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Montag, 5. Dezember 2016

E-Dampfen und Macht

Angeregt durch Liliths hervorragenden Artikel "Von rechts nach links", möchte ich dich heute zusätzlich mit meinen eigenen Gedanken zum wahnhaften Vorgehen gegen das E-Dampfen beglücken.

In dem besagten Artikel "Von rechts nach links" stellt Lilith einleitend Gemeinsamkeiten aller politischen Richtungen fest. Ein Nichtrauch-Gebot herrscht heute zum Beispiel in sämtlichen politischen Parteien, durchgehend von rechts nach links. Besonders rauchende Frauen wurden und werden erneut überall abgelehnt. Das E-Dampfen, obwohl es keinerlei Gemeinsamkeit mit dem Tabak-Rauchen hat, gilt grundsätzlich als modernes Pendant zum Rauchen. Letzteres zeigt, worum es also in Wahrheit geht, nämlich nicht um die Gesundheit, sondern um die Einschränkung der Freiheit, die durch das Symbol rauchender Menschen insbesondere rauchender Frauen historisch stets besonders herausgestellt wurde.

Große Hüte und später das Rauchen waren über Jahrhunderte die nach außen gerichteten Symbole herrschender Eliten. Wer rauchte besaß Macht, das reichte bis in die kleinste gesellschaftliche Struktur hinein, die Familie: Väter, Großväter und Onkel rauchten, die Jungen wurden als zukünftige Männer ab ihrer Pubertät in diesen Machtritus eingeführt. Frauen und Mädchen als ohnmächtige Gesellschaftsmitglieder war Rauchen strikt untersagt.

Logischerweise wurde das Rauchen, besonders das der Frauen, in Revolutionskreisen geradezu auf übertriebener Art zur Schau gestellt. Besonders augenfällig geschah dies zu Zeiten des "kalten Kriegs" und früher noch während der russischen Revolution, indem durch die kommunistische/sozialistische Seite all das vorherrschende Verhalten der bürgerlichen Welt demonstrativ ins Gegenteil verkehrt worden war. Allerdings geschah das nur als eine Art Alibi, denn an den politischen Strukturen der Macht wurde auch damals nicht gerüttelt, eine Frau als Generalsekretärin oder als Diktatorin gab es noch nie. Revolutionäre sind sich halt in ihrem Kampf gegen die bestehende Ordnung stets und zu allen Zeiten darin einig, die alten Zöpfe zwar abzuschneiden aber sie sich alsdann selber anzustecken. Revolutionen sind nichts anderes als radikale Machtwechsel der meist männlichen Köpfe - die Strukturen, die diese Macht absichern (Schule, Polizei und Justiz einsetzbar gegen die Bürgerinnen und Bürger als Instrumente der Durchsetzung der Macht), wurden bisher noch von keiner einzigen Revolution abgeschafft, nicht einmal zeitweise.

Die Möglichkeit, ehedem Verbotenes nun in neuen revolutionären Bewegungen tun zu können, führt sogar oft zu skurrilen Auswüchsen wie etwa das Kapern junger Bewegungen oder Parteien durch abgedrehte sektenartige Gruppierungen, die in der Folge versuchen, die Kontrolle zu übernehmen, bis hin zu Kriminellen, die die Hoffnung antreibt, eine zukünftige Mitbestimmung an der Entscheidungsmacht möge ihre eigenen Vorhaben legalisieren (Pädophile bei den Grünen, Legalisierung aller Drogen und damit ihres Drogenhandels, Freiheit der Prostitution, die noch niemals von den Prostituierten selber ausging usw.).

Gesundheitsfanatismus findet sich in allen politischen Ausrichtungen wieder, ebenso in allen Religionen. "Der neue Mensch" ist Ziel von Ideologien und Religionen gleichermaßen. Zentrales Element dieses menschliche Verhalten ist immer nur Macht und Beherrschung. Wer die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger auf seine Fahnen schreibt, tritt nicht für die Zerschlagung der Pharmakonzerne ein, sondern möchte mit seinen eigenen Produkten ihre Allmachtstellung schlichtweg übernehmen und mit deren Profit lediglich die eigenen Taschen füllen.

Doch zurück zum E-Dampfen.

"Warum sind die Briten die einzigen, die objektiv über Rauchen und Dampfen sprechen können?", fragt Lilith in ihrem Artikel.

