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Mittwoch, 8. Februar 2017

Diskussionskultur

Die jungen Erwachsenen seien schulisch durch eine rot-grüne Ideologie indoktriniert, ungebildet oder schlichtweg dumm, so lautet das eine Extrem als Begründung für die unten verlinkte Episode auf einer AfD-Veranstaltung, das gegenteilige Extrem behauptet, Frauke Petry habe als routinierte Rhetorikerin Kinder vorgeführt. Beide Sichtweisen werden dem Gezeigten nicht gerecht.

Genau dieses ausschließliche Anklagen bei gleichzeitigem Desinteresse der inhaltlichen Thematik macht unsere Demokratie krank. Fakten interessieren nicht mehr, die Haltung bzw. die Meinung zählt nur noch. Dass Frauke Petry hier eine vorbildliche Verhaltensweise an den Tag legt, kümmert keinen, denn egal, was sie sagt oder macht, als Galionsfigur einer diabolischen AfD hat sie immer Schuld an allem Bösen. Zaghaft darf ich hier mal an den von der Bevölkerung hochgeschätzten Franz Josef Strauß erinnern, der jugendliche Störer gerne als "Ratten und Schmeißfliegen" beschimpfte, was den Qualitätsunterschied der politischen Diskussion zwischen der damaligen CSU und der heutigen AfD deutlich aufzeigt. Mit der AfD kann man reden, wenn man das denn überhaupt will; ich habe allerdings den Eindruck, dass viele gerne das Wort Demokratie in den Mund nehmen aber mit dem politisch Anderdenkenden gar nicht reden wollen.

Nein, ich werbe mit diesem Beispiel nicht für die AfD, sondern das Video zeigt die Diskussionskultur Frau Petrys. Den Vergleich zu Veranstaltungen anderer Parteien, bei denen Kritiker mit Schimpf und Schade des Saals verwiesen werden, kennst du sicher selber. Und schau dir die Kommentare unter dem Video einmal genauer an, dann stellt sich doch die Frage, wer oder wo denn die mündigen Bürgerinnen und Bürger unseres Landes sind.


Die komplette Landauer Rede findest du übrigens hier (eine Stunde und sechsundvierzig Minuten). Durchaus interessant im Sinne von "alle reden über die AfD aber keiner hört ihr zu". Zuhören ist nämlich wesentlicher Bestandteil von Demokratie.

Kommentare:

  1. Ja, das kann die Petry sehr gut: Jugendliche zerlegen. Ohne dabei ausfällig zu werden wie einst FJS.
    Dennoch ist und bleibt die AfD eine Sch...spartei.
    Eine Partei, die Neonazis in den eigenen Reihen hat (und deutlich mehr davon als die CSU), die Diskriminierung las Programm hat, keine Konzepte zur Lösung unserer Probleme hat und mit dümmsten und z.T. angebräuntem Populismus das IQ-mäßig unterste Quartil der Bevölkerung an die Wahlurnen lockt.

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    1. Die AfD ist nicht besser oder schlechter als alle anderen Parteien. Diejenigen, die letztlich eine gewisse Zeit lang unser Land regieren, werden von uns allen dafür gewählt. Als Demokrat muss ich als Teil einer Minderheit den Willen der Mehrheit akzeptieren. Das kann man unter Umständen mit der Zeit lernen, kann ich dir versichern, seit Jahrzehnten befinde ich mich politisch in der Minderheit :-)

      Das Problem an unserer Demokratie ist nicht ein Zuviel an Wahl- bzw. Entscheidungsmöglichkeiten, sondern ein Zuwenig. Jeder einzelne von uns sollte in mehr demokratische Prozesse eingebunden werden. Begonnen bei kommunaler Mitbestimmung über Landespolitik bis hin zu Entscheidungen über die Bundespolitik. Volksbefragungen, Volksentscheide, Bürgerbeteiligungen und so weiter - wenn man das alles von Kindesbeinen an gewöhnt ist, wächst man wie selbstverständlich als Demokrat heran und niemand braucht mehr Angst zu haben, dass andere die Demokratie zerstören könnten.

      Dumm sind nicht AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler, auch nicht LINKE-Wähler oder Merkel-Fans, dumm und gefährlich sind diejenigen, die die Wahl der anderen nicht akzeptieren und somit ihr antidemokratisches Innere offenbaren.

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