ungeheure Steigerung des hiesigen Luftverkehrs, auch wenn ich dazu jetzt keine statistische Aussage treffen kann. "Gefühlt faktisch" sozusagen.

8 Uhr: Mein Gott, welch ein guter Film; "gut" ist sicher nicht das richtige Wort angesichts des schrecklichen Bombenattentats, das in "Boston" filmisch aufgearbeitet wird, denn viel zu grausam ist die Realität, um sie als "gut" zu bezeichnen. Trotzdem ist der Film "filmhandwerklich" überaus gelungen: eine perfekte Dramaturgie, die an der Realität und nicht an der Fantasie ausgerichtet ist und die nicht wie übliche Blockbuster historischer Ereignisse patriotisch übertreibt. Die Menschen Bostons stehen im Mittelpunkt, nicht die Schauspieler und nicht die USA. Es sind etliche bekannte Darstellerinnen und Darsteller unter ihnen, die sich alle sehr zurücknehmen. In einem halbdokumentarischen Stil, der aber anders daherkommt als unsere deutschen Dokuspiele, wird mit "Boston" ein Hollywood-Film abgeliefert, der als Denkmal für die Opfer und für den Zusammenhalt der Einwohnerinnen und Einwohner dieser Stadt würdig ist.

An die miserable Berichterstattung 2013 in Deutschland, vor allem die von SZ und dem Spiegel, kann ich mich noch gut erinnern. Wie der junge Attentäter visuell als ein Che-Verschnitt dargestellt worden war, wie Titel und Inhalte der Medien tendierten in Richtung wild um sich schießende amerikanische Polizisten in einer Übermacht jagten in Cowboy-Manier einen einzelnen jungen Mann, einen "mutmaßlichen Täter", so, als sei er noch bis nach der Gerichtsverhandlung ein unschuldiger Mann, obwohl er seine Tat ja längst selber eingestanden hatte - halt die typische antiamerikanische Agitationspresse, wie sie auch immer wieder bei Rassenunruhen in den USA uns verkauft wird. Nichts davon hatte aber der Wahrheit entsprochen. Dieser Film fasst nun relativ neutral die Geschehnisse chronologisch zusammen, ihn sollte jeder Mensch sehen. Es ist tatsächlich ein wichtiger Film, vielleicht sogar einer der wichtigsten gegen den Terror. Die wenigen Interviews mit den Überlebenden aber für ihr Leben gezeichneten Menschen im Abspann des Films, werden, so wie ich gelesen habe, nicht in die deutschen Kinos gelangen, was sehr schade wäre, denn mit ihnen reden die Betroffenen und sprechen von der Liebe und den Zusammenhalt, den kein Terror je wegbomben kann.

"Boston" ist also ein guter Film im Sinne von sehenswert. Über 2 Stunden sitzt du voller Aufmerksamkeit davor und er lässt dich mit seiner Wirkung auch nach seinem Ende nicht los.

Ach, du fragst dich, wieso ich ihn zu Hause schon sehen konnte? Ich sag's mal so: eine anonyme E-Mail aus Russland mit unbekanntem Anhang, der ausnahmsweise keine Schadsoftware enthielt, sondern diesen Film, erreichte mich unaufgefordert. Ich erwartete eine legale Datenübertragung und habe, nachdem ich erst mal feststellen musste, um was es sich dabei gehandelt hat, selbstverständlich den Film jetzt gelöscht. Die Russen, oje, mit welchen Mitteln sie heutzutage bereits versuchen, die Posteingänge unbescholtener Bürger zu verstopfen, das ist doch schon nicht mehr schön, nicht wahr.

Mittagessen: 8:30 Uhr. Aufs Foto meines Tellerchens verzichte ich besser, so etwas empfinde ich als Unart einiger Bloggerinnen und Blogger. Miss Flint meldete sich während der Zubereitung, sie wollte nichts mitessen aber wieder hinaus ins Freie. Sie ist nunmal eine Draußenkatze durch und durch, die nur für ihre Nickerchen gerne ein paar Stündchen ins Haus kommt.