Das scheint auf dem ersten Blick tatsächlich seltsam, doch ist viel leichter zu erklären als angenommen. Die Macht der Pharmakonzerne konnte sich im vereinigten Königreich bisher nie vollends so durchsetzen und etablieren wie in der übrigen Welt. Obwohl gerade die britische Oberklasse historisch betrachtet zu den schlimmsten Ausbeutern breiter Bevölkerungsschichten gehörte, hatte weder ein verlorener Krieg (sie haben keinen Krieg zu Hause verloren) noch eine Revolution (Ansätze wurden gleich zu Beginn niedergeschlagen) je einen Wechsel dieser Machtstrukturen in ihrem Land zur Folge. Das staatliche Gesundheitswesen dient bei ihnen weniger zum Wohle der Menschen als vielmehr zur Kontrolle bei der Profitmaximierung. Die gigantischen Einnahmen daraus behielten die Regierungen für sich. Da das E-Dampfen die Folgekosten einer Tabak rauchenden Gesellschaft auf einen Bruchteil minimiert, bedeutet es weniger Ausgaben, also mehr Geld für die Regierung und in Umverteilung mehr Leistungen für die Bevölkerung. In den übrigen Machtsystemen der Welt werden die Gesundheitskosten sozialisiert, die Einnahmen hingegen privatisiert. Daher ist die Interessenlage - das Interesse am Geld - eine gänzlich andere in Groß Britannien als im Rest der Welt. Anderswo wird die Wahrheit unterdrückt des Geldes wegen, auf der Insel wird die Wahrheit geschätzt des Geldes wegen. Das ist in unserem Bereich des E-Dampfens reiner Zufall, da der Wahrheitsgehalt glücklicherweise deckungsgleich mit den Interessen der Machtinhaber also der Regierung ist.

Lilith fragt weiter: "Was sind die Konsequenzen wenn die EU zerfällt? Werden wir wieder über uns selbst bestimmen dürfen?"

Wenn etwas zerfällt, wenn Machtstrukturen zerfallen, werden alle mit Ausnahme der Bürgerinnen und Bürger davon profitieren. Würde die EU zerfallen, bekäme die längst vor Gründung der EU global agierende Pharmaindustrie mehr Macht denn je. "Wir", also die Bürgerinnen und Bürger, würden nur verlieren. Die EU muss in unserem Sinne reformiert werden, nicht zerstört. Dabei haben wir nun unerwartete Schützenhilfe durch Groß Britannien erhalten. Denn in einer reformierten EU wäre das vereinigte Königreich selbstredend wieder Mitglied. Zufällig sind wir an einen mächtigen Verbündeten geraten.

Es sind doch gerade die nationalen und eben nicht die EU-Regelungen, die uns heute so sehr zu schaffen machen. Eine Umsetzung der TPDII exakt nach EU-Beschluss wäre recht problemlos möglich gewesen. Also schon heute sehen wir, dass die nationalen Gesetzgebungen die eigentliche Gefahr für uns bedeuten.

Nationalismus ist immer Unfreiheit, denn jeder Nationalismus wendet sich gegen andere und grenzt sich von ihnen ab. Korruption gedeiht überall, doch in Nationalstaaten wuchert sie unkontrollierbar aus den kleinsten Ritzen. Wir sehen an Russland, wie der Nationalstaat einen Flickenteppich neuer "Fürstentümer" lokaler korrupter Oligarchen schafft. Der "Brexit" ist kein Schritt hin zu einem Nationalstaat, sondern er schützt die globale Wirtschaft der Briten vor einem Nationalstaat Europa.

Nochmal, das heutige Europa muss reformiert werden in Richtung eines absoluten weltweiten Freihandels. Handelsschranken unter dem Deckmantel eines Verbraucherschutzes müssen abgeschafft werden. Sogenannte vorbeugende Reglungen des Verbraucherschutzes gehören gänzlich gestrichen aus allen Regierungsaufgaben der Welt (Politik und Wirtschaft können nicht den Menschen erziehen und dürfen ihm nicht seine Eigenverantwortung nehmen). Der Verbraucherschutz muss durch ein internationales verbraucherfreundliches aber vor allen Dingen uneingeschränktes Haftungsrecht ersetzt werden.

Es gibt also viel zu tun - Zerstörung ist immer die leichteste und schlechteste Variante dessen.

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