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Mittwoch, 23. November 2016

Gemeine Abwechslung, bäh, wie fies!

Etliche Mitarbeiter der Spätschicht fahren mit ihren Autos vom Betriebsgelände, indem sie ihre persönlichen Funkbedienungen für das Firmentor benutzen. Wie überall auf der Welt. Das Tor grenzt direkt ans Pförtnerhäuschen. Auch ich habe so eine Funkbedienung. Ein winziges Teil in meiner Hand in meiner Hosentasche.

Um der aufregenden Tätigkeit des Sitzpostens und Gruß-Ottos ein wenig Abwechslung und Würze zu verleihen, vertrete ich mir ein knappes Stündchen meine Beine und gehe langsam auf und ab vor dem Tor und hin und her von Tor zu Pforte. Du ahnst schon, was folgt?

Nun, ich kenne menschliche Blicke und Gesten, mache meine Arbeit seit über 25 Jahren. Daher weiß ich ziemlich genau, wann jemand wie reagiert, wenn er Angst hat, wenn ihm oder ihr unwohl ist - wenn man vielleicht etwas zu verbergen hat, gell. Und sei es nur der Kugelschreiber von der Arbeit, den man versehentlich in der eigenen Tasche wähnt.

Ich bewege leicht meinen Zeigefinger, das automatische Öffnen stoppt abrupt. Orangefarbenes Blinklicht erleuchtet das Dunkel der Nacht in einen grellen Sondereinsatzort ...

"Oh, warum steht da heute ein Kontrolleur am Tor, was tut der da? Hier ist doch nie jemand. Und warum stockt das Tor denn jetzt?" Ja, diese Fragen sehe ich in jedem zweiten Gesicht. Sorgenvolle stille Fragen. Ein Zurücksetzen geht nicht mehr, da steht der Hinterwagen schon dicht an der eigenen Stoßstange. "Oh Gott! Was habe ich bloß falsch gemacht?" Es rattern die virtuellen mentalen Zahnrädchen hinter den nettesten und anstrengendsten Minen vielerlei Arten des Lächelns. Ich erkenne, wie manchem dabei das Herz in die Hose zu rutschen droht und weiß, eine echte Kontrolle würde zu Ergebnissen führen.

Dann öffnet das Tor erneut wie von Geisterhand, ich winke freundlich, wünsche einen schönen Feierabend und bewege mich zurück zu meinem Häuschen. Die Seufzer der Erleichterung dabei spürbar im Nacken und in meinem Innern ein feistes Grinsen, das sich partout nicht abstellen lässt. Wie gehässig, ach, wie gemein ich sein kann! Aber unterhaltsam isses doch.

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