9 bis 13 Uhr: Aus Datenschutzgründen umschreibe ich die Tätigkeit dieser 4 Stunden mit berufsbedingter Heim-Computerarbeit: schreiben, bearbeiten, ausdrucken, telefonieren - Bürotätigkeiten halt.

13 Uhr: Da ich mich nun seit 12 Stunden in einem Raum befinde, sitzend aber abwechslungsreich auf wechselnden Sitzmöbeln, fasse ich den Entschluss, dem regnerisch-windigen Wetter doch freiwillig die Stirn zu bieten und mache mich auf zu einem (leider ohne Elli) langen Waldspaziergang.

16 Uhr: Ich habe unterwegs Lebewesen getroffen! Menschen und viele Hunde aus echtem Fleisch und Blut. Wir kennen uns alle aus gemeinsamen Hundespaziergängen. Wie tut mir Ellis Verlust immer noch von Zeit zu Zeit weh, das finde ich selber erstaunlich, wenngleich es bei dieser Begegnung doch eher weniger verwundert. Ich gesellte mich zu den anderen und es war trotz des unfreundlichen Wetters sehr unterhaltsam und einfach nur schön im Wald.

Nun sitze ich wieder schreibend an meinem Rechner und lasse den Tag - meinen Tag - ausklingen. Es gibt noch ein paar E-Mails zu beantworten, keine russischen, und in meiner Abwesenheit hatte das Telefon geklingelt, was mir die Fritzbox sagt. Gleich wird das Klingeln sich wiederholen, da ich weiß, wer es war. Noch ein knappes Stündchen werde ich am Telefon reden oder besser gesagt, hauptsächlich zuhören, und gegen 18 Uhr ist dann endgültig Nachtruhe angesagt.

Das ist ein Tag aus meinem derzeitigen Leben. Unspektakulär aber angenehm. Mit nichts und niemandem würde ich tauschen wollen. So etwas bezeichnet man auch als "er will einfach seine Ruhe haben". Diesen Alltag mag sicher nicht jeder aber ich bin eben nicht jeder. Und er gilt ja sowieso nur für meine arbeitsfreien Tage. Nachtschichten unterbrechen ihn für gewöhnlich ziemlich radikal. Momentan gibt es aber keine.

Kommentare:

  1. Ach, du bist die Nachteule die ich bisweilen höre!
    "Boston" hat vermutlich viele Untertitel. Kann ich wenn dann verfügbar, nur alleine sehen.
    OT: demnächst findet ja die Abschaltung der Sender vom "alten" HDTV statt. Gerade las ich, dass nur die privaten Sender betroffen sind, die künftig pro Gerät(!) 69 Euronen verlangen (die sie von mir nicht bekommen) und die Öffentlich-Rechtlichen weiterhin mit dem alten Receiver zu empfangen sind. Kann man die Privaten denn trotzdem mit der SAT-Schüssel empfangen? Du hast schon einen Blogpost dazu geschrieben, ich bin aber etwas verunsichert.
    Übrigens erhalten alle Sender zusätzliche Ausschüttungen von der VG Bild-Kunst in erheblicher Höhe. Die Gier ist grenzenlos.

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    1. Ja, so ist es, die Gier ist grenzenlos. Und selbst wenn wir komplett aufs TV verzichten, müssen wir dafür bezahlen. Wo gibt es so etwas sonst noch? Die reinste Gelddruckmaschine.

      Zu deinen Punkten:

      1. Den "alten" DVB-T-Receiver kannst du wegschmeißen. Damit geht gar nichts mehr. Elektroschrott.

      2. Mit einem neuen DVB-T2-Receiver (ab 30 Euro) wird man öffentlich-rechtliches TV kostenlos sehen können. Die Privaten ein paar Monate lang auch noch, dann die aber nicht mehr.

      3. Per Sat-Schüssel kann man jetzt und in Zukunft kostenlos die öffentlich-rechtlichen Sender schauen, die privaten in Zukunft aber ebenso nicht mehr, die sollen auch dort verschlüsselt werden. Noch sind sie's aber nicht. Ob für das zukünftige HD-Format per Sat-Schüssel auch extra bezahlt werden muss, weiß ich nicht.

