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Sonntag, 13. November 2016

Serientipp "StartUp"

Diese Serie "StartUp" gehört definitiv mit zum Besten, was ich seit langer Zeit gesehen habe (nächste Woche kommt noch eine weiter Serie hinzu). Jede Beschreibung, die ich bisher las, spiegelt stets nur einen Teil ihres Wesens wider, denn "StartUp" lässt sich nicht so leicht in Genres oder Schubladen stecken. Einerseits ist die Serie ein Thriller andererseits mit vielen komödiantischen Zügen versehen. Sie ist genauso hart wie absonderlich. Ein Drama, bei dem man oft lachen muss aber bei dem das Lachen manchmal im Halse stecken bleibt. Man ist entsetzt und dann wieder amüsiert. Etliche Filme unterschiedlicher Genres kommen in Erinnerung; wäre ich einer dieser Cineasten, die Namen zu jeder Szene aus den Ärmel schütteln können, ich würde jetzt nicht mehr aufhören, sie aufzuzählen.

Mich erinnert "StartUp" am meisten an den skurrilen Charme des Klassikers "Fargo". Die Absurdität des Normalen im Anormalen, die dort von Jerry Lunegaard als Verkaufsmanager so einzigartig dargestellt wird, geht hier bei "StartUp" eins zu eins in Martin Freeman über: dieselbe Mimik, derselbe Charakter und dasselbe Verhalten angesichts ungemein grotesker Situationen. Aber natürlich geht es nicht um ihn alleine, es sind vier Hauptdarsteller, die alle perfekt bis ins Kleinste ihre Rollen verkörpern. Besonders herausragend spielt Otmara Marrero eine untypische Figur als Computer-Fachfrau Izzy Morales. Untypisch deshalb, da sie keine Männerfantasien oder Hacker-Klischees darstellen muss und ihre Inszenierung als Zentrum der Hauptdarsteller und als Verbindungsglied der vier Rollen angelegt ist. Zu viel möchte ich aber nicht verraten, deshalb klingt's hier ein klein wenig kryptisch.

Es gibt in den 10 Folgen keine langweilige oder langatmige Minute, die Spannung steigt kontinuierlich, das Ende zeigt sich offen für Fortsetzungen. Ob welche geplant sind, weiß ich nicht, doch wenn andere Regisseure, Verantwortliche oder Teams hier die Finger im Spiel übernehmen sollten, wird diese Serie zum Schlechten kippen, davon bin ich überzeugt. Es ist eine wahre Kunst, 10 Folgen lang diese unglaublich hohe Qualität aufrecht zu erhalten, deshalb muss man sich den Namen Ben Ketai als Erfinder und Mitautor der Serie auch unbedingt merken.

Noch etwas ziemlich Neues: es ist eine multikulturelle Serie. Aber bloß keine Angst, die Welt besteht nicht nur aus Arabern, Persern und dem Islam, denn obschon die Serie genauso auch ein aktueller Thriller ist und Menschen des Terrorismus derzeit aus dieser Richtung am lautesten schreien, geht es nicht um sie und nicht um den Terrorismus; ein Thriller ohne Terrorismus- aber ebenfalls ohne Drogenthema, so etwas ist heutzutage etwas Besonderes. Hier spielen Menschen aus Latein- und Nordamerika, aus Asien und Russland in der multikulturellen Umgebung Miamis. Ich persönlich (wie denn wohl auch unpersönlich? Diese Floskel soll nur so viel heißen wie "meiner Meinung nach") empfand das Fehlen jeglichen Bezugs zum Islam und zu Menschen des Orients als ungemein wohltuend.

Übrigens: In einer einzigen Szene der gesamten Serie findet eine Produktplatzierung statt, eine regelrechte Anti-Werbung für Dove-Deodorant, denn sie ist dermaßen plump, dass man sie den Produzenten nicht ankreiden sollte, sondern sie als humoristischen Mini-Clip prima hinnehmen kann. Ziemlich außerhalb der Dramaturgie fragt plötzlich die Schwester der Hauptdarstellerin: "Riechst du?" "Nein, wieso?" lautet in etwa die Antwort. Die Schwester bemerkt daraufhin, dass sie selber unglaublich schwitze und hält beinahe schon wie in einem Cartoon demonstrativ eine Deo-Flasche in Großaufnahme in die Kamera und benutzt sie. Selbst jetzt muss ich darüber immer noch schmunzeln. Hört sich albern an, aber diese winzige Szene ist wirklich komisch und lustig.

Eine letzte Randbemerkung: obwohl ich als nichtrauchender E-Dampfer das Tabakrauchen nicht mag, finde ich es äußerst löblich, dass die Serie sich dem Diktat der Political Correctness führender Produktionsgesellschaften Hollywoods, das Rauchen cineastisch zu verteufeln, indem es komplett ignoriert wird oder lediglich die negativen Charaktere rauchen dürfen, offensiv verweigert. In "StartUp" findet ein moderater, also eher seltener Gebrauch der Zigarette statt, was der Serie sehr zugutekommt, da sie dadurch plausibel die Realität abbildet.

Abschließend mein Schulnoten-Bewertungssystem: eine fette Eins plus mit vielen schillernden Sternchen.

Kommentare:

  1. Schon notiert. Derzeit für mich noch nicht zu haben.

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    1. Wird bei Amazon kostenlos gestreamt, liebe Barbara. Ich weiß nicht ob es geht, aber wenn man ein 30-tägiges Probeabo einrichtet und innerhalb der Kündigungsfrist wieder Tschüß sagt, müsste es doch funktionieren, oder? Falls nichts geht, schick mir eine E-Mail (zwecks Beratung über andere legale Möglichkeiten natürlich nur *hüstel*).

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  2. Mit dem Firestick könnte ich nach Anmeldung eines Probeabos darauf zugreifen, dauerhaft kommt es aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Ich habe ja auch kein Sky, obwohl ich gerne Bundesliga live sehen würde. Im nächsten Leben vielleicht.
    Danke für dein Angebot, aber muss man dafür nicht einiges an technischer Begabung mitbringen? Hier bin sowieso ich diejenige die sich um diese Dinge kümmert, aber ich habe auch meine Grenzen.

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    1. Barbara, ich kann das öffentlich nicht sagen. Schicke mir eine E-Mail, ich beiße nicht ;-)

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