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Mittwoch, 18. Januar 2017

Serienbesprechung: "The Killing"

Einleitend sei mir die Bemerkung erlaubt, dass ich zwar schon oft geschrieben habe, dass mir die Inflation der TV-Krimis, besonders die der Serien-Krimis, mittlerweile zuwider ist, es sich aber bei "The Killing" um eine absolute Ausnahme dieser persönlichen Regel handelt.

Es ist so wie immer im Leben:

Wenn etwas gut ist und Erfolg hat, dann wird es von anderen nachgemacht oder bis zur gähnenden Langeweile in unendlichen Fortsetzungen letztlich zerstört. Die britischen, die skandinavischen, die elend schlechten deutschen Krimiserien - ach, du weißt sicher, was ich meine, man kann sie kaum noch ertragen. Es ist förmlich schwierig, ihnen auszuweichen, so viele gibt es davon. Niemals hätte ich das Anschauen einer Serie mit dem miesesten Titel, den sich ein Produzent überhaupt hätte einfallen lassen können, nämlich mit dem Titel "The Killing" begonnen, erst recht nicht, wenn ich noch dazu wüsste, es handele sich "lediglich" um eine Neuverfilmung eines erfolgreichen "Dänen-Krimis". Doch wenn Barbara (die große Freundin der Filme und Serien aus den Kommentaren) schreibt, "The Killing" sei etwas Besonderes, dann macht mich das neugierig, viel mehr als hundert Online-Artikel es könnten.

Eine Ausnahmeerscheinung:

Diese Serie ist eine perfekte Mischung aus Krimi und Thriller. Zwei Hauptdarsteller begleiten die Zuschauer durch 44 Folgen a 45 bis zu 60 Minuten. Es ist möglich, die Serie als zwei selbstständige Serien in drei ziemlich eigenständigen Erzählsträngen zu betrachten, die alle lose miteinander verzahnt sind. Also ohne zu spoilern, kann gesagt werden, dass die ersten beiden Staffeln mit 26 Folgen den ersten Teil eines gängigen Polit-Thrillers bilden, die 3. Staffel mit 12 Folgen in einem entgegengesetzten Milieu spielen und die 4. Staffel als eine Art Psycho-Serie mehr die inneren Konflikte der Protagonisten aufzeigt.

Beim ersten Teil gibt es ein paar wenige Längen, eine Kürzung um einige Folgen hätte diesem Teil sehr gut zu Gesicht gestanden, wenngleich er dennoch in meinem persönlichen Bewertungssystem die Schulnote einer glatten Eins bekommt.

Der zweite Teil (Staffel 3 und 4) mit seinen "nur noch" 18 Folgen sollte ebenfalls unbedingt getrennt bewertet werden, denn die 3. Staffel mit insgesamt 12 Folgen wird zu einem furiosen Feuerwerk sich stetig übertreffender Höhepunkte, die insgesamt der Geschichte um die Detectives Linden und Holder etwas Besonders im Serienalltag verleihen, das absolut mit einer Eins plus und vielen Sternchen zu bewerten ist. Sensationell spannend und intelligent orchestriert beeindrucken die schauspielerischen Leistung aller Beteiligter insbesondere der Hauptdarsteller aber auch der vielen jungen Menschen in dieser 3. Staffel ungeheuer. Ferner ist das gesamte Set, die Maske, die Kameraarbeiten in den 12 Folgen für eine TV-Serie außergewöhnlich. Von gelungenen Kamerafahrten in visuellen Einkreisungen, die an ein Kammerspiel oder an Oliver Stones "Radio Talk" erinnern, über intensive Nahaufnahmen und Bildkompositionen gleich denen klassischer Gemälde, bis hin zur Gestaltung eines rasanten Thrilles werden etliche Stilmittel ausprobiert. Es gibt gottlob keine genretypischen Knall- und Spezialeffekte, denn die Serie vermag vollkommen ohne sie zu fesseln. Ebenfalls ist die Synchronisierung der kompletten Serie untypisch und hervorragend gelungen, sie erinnert mehr an teure Hollywood-Spielfilme als an übliche Fließbandserien. Ab der 3. Staffel erhält zwar die Figur der Sarah Linden eine neue Synchronstimme, dies fällt aber kaum auf.

