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Dienstag, 29. November 2016

Erkenntnistheoretisches

Erzkatholisch aufgewachsen, habe ich bereits als Jugendlicher, also ab dem Moment, da mein Gehirn selbständig zu denken und zu begreifen begann, den Katholizismus verteufelt. Genau, ihn dorthin gewünscht, wohin er gehört, ins Höllenfeuer der Verdammnis. Das Christentum ist aber etwas anderes als der Katholizismus. Man sollte beides wirklich nicht verwechseln.

Wenn ich heute überhaupt etwas bin - es wird von anderen ja meist erwartend verlangt, sich als Person dieser oder jener Gruppe, Partei oder Gesinnung angehörig zu erklären - dann ein Agnostiker; ich weiß nicht, was der Sinn allen Seins ist aber weiß, dass ebenfalls kein anderer Mensch es weiß. Gott, ob persönlich oder abstrakt, hat sich uns als Menschheit bisher nicht offenbart. Vielleicht gibt es keinen Gott, vielleicht wohl, vielleicht mehrere, vielleicht ist es ein Frauengott, eine Göttin, ein Katzengott oder der, der Fische, man weiß es nicht, man weiß eigentlich gar nichts, Punkt. Und doch ist das Thema Gott weltweit das größte, über das am meisten geredet, geschrieben, gesungen, gemalt, gelebt, gelitten und gestorben wird. Schon seltsam, nicht wahr.

Glaube ist wieder etwas anderes. Er beansprucht keine Wahrheit (sonst wäre es Gewissheit und nicht Glaube), sondern dient quasi als Lebenshilfe. Was bei Tieren der Instinkt ist, drücken wir als Glaube aus. Eine moralische Richtschnur, die als Leitsatz "du sollst nicht töten" benennt, wäre der in Worte gefasste Instinkt einer Beißhemmung zum Schutz der eigenen Art. Gewisse Grundprinzipien der Moral sind also angeboren und allen Lebewesen eigen.

Natürlich, wir Menschen sind clever und benutzen und vermengen diese Moral mit unseren jeweiligen egoistischen Zielen (Sex, Macht, Reichtum) oder zur Kompensation eigener seelischer Leiden (Hass, psychische Defizite jedweder Art), bauen reichhaltige und logische Konstrukte und Lehren darauf auf, verwerfen sie wieder, errichten neue, bekämpfen sie verteidigend gegen andere, die allerdings dasselbe tun wie wir, Krieg, Elend und Tod sind die Folgen. Von der Menschwerdung (die pubertierende jugendliche Menschheit, die sich ihrer bewusst wurde) durch die Jahrtausende bis heute: immer dasselbe nur in wechselnder Kleidung.

Und es gab auch immer diejenigen, die diese Vorgänge zwar verstanden hatten, doch da sie selber kaum Interesse an übermäßigem Sex, Reichtum und Macht besaßen und auch nicht größere psychische Not litten, wurden sie schlichtweg nicht wahrgenommen, denn neben dem Glauben als Lebenshilfe gesellt sich noch die Spiritualität und der Ritus, mit deren Hilfe ein Glaube ehrfurchtgebietend Respekt einfordert.

Da diese Mechanismen von Anbeginn der Menschheit bis heute gleichgeblieben sind, schließt sich auch jede Innovation zukünftig aus. Selbst wenn wir intelligentes Leben im Universum eines Tages entdecken sollten, es änderte nichts daran, wir würden die Fremden bekämpfen oder ausbeuten, egal wie, denn wir (er-) fänden über kurz oder lang einen weiteren Gott, der uns (als fleischgewordenes Wort unseres Instinkts der Selbsterhaltung) moralisch dazu riete.

In diesem Sinne (das war heute mal wieder ein furchtbar sinnloser Tagebucheintrag) resümiere ich: es bleibt alles wie es ist. Et is wie et is un' et kütt wie et kütt; ich wünsche dir einen angenehmen Dienstag. Denke bloß nicht zu viel nach.

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