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Mittwoch, 30. November 2016

Mäuse - Wissen zwingt zum Handeln

Die Überschrift könnte auch lauten: Zukünftiges Leben zu schützen bedeutet heute, Leben zu nehmen. Oha! Was kommt denn jetzt?

Wir wohnen in einer freistehenden alten Bauernkate, ursprünglich war das mal eine Scheune. Rundherum gibt es nur Felder und ganz wenige Bäume. Die nächsten Nachbarn sind Höfe mit Viehhaltung oder Pferdestallungen. Dass bei uns regelmäßig Mäuse einziehen wollen, ist demnach klar wie Kloßbrühe. Irgendwann geht jede Romantik flöten, von wegen, liebes nettes Mäuschen. Sie schauen aus ihren kleinen schwarzen Knopfaugen ja tatsächlich so lieb drein, dass man ihnen kaum etwas antun kann, doch vor Jahren hatte ich die Konsequenz von Lebendfallen dann selber vor Augen: es war ab einem bestimmten Zeitpunkt unmöglich geworden, so viele Mäuse lebend zu fangen wie sich fortpflanzten. Jeden Tag konnte ich locker 10 Mäuse fangen und aussetzen, es wurden nicht weniger, sondern sogar mehr.

Wenn eine solche Plage beginnt, ist die erste Maus, die Uroma oder der Uropa gewissermaßen, stets dermaßen clever, vorsichtig und im wahrsten Sinne des Wortes mucksmäuschenstill, dass sie wochenlang im Haus leben kann, ohne dass jemand davon etwas mitbekommt. Da ich an meinen freien Tagen nachts oft in vollkommener Ruhe und ohne viel Lichtschein lange an meinen Rechnern sitze, höre ich sie als erster. Sobald diese Maus einen Menschen bemerkt, regt sie sich nicht mehr. Erst nach längerer Zeit der Stille bewegt sie sich wieder. Du wirst auch nie eine Maus dieser Einwander-Generation zu Gesicht bekommen; wenn du eine Maus siehst, gehört sie bereits der 3. oder einer noch späteren Generation an.

Wenn es der Urmaus bei mir gefällt, sucht sie bzw. er sich eine Partnerin oder einen Partner. Diese beiden Urmäuse sehen mich zwar, doch sie sind ungemein vorsichtig. Sie wissen um ihr Eindringen in ein fremdes unbekanntes Gebäude. Sie erkennen die Fülle an Nahrung und den perfekten Schutz vor der winterlichen Witterung und wie einfach es ist, mir aus dem Wege zu gehen. Das Haus ist ihr Schlaraffenland und sie zeugen ratzfatz Nachkommen. Bis hierhin ist es exakt dasselbe Verhalten einer Besiedelung wie es Menschen auch machen.

Ihren Jungen bringen die Beiden die Vorsicht vor den Menschen bei. Mäuse sind überaus intelligente und soziale Wesen. Vergiftest du beispielsweise mit einer bestimmten Speise an einem bestimmten Ort eine Maus, so wird keine andere Maus dort mehr diese Speise weiter essen. Deshalb wirkt das perfekte Mäusegift auch nicht unmittelbar tödlich, sondern erst nachdem die Maus längst den Ort des Giftes verlassen hat. Mäuse sind in der Lage, Kausalzusammenhänge zu erkennen. Fängt eine Katze eine Maus, werden die anderen Mäuse diese Gegend zukünftig meiden oder dort besonders auf der Hut sein. Ich weiß nicht genau wie und was sie kommunizieren, aber sie tun es, und sie tun es ziemlich effizient.