Gespoilert wird hier nichts von mir, deshalb musst du dich mit der Inhaltsangabe des eingangs verlinkten Hinweises von Wikipedia begnügen. Trotzdem möchte ich erwähnen, dass das rasante Tempo dieser 3. Staffel in der 4. Staffel nicht mehr aufrecht erhalten wird. Da diese 4. Staffel aber nur aus 6 Folgen besteht, ist dies zu verkraften. Diese 6 Teile der 4. Staffel werden nun zu einem Psychogramm, das bestimmt nicht jedermanns Geschmack trifft. Schulnote Zwei bei mir.

Dennoch erzeugen diese unterschiedlichen Herangehensweisen dieser Produktion der Serie einen interessanten Stil-Mix. Auch möchte ich dringend davon abraten, nur einzelne Folgen zu schauen, denn der Genuss der Serie entfaltet sich so richtig erst bei Teil-Blöcken aus mindestens zwei, besser mehr Teilen. Lieber ein paar Sendetermine einzelner Folgen abwarten und sie dann am Stück anschauen, so verbreitet sich eine einzigartige Spannung.

"The Killing" ist kein bloßer Fortsetzungsroman, kein typischer Serien-Müll, es werden hier vielmehr drei visuelle Romane einer Romanreihe präsentiert, die aufgrund ihrer Spannungsbögen und unterschiedlichen Qualität so zusammenhängend wie nur irgend möglich angeschaut werden wollen. Ganze Serienstaffeln zu sehen, sind die Romane unserer Zeit.

Kommentare:

  1. Na, jetzt hast du mich aber neugierig gemacht.
    LG Die Mira

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    1. Und du mich auch, denn ich bin ebenso sehr neugierig, wie du die Serie finden würdest bzw. findest. Es wäre toll, wenn du dies hier kundtätest, denn das interessiert mich wirklich sehr.

      Liebe Grüße, Mira

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  2. Du bist aber schnell!
    Freut mich sehr, dass dir die Serie gefallen hat. Und ja, nur einzelne Folgen zu sehen bringt es nicht. Ich denke, daran liegt es auch, wenn solche gute Serien mal in den ÖR laufen. Sehr später Beginn und eine Folge pro Woche - da bleibt kein Zuschauer dabei. Somit fühlen die Sender sich bestätigt "guckt eh kein Mensch" und können mit ihren zusammengeschusterten Eigenproduktionen weitermachen. Ein großes Ärgernis, dass wir den Schrott mit der Zwangsabgabe an die GEZ mitfinanzieren.
    Du hast wie immer eine wunderbare Review geschrieben.
    Ich hoffe auf eine baldige neue Staffel, vielleicht gibt es dann auch mal etwas aus der Sicht des sehr vernachlässigten Sohnes. So wie bei Breaking Bad, da wurde nach und nach ja auch die Sichtweise der anderen Protagonisten gezeigt, da passt der Ausdruck Kammerspiel eben auch sehr gut. Anfänglich eine low Budget Produktion, mussten lange Dialoge durchgespielt werden. Das erzeugte eine große emotionale Dichte, fast wie bei Bergman's Filmen.
    Gerade haben wir "Better Call Saul" zum zweiten Male angeschaut, und las ich, dass Netflix die neue Staffel erst im April startet (nur 1 Folge pro Woche). Gus Frings kehrt zurück, darauf freue ich mich schon.

    Heute gibt es die neue Staffel "Sons of Anarchy". Werde berichten.
    Dir ein gemütliches Wochenende mit allzeit "gut Schirm":-)

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    1. Wie? Ich dachte ab Februar. So'n Mist aber auch, Warten kann sehr anstrengend sein. Jaja, dafür dann die Werbung, dort lohnt sie sich. Das ist sogar eine Symbiose von Werbe- und Filmwirtschaft, die ich absolut akzeptabel finde. Wer nicht abwarten kann, bekommt viel Werbung und wenig Film, wer aber wartet, bei dem ist's umgekehrt der Fall. Kann man mit leben, oder?

      Dir und euch ebenfalls ein schönes Wochenende.

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