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Mittwoch, 22. Februar 2017

Ansichtssache

Eine Woche keine E-Dampfthemen, versprochen. Und @Barbara, der Serienverriss kommt noch, ich tu mich heute nur schwer, die Welt negativ zu betrachten. Warum? Ist der Frühling ausgebraochen? Geht's mir besonders gut? Erlebe ich einen Glücksrausch?

Weder noch, alles plätschert so vor sich hin, das Negative wird verleugnet (ein positiver Realitätsverlust), das Positive nach Kräften überbewertet (2,50 Euro Lottogewinn bedeutet immerhin, dass das Schicksal mich nicht vergessen, sondern meinen Namen extra auf seine Gewinnerliste notiert hat) und alles dazwischen ist der rheinischen Mentalität geschuldet: "Wie isset?" "Jut." "Hauptsache."

Vorhin habe ich auf YouTube ein Video gesehen, nein, nur überflogen, denn es war durchgehend dermaßen negativ, dass ich alle paar Sekunden vorspulen musste, um diesem zähen Brei zu entgehen. Ein Mann (zugegebenermaßen E-Dampfer) schilderte darin den aktuellen Stand der Dinge aus seiner persönlichen Sicht. Er jammerte von Anfang bis Ende über alles und jeden. Ein "Vlog" war es, ein Video Blog, so etwas ist für Menschen, die, wenn sie nichts erklärend zeigen, oft einfach nur zu faul zum Schreiben sind oder meinen, ihr Antlitz dürfe der Welt nicht vorenthalten werden. Zwar teilen wir alle auch deren Mitteilungsbedürfnis, natürlich ebenso ich, und es mag stimmen, dass etwas von der Seele zu reden/schreiben durchaus therapeutische Wirkung zeigt, doch wenn mir als Zuschauer 26:45 Minuten lang sämtliche Münzen und Medaillen des Lebens nur von ihren negativen Seiten beschrieben werden, dann laufe ich Gefahr, in diesen Strudel mit hineingezogen zu werden. Es gibt wahrlich genug zu Jammern im Leben, darin benötigt niemand auch noch Unterstützung, das bekommt nämlich jeder ganz alleine hin. Wer es darauf anlegt, findet überall ein schlechtes Korn, trotzdem: du kannst zwar den Appetit verderben, indem du es noch so betonst, im feinen Mehl des süßen Pfannkuchens ist es nicht mehr auszumachen.

Das Gegenteil ist wichtig, die positive Verstärkung. Die vielen guten Körner zeichnen die Qualität der Backware aus. Deshalb versuche ich mich auch bei negativen Film- oder Serienkritiken möglichst zurückzuhalten, hingegen die positiven Eindrücke dieser cineastischen Kultur euphorisch zu teilen. Doch nicht nur Hype, nein, nein, sonst wird’s unglaubwürdig, denn so ist die Welt nun mal bekanntlich nicht. Schlechte Filme müssen auch als solche benannt werden und sei es nur, um vor Enttäuschungen zu warnen. Verrisse kommen, sie sprudeln bereits munter in der Pipeline, meine Hand befindet sich schon am Abflusshebel ;-)

Ebenso wenig erstrebenswert wie ausschließlich negative Berichte ist die graue Ausgewogenheit, sie klingt in meinen Ohren wie die Predigten der Pastoren oder das Gebrabbel eines stets unentschlossenen meinungslosen Alles-Verstehers. Oder wie die Rechthaber, jene Zeitgenossen, die aus Prinzip jeder Aussage eines anderen Menschen ihr "Aber" anfügen und glauben, ganz besonders schlau zu sein, indem sie die Rückseite einer gerade beschriebenen Vorderseite einer Münze nun extra hell beleuchten, oh, die habe ich ja ganz besonders lieb.

Die Welt wird nicht untergehen, wenn E-Dampferinnen und E-Dampfer um ihre Rechte kämpfen. Andererseits kann ich nichts an den Lebensbedingungen der Menschen in Afrika oder in einem anderen unterentwickelten korrupten Land der Erde entscheidend verändern, wenn ich die theoretisch viel einfacher zu beeinflussenden Bedingungen im eigenen Land nicht einmal zu ändern vermag. Bei jeder Bewegung und bei allem Handeln in meinem eigenen Leben kann ich mir zwar von den Negativ-Predigern ein schlechtes Gewissen einreden lassen und meine Lebensfreude vor ihnen verbergen oder mich gar dafür entschuldigen, überhaupt geboren worden zu sein, doch all das ändert nichts, denn Veränderungen können nur die Menschen vor Ort für sich selber erreichen, nicht wir für sie und sowieso nicht von heute auf morgen. Aber man kann Mut machen durch positive Bestärkung, man kann Kraft verleihen, indem man ihnen nicht jedes schlechte Körnchen unter ihre Nasen hält und man sollte sich selber lieber ein wenig zurücknehmen, denn vielleicht ist eine Welt nach den eigenen Vorstellungen gar nicht so erstrebenswert für andere.

Ach, ich schweife mal wieder ab und schreibe mehr und mehr kryptisch :-)

Einen geheimnisvollen Donnerstag wünsche ich dir: mögest du die Rätsel dieser Welt entschlüsseln und das Glück für ewig dein Zuhause sein.

Apropos, kennst du eigentlich eines der schlimmsten Kitschwörter der deutschen Sprache? "Ewiglich" - da rollen einem doch förmlich die Zehennägel hoch, nicht wahr.

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