Nun verläuft jede Kommunikation bei ihnen analog und das bedeutet, genau wie bei der "Stillen Post" verändert sich bei der Weitergabe ihr Inhalt. Ebenso wie bei uns Menschen. Nehmen wir an, Oma und Opa-Mensch sind die Ureinwanderer eines Landes und alles ist gutgegangen, so danken sie in der Folge ihrem Gott oder dem Schicksal oder der Natur für ihr glückliches Dasein und Fortkommen, für auch weiterhin gute Ernten, die ihnen ein Leben in Wohlstand ermöglichen usw.. Sie bringen alsdann ihren Kindern bei, auf was sie zu achten haben, damit ebenso deren Leben in diese guten Bahnen weiterläuft. Sie zeigen ihnen, wie die Felder zu bestellen sind, lehren sie, sich vor Gefahren in Acht zu nehmen und so fort. Diese Kinder als erste Generation betrachten das Land, auf dem sie geboren wurden und aufwuchsen, logischerweise als ihr zu Hause, als ihr Eigentum. Sie bewegen sich nicht mehr so vorsichtig wie noch ihre Eltern, sondern selbstbewusster. Genau dasselbe siehst du beim Verhalten der ersten Mausgeneration. Diese Mäuse sind zwar noch immer vorsichtig aber nicht mehr ganz so unauffällig wie ihre Eltern, du hörst sie bereits deutlicher und öfter, sie halten nicht inne, wenn sie dich bemerken, denn sie sind dich bereits gewohnt. Trotzdem lassen sie sich noch nicht blicken.

Die nächste Generation der Einwanderer bei den Menschen beginnt dann schon damit, die tüddelig gewordene Urgeneration zu belächeln, beispielsweise wenn Uropa und Uroma der Natur Opfergaben darbieten als Dank für die erfolgreichen Ernten. Darüber hinaus lehnen sich die Enkel gegen die Verbote und Gebote ihrer Eltern auf - genauso wie es bei der entsprechenden Mausgeneration der Fall zu sein scheint: wozu vorsichtig sein, da doch nie etwas geschehen ist? Wozu dankbar sein, wenn es doch normal ist, den Wohlstand zu genießen? Alles war schon "immer" so, wie es ist. Die Urahnen, ja, das mag eine andere Zeit damals gewesen sein, doch jetzt ist jetzt, "wir sind modern, und so wie es ist, wird’s immer sein", argumentieren sie. Wer jetzt? Maus oder Mensch?

Diese Mäuse erblickst du mit einem Mal, sie laufen nicht mehr fort. Sie sitzen, fressen und kacken vor deiner Nase völlig angstbefreit. Und strohdumm. Denn sie kennen nichts bis auf das Haus. Das warme Haus im Luxus und eine nie enden wollende Fülle an Lebensmitteln, das ist ihr Universum.

Der Unterschied zum Menschen besteht nicht im Verhalten, sondern in der Zeit, die eine Generation bis zur nächsten benötigt und in der Menge an produzierter Nachkommenschaft. Die 4. Mausgeneration im Haus ist bereits eine Mäuseplage (du kannst rechnen pro Generation alle 2 Monate 6 Nachkommen. Dafür gibt es bestimmt eine mathematische Formel).

Wenn man also nicht direkt die erste Generation bekämpft, also Uroma und Uropa Maus tötet, wird es binnen weniger Monate zu einem kaum mehr lösbaren Problem oder man muss statt heute zweien, dann sehr vielen Mäusen weh tun bzw. ihnen ihr Leben nehmen. Da Uroma und Uropa Maus aber zu schlau sind, um in Lebendfallen zu tappen, bleibt einem nichts anderes übrig als Gift. Genau das habe ich heute mal wieder bei Amazon bestellt und werde es morgen oder übermorgen erneut verteilen müssen.

Übrigens, vor 2 ½ Jahren gab's schon mal ein ähnliches Problem. Einziger Unterschied zu damals: heute reagiere ich früher und resoluter, um nicht zu sagen, skrupellos giftig (habe ich laut der Medienpropaganda gegen das E-Dampfen als Liquid-Mischer schließlich gelernt).

Kommentare:

