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Donnerstag, 8. Dezember 2016

Klon ja oder nein?

Klone ja oder nein? Eine Diskussion darauf zu verkürzen, kann zu keinem Ergebnis führen, denn Markenpiraterie und das Kopieren von Ideen und Produkten sind mehr als nur Glaubens- oder Ansichtssachen in einem Schwarz-Weiß-Verhältnis. Es kommt darauf an, was und wie kopiert wird. Wird beispielsweise nur die Technik kopiert oder sogar der Markenname? Wird ein ganzes Atomkraftwerk kopiert oder nur ein T-Shirt? Wird gestohlen oder kopiert?

Das kopierte virtuelle Lied ist kein Diebstahl, da das Originallied ja nicht entwendet wird, trotzdem wird ein Lied-Kopierer wegen Diebstahls bestraft. Ein kopierter Sänger bei einem Konzert wäre tatsächlich Betrug, da der wirkliche Sänger sich anderswo aufhält.

Es fällt letztlich so vieles in den Bereich des Kopierens, dass ständig alles mit jedem vermischt wird; so wie ich es hier in diesem Eintrag heute vormachen möchte.

Ich gehe mal davon aus, dass die Geschichte des Kopierens der Menschheit hinlänglich bekannt ist, insbesondere die der Entstehung des Gütesiegels "Made in Germany", das durch deutsche Klone, also durch Markenpiraterie deutscher Hersteller, vom einstigen englischen Warnhinweis vor deutschen Produkten zu einem Qualitätszertifikat entstanden ist. Gegebenenfalls bitte bei Wikipedia nachlesen.

Wie immer im Leben sind konkrete Beispiele des Alltags aber viel interessanter.

Wenn ich meinen Arbeitskollegen für ihre Hochleistungs-LED-Lampen geklonte Billigakkus (Lithium-Ionen-Technologie) mitgebe, versetze ich sie in ernsthafte Gefahr und mache mich selber bei einem möglichen Unfall strafbar. Die bei ihrer Tätigkeit benutzten LED-Lampen sind im Militärstandard gefertigte HighTech-Produkte, robust und wasserdicht, demnach natürlich ohne jede Entgasungsbohrungen, Sollbruchstellen oder Entlastungsmechanik versehen. Ein entgasender Akku verwandelt eine solche Lampe tatsächlich in eine Rohrbombe. Schlimme Verletzungen mit diesen Lampen aufgrund schlechter oder fehlerhafter Akkus sind hinlänglich bekannt und dokumentiert. Da heutzutage alle Akkus in Billiglohnländer insbesondere in China hergestellt werden, lässt sich äußerlich kaum mehr ein Unterschied zwischen einem Qualitätsakku und seiner Billigkopie feststellen. Hier bildet der Preis ein Kriterium. Akkus, die weniger als die Hälfte eines Qualitätsakkus kosten, sind mit 99,9 prozentiger Sicherheit minderwertig.

Bei Kleidung ist es natürlich völlig anders. Dort spielt das Thema der Produktsicherheit kaum eine Rolle.

Oder: lediglich ein Design markenrechtlich schützen zu lassen, grenzt am Ende bereits an Perversität und zeugt nicht selten von elenden Auswüchsen egoistischen Geldverdienens in unserer kapitalistischen Gesellschaft. Man denke an die vielen Abmahnungen bei der letzten Fußball-WM, bei der man kaum noch einen Fußball mit den beiden Buchstaben "WM" verwenden durfte, ohne dafür teuer bestraft worden zu sein.

Der Schutz von Markennamen zeigt ebenso seine Absurdität, wenn wir das Beispiel vieler rechtlich geschützter Begriffe wie z.B. "Kinder" betrachten.

US-Konzerne schützen Saatgut patentrechtlich. Eine geklonte Bohne anzubauen steht folglich unter Strafe. Absurd, nicht wahr, aber Realität.

Geldscheine zu kopieren ist auch so eine interessante Angelegenheit. Es wird durch den 50-Euro-Klon weder echtes Geld gestohlen noch wird ein Mensch dadurch sicherheitsbedenklicher Gefahr für seine Gesundheit ausgesetzt. Es handelt sich also "nur" um Betrug wie beim eingangs erwähnten Beispiel eines geklonten Sängers. Virtuelles Geld zu benutzen, ist hingegen das tägliche Brot eines jeden Handels. Virtuelles Geld ist aber dasselbe wie das kopierte virtuelle Lied. Warum werden z.B. Banker dann nicht bestraft?

Bei einem geklonten Werkzeug ist wieder alles anders und das Beispiel des Akkus träfe hier wohl zu.

Wie sieht es aber aus, wenn die Kopie qualitativ besser als ihr Original ist? Sicherheitsbedenken gäbe es dann ja beim Kauf des Originals. Warum wird dann der Hersteller dieses Originals nicht bestraft? Dürfen Fehler oder darf eine Minderwertigkeit markenrechtlich geschützt sein?

Oder: Volkswagen und andere Automobilhersteller bauen einerseits ihre eigenen Klone. Technisch identische Baugruppen führen ungestraft zu Klon-Autos. Andererseits wird der Autor eines Kriminalromans bereits dann betraft, wenn sein Inhalt nur Ähnlichkeit mit dem eines Romans eines Erfolgsautors aufweist. Wieso gelten hier andere Maßstäbe?

Wieso darf ein deutscher Hersteller sein eigenes Produkt in China klonen, wenn er ihm einen Fantasie-Markennamen als Handelsnamen gibt? Warum darf überhaupt ein Markenname eines Herstellers (in der TV- und Unterhaltungselektronik üblich) den Besitzer wechseln und in China werden fortan vom neuen Namenseigentümer legal Klone sogar mit völlig minderwertiger Technik hergestellt? Ist das denn kein Betrug an den Kunden?

Du siehst, alles ziemlich wirr. Ein Klon ist manchmal verboten, ein anderes Mal erlaubt, wieder ein anderes Mal klont ein Hersteller seine eigenen Produkte. So einfach zu antworten, Klon ja oder nein, das funktioniert eben nicht.

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