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Donnerstag, 5. Januar 2017

"Better Call Saul"

Ohje, wie kleide ich das nur in Worte, ohne mich in Superlative zu verlieren? "Better Call Saul" ist nämlich eine der besten TV-Serien, die ich jemals gesehen habe. Ja, ist genau so der Fall, wie sollte ich es dann anders ausdrücken? Sie trifft voll und ganz meinen Geschmack. Es ist die perfekt gehaltene Balance zwischen Skurrilität, abgrundtiefem schwarzen Humor, fein sezierter Wahrheit, hervorragend analysierten Seelenzuständen und intelligenten Dialogen, bei denen ich das nächste Mal einen Notizblock parat haben werde, um das ein oder andere Zitat schnell mitzuschreiben. Es sind Hammersprüche zu vernehmen, trocken serviert, unversehens ohne jede Vorwarnung in den Raum geworfen.

Es gibt zwei rote Fäden, die sich kurz mal kreuzen aber wahrscheinlich irgendwann in der Zukunft erst so richtig zusammenlaufen werden, denn "Better Call Saul" ist ein sogenanntes Prequel, also keine Fortsetzung einer Serie, sondern die Vorserien-Geschichte - hier der Erfolgsserie "Breaking Bad" (bzw. eine ihrer Personen). Dieses Prequel ist noch nicht zu Ende, denn eine 3. Staffel wird gedreht und ich könnte wetten, dass noch weitere Staffeln folgen werden. Hoffentlich! Beide Serien stammen aus der Feder des genialen Drehbuchautors Vince Gilligan.

Näheres erfährst du aus den verlinkten Webseiten, ich möchte hier und jetzt nicht so tun als wüsste ich alles und sei ein Film- oder Serienexperte. Vor Barbaras Tipp (nochmals herzlichen Dank dafür) wusste ich noch gar nichts darüber.

Innerhalb von zwei Tagen habe ich nun 20 Folgen gesehen aber es könnte von mir aus ewig so weitergehen. Kein Qualitätseinbruch. Zu Beginn braucht es zwei, drei Folgen, um "warm zu laufen", danach erlebst du einen Rausch intelligenter Fernsehunterhaltung wie selten zuvor dagewesen. Ernsthaft, es fällt mir vielleicht ein halbes Dutzend Serien ein, die in dieser Qualitätsliga spielen, viel mehr sind's aber nicht.

Und eine Randnotiz möchte ich zum Schluss noch hinzufügen: es gibt ganz untypischerweise nur eine Frau als Hauptdarstellerin, ansonsten sind Frauenrollen nur Statistinnen-Rollen, denn weiterhin tragen ausschließlich Männer die Geschichte. Das ist zwar nicht wichtig aber eben sehr selten - oder eigentlich sogar einmalig. Kennst du vergleichbares? Es zeigt, dass hier auf Ausgewogenheit und irgendwelche festgelegte Quoten gepfiffen wird und dem Drehbuchautor, der zusätzlich auch Mitproduzent ist, freie Hand gelassen worden ist. Vielleicht ein oder sogar DAS Erfolgsrezept schlechthin, denn bekanntlich verderben viele Köche am Ende den Brei.

Kommentare:

  1. Ja, ja und ja! Wer so begeistert über diese Serie schreibt, hat mindestens noch eine weitere Staffel verdient. Angeblich soll es im Februar soweit sein. Bei der 1. Staffel gab es nur eine Folge in der Woche und was haben wir uns am Montag immer auf die neue gestürzt. Die 2. Staffel kam komplett und da haben wir uns die Folgen zugeteilt. Ich denke man kann die Staffeln während der Wartezeit noch ein zweitesmal sehen, so gut wie die Serie ist.
    Bob Odenkirk ist in der Rolle des Saul Goodman genial, er spielt ihn sensationell gut. Aus Breaking Bad taucht (glaube ich) zunächst mal nur Mike Ehrentraut auf.
    In einem Interview mit Vince Gilligan sagte dieser, er habe mit einem befreundeten Drehbuchschreiber telefoniert der gerade ein Projekt abgeschlossen hatte und ohne neuen Job in Aussicht. Beide scherzten, sie könnten sich doch einen Wohnwagen mieten, etwas durch die Gegend gondeln und nebenbei Meth kochen. Daraus entstand dann Breaking Bad. Diese Serie zu sehen war eine Offenbarung. Dann kam bald schon Netflix nach Europa und somit dient der Fernseher nur noch als erweiterter PC Bildschirm.
    Danke nochmal für deine großartige Review, du kannst Begeisterung wecken!

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    1. Dem habe ich nichts hinzuzufügen, liebe Barbara.

      Man hat das ja schon vor 15 Jahren gesagt, ich meine, dass das herkömmliche TV durch das Internet abgelöst werden wird, nur damals hat keiner sich etwas Konkretes darunter vorstellen können. Und bis es so weit war, dass es nun zu jedem Menschen durchgedrungen ist, braucht's wohl mindestens eine Generation.

      Genauso wie bei euch, so bin ich in "die neue Zeit" ebenfalls fast beiläufig hineingefallen. Herkömmliches TV ist tatsächlich out. Das macht mich aber auch giftig, denn weshalb bezahlen wir nach wie vor die vollen Gebühren für etwas, das immer weniger Menschen benutzen? Die meisten (oder immer mehr) bezahlen ihr TV selber. Ich habe nichts gegen eine steuerfinanzierte Grundversorgung, doch die doppelten und mehrfachen austauschbaren öffentlich-rechtlichen Sender heute, die ihre Konkurrenz aus dem Internet noch immer nicht mal verstehen und also darauf nicht reagieren, die keine Veränderungen des Medien-Konsumverhaltens wahrnehmen (wollen), deren Kanäle komplett gleichlautend tönen, pädagogisch mit erhobenen Zeigefingern in Richtung rot-grüner Komisch-Gesellschaft, all das ist den meisten Menschen doch zuwider. Heute kann ich beim besten Willen überhaupt keine Berechtigung für dieses überteuerte Fernsehen mehr erkennen.

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