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Dienstag, 6. Dezember 2016

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Meine Nachtdienste absolviere ich bekanntlich alleine, doch manchmal treffe ich kurz einen "netten" Kollegen nämlich dann, wenn er sich in der Nähe oder sogar vor Ort auf Streife befindet, den Wagen entfernt von mir parkt und sich leise anschleicht, um mich auf frischer Tat während eines Sekundenschlafs zu ertappen und zu erschrecken. Manche Menschen haben daran förmlich eine kindliche Freude. Nun mache ich meine Arbeit aber schon viel zu lange, um ihnen auf den Leim zu gehen, denn trotz dass ich natürlich nicht vor solchen Momenten des Einnickens gefeit bin, merkt man sie mir nicht mehr an. Ich schrecke nicht mehr hoch und habe mir einen Kanon möglicher Sprüche oder Bemerkungen zugelegt, die automatisiert wie aus der Pistole geschossen meinem Gegenüber glauben lassen, ich sei derjenige, der ihn extra leise während seines Anschleichens beobachtet, um ihn und sein Unterfangen als sinnlos bloßzustellen.

Klingt ziemlich abstrakt. Also ein Beispiel. Ein Zentralist, der auch Streife fährt:

Im bulligwarmen kleinen Raum sitze ich auf einem Drehstuhl, die Fenster sind beschlagen vom vielen E-Dampf. Weit und breit keine Menschenseele. Mangels ausreichendem Sauerstoff befinde ich mich im sogenannten Sekundenschlaf, im Übergang zwischen Wachsein und Traumerlebnissen, da plötzlich wird die Tür laut aufgerissen und der Kollege setzt breit grinsend zu einer Bemerkung an - die ich hingegen bereits in ihrem Ansatz durch die automatisierte Floskel (eine von mehreren) abschneide, indem ich ziemlich gelangweilt mit einem leichten Armschwenk zur Tür nach draußen weisend sage: "Das wär mir viel zu kalt für solche Spökskes. Dich sieht man schon auf 50 Meter". Jetzt gar keine Antwort abwartend, füge ich irgendetwas halbdienstliches hinzu, etwa eine fragende Feststellung, wie: "… du weißt aber schon, dass meine letzte Meldung ins Leere lief, weil du nicht ans Telefon gegangen bist? Du gehst nie ran, wenn ich anrufe."

Augenblicklich wechselt das Grinsen zu einem Blick der Überraschung und weiter zu dem einer leichten Empörung - ich sehe, wie es in seinem Gehirn arbeitet. Dann folgt von ihm so in etwa: "Wie?" (um Denkzeit zu gewinnen, benutzt der Rheinländer allumfassend und bei jeder Gelegenheit ein "Wie?"), "wie, nicht rangegangen? Kann nicht sein. Ich war die ganze Zeit da."

Jetzt ist nicht nur der Klein-Jungen-Spaß des Kollegen-Erschreckens zerplatzt, nein, die Situation ist binnen einer Sekunde um 180 Grad gedreht und er steht plötzlich seinerseits mir gegenüber in Erklärungsnot.

Geklärt wird der Sachverhalt mit zwei, drei Sätzen SmallTalk, also nichtssagenden Bemerkungen in scherzhafter Weise. Es klingt jetzt hier aufgeschrieben und gelesen viel länger und umständlicher als es real ist, denn alles spielt sich innerhalb von vielleicht gerade mal 10 Sekunden ab.

Jaja, so ist das halt. Dann wünsche ich dir mal einen schreckenslosen Dienstag, nicht wahr. Schlaf bloß nicht ein und melde dich (wo auch immer).

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