  1. Oj Gewalt geschrien. Wären die Mäuse bei uns IM Haus, ich hätte keine ruhige Minute mehr da ich mich vor ihnen fürchte. Wir hatten viele Jahre Katzen, die fingen die Mäuse zwar, aber hauptsächlich zum spielen. Oft nachts mit ins Haus gebracht, verschwanden die Mäuse dann in irgendeinem Spalt und nach einiger Zeit des davor Rumlungerns verlor man die Lust. Und vergaß die Maus dann.
    Wir haben mehrere Male die halbe Küche auseinandergenommen und Fallen aufgestellt. Oft dauerte es mehrere Tage, bis die Mäuse in der Falle waren.
    Eine Lebendfalle haben wir anfänglich auch benutzt. Eine Maus haben wir sehr weit vom Haus entfernt ausgesetzt und kurze Zeit später war sie wieder da! Erkannt am fehlenden Schwanzstückchen.
    Seit diesem Sommer fangen wir wieder regelmäßig und servieren sie unseren Raben.
    Ich muß immer wieder die Wurstsorte ändern, aber bisher alle Mäuse lieben scharf gwürzte(Chorizo).
    Es stimmt schon, wir bereiten denen ein Schlaraffenland. Die klettern sogar in die Vogelhäuschen und bedienen sich.
    Am Speicher, den ich fast nie betrete, haben wir kürzlich die erste Maus erwischt. Die klettern am wilden Wein bis aufs Dach und ab ins Warme. Ich denke, da könnte ich auch mal Gift auslegen.
    Danke für deinen tollen ausführlichen und so gut erklärten Bericht.
    Lass uns im Kampf gegen die Mäuseplage gemeinsam stark sein:-)

    Eine Freundin wohnt in der Innenstadt Münchens, einer Gegend in der die Kakerlaken zuhause sind. Die Stadt hatte die Straße aufgerissen und fiel aus allen Wolken! Die Freundin hatte die Kakerlaken in der Wohnung, im Keller - einfach überall. Sie hat dann eine Kurzzeittherapie gemacht um die Angst in den Griff zu bekommen.

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    1. Jaja, Barbara, da bin ich noch heilfroh, dass ich keine Angst vor Mäusen habe, auch keinen Ekel, im Gegenteil, ich finde es possierliche kleine Wesen - aber Insekten, Himmel Nein, Insekten geht gar nicht, vor ihnen ekle ich mich ganz furchtbar. Alles außer Schmetterlinge, Falter und Marienkäfer gehört weit, weit weg von mir :-)

      Eine, zwei oder drei Mäuse würde ich theoretisch ja noch dulden, geht aber leider nicht, da sie das dann als Bleiberecht missverstehen und die Plage einsetzt. Wir haben auch Katzen, die finden eine Maus ganz faszinierend und beobachten sie, machen aber nix. Das ist für sie, glaube ich, wie TV für uns.

      Es gibt Leute, die sagen, wir seien es selber Schuld, dass Mäuse zu uns kommen. Weil wir die Terrassentür oft aufstehen lassen und so weiter - ist aber Quark, denn, wie du ja auch sagst, eine Maus findet in jedes Haus ihren Weg. Sie klettern senkrechte Wände hoch, knabbern sich Löcher in dicke Resopal-Platten und in jedes Holz, kriechen am Dach unter jede Ziegel, klettern ins noch so vergitterte Lüftungsloch hinein. Man kann einfach kein Haus mausdicht machen.

      Insekten sind ja gerne da, wo's feucht ist. Hinter Abdeckungen in Badezimmern und in Kellern. Boah, will ich gar nicht wissen und vor allen Dingen gar nicht nachschauen. Vielleicht wurden wir wiedergeboren und waren in einem vorherigen Leben noch nicht tot genug (hä?), so dass wir irgendwie mitbekommen konnten, wie wir von Maden und Insekten aller Art aufgefressen worden sind, das hat sich dann als Instinkt ins Unterbewusste geschlichen und wurde quasi inklusive wiedergeboren - Scherz - aber so könnte ich mir diesen Ekel vor Insekten wenigstens plausibel erklären. Vielleicht wurdest du dann von Ratten oder Mäusen angeknabbert ;-)

      Naja, es gibt halt keine "Gutmensch-Lösung".

      Leider geht's nicht anders als möglichst die erste Maus direkt umzubringen, keine andere Lösung hat je dauerhaft funktioniert. Die Mäuse merken sich das aber auch ein paar Jahre lang, es spricht sich gewissermaßen bei ihnen herum, dass es bei uns gefährlich ist ("Geh da bloß nicht hin, keiner ist je von dort zurückgekehrt"). Irgendwann versucht es eine mutige Maus halt aufs Neue, so ein Maus-Held und Abenteurer, ein Maus-Entdecker, doch ich greife ein, dann ist wieder längere Zeit Ruhe vor jeden Maus-Kolumbus. Soll'n sie in den Ställen der Nachbarhöfe leben, nicht aber im Wohnhaus.

      Lieben Gruß

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.