      4. Die zusätzliche Box fürs Antennen-TV zum Entschlüsseln der bezahlten privaten Programme braucht man extra - es sei denn, sie ist in dem DVB-T2-Receiver schon eingebaut, dann kostet der aber mehr als 30 Euro. So oder so, das Entschlüsslungsgerät muss vom Nutzer direkt oder indirekt bezahlt werden, wenn man es denn benutzen möchte.

      Knapp 70 Euro im Jahr, das ist einfach nur irre. Pro Gerät! Hast du zwei oder mehr, wird’s richtig teuer. Stelle dir vor, du müsstest für Online-News bezahlen. Für wie blöd halten die die Menschen? Für den Spiegel bezahlen? Eher würde ich mir die Hand abhacken. Ohne Spiegel-Online & Co. wäre die Welt erheblich lebenswerter.

      Zuerst wollte ich ja die Sat-Schüssel reaktivieren, wie ich bereits geschrieben hatte. Wenn über beide Empfangswege nun aber alle Sender bis auf die öffentlich-rechtlichen verschlüsselt werden, ist das ziemlich sinnlos geworden für mich. Nun sieht es folgendermaßen aus:

      Meine Mutter bekommt zwei neue DVB-T2 Receiver. Das ist am Unkompliziertesten. Und da sie sowieso keine privaten Sender schaut, können wohl alle damit leben. Kostenpunkt um die 60 Euro für beide Geräte (Wohn- und Schlafzimmer). Somit muss sie sich "nur" an zwei zusätzliche Fernbedienungen gewöhnen.

      Ich selber verzichte gerne darauf, schaue sowieso kein Standard-TV, nur noch Internet-TV. Per drittem Netzwerkrechner, der zukünftig ein stromsparender Minirechner sein wird, noch nicht ist, noch ist's ein stromfressender normaler Rechner, wird es auch keinen Unterschied zu vorher für mich geben. Aber zu Testzwecken und als Fast-Geschenk für meine chinesischen Bonuspunkte (Rabatte für die E-Dampf-Ware) habe ich für nur knapp 8 Euro einen DVBT-2 USB-Stick gekauft. Der war eigentlich ursprünglich vorgesehen für den Laptop auf Arbeit aber liegt noch verpackt in der Schublade. Damit könnte ich für mich wahrscheinlich auch zu Hause das gesamte Netzwerk versorgen. Wie gesagt, noch habe ich das nicht ausprobiert, also ist jede Aussage dazu unter Vorbehalt getroffen. Aber warum sollte es so nicht funktionieren? Hingegen treibt mich nichts zur Eile, irgendwie habe ich gar keine Lust darauf, denn, wie gesagt, nur fürs öffentlich-rechtliche TV? Nein danke.

      Technikaffin und neugierig bin ich ja schon, somit werde ich auch das demnächst wohl testen - aber bestimmt nicht dauerhaft nutzen.

      Thema "Boston": Nein, es gibt kaum Untertitel, nur bei ein, zwei kurzen Unterhaltungen. Und die sind prima lesbar in großer weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund. Du möchtest ja "von den Russen" nix wissen, dann musst du leider noch eine ganze Zeit lang warten, der Film ist nämlich erst gerade in den Kinos angelaufen. Er läuft aber nicht weg, wie man so schön sagt, er ist auch morgen noch sehenswert.

      Tja, alles in allem kann man sagen: mit Geld und deiner Bereitwilligkeit, es wie die Kamelle kräftig in die Menge zu werfen, ist alles kein Problem. Nichts Neues. Du sollst eben die Wirtschaft unterstützen, liebe Barbara. Was glaubst du denn, wozu du Geld verdienst? Doch nicht, um es zu behalten. Nene. Das war nie so vorgesehen. Weg damit! Das Geld muss raus! :-)

      Herzlichst
      Der Bundesfinanzminister i.V.

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