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Freitag, 4. November 2016

Die dem Negativen abgewandte Seite

Es könnte ja leicht eine Fortsetzung des Negativen von gestern geben, dazu bräuchte ich dich nur mal nach deiner Schätzung fragen, wie hoch wohl die Handwerkskosten der beiden Elektriker letzte Woche waren. Mit der Antwort versteht man, weshalb es so viel Schwarzarbeit im Lande gibt.

Aber ich frage dich nicht, denn mir geht das Negative mittlerweile selber auf den Geist.

"Oh, wie kann's?" Ganz einfach, letzte Woche arbeitete ich nur eine Nacht in einer Firma, bei der morgens gegen 5 Uhr die Putzfrauen erscheinen und deren sogenannte Vorarbeiterin sich in mein Gehirn als "Beispiel des Negativen" förmlich eingebrannt hat.

Noch nie im Leben waren wir uns begegnet. Eine kurze Begrüßung fand statt aber bereits ab dem 3. Satz schimpfte sie über die Inkompetenz ihrer Kolleginnen, der Firmenleitung, Bundeskanzlerin Merkel, über die korrupte Politik allgemein, die zu vielen Ausländer und über Religion natürlich, das ganze Repertoir. Sie lasse sich ihren Mund nicht verbieten und dürfe bitteschön sagen, was sie denke. Ich kam gar nicht zu Wort, sagte die ganze Zeit nichts, nicht einen Mucks, geschweige denn eine Ansage meinerseits irgendeines Sprechverbots. All das sprudelte aus ihr innerhalb von vielleicht 20 Minuten heraus. Dabei rauchte sie Kette, steckte sich eine Zigarette nach der anderen an. Ihre Stimme klang verraucht, verbraucht, ihr Alter lag geschätzt um die Ende 50.

Nun, wie kamen ihre Schimpftiraden bei mir an? Bemitleidenswert fand ich sie. Das genaue Gegenteil von dem trat ein, was sie scheinbar damit zu erreichen versuchte: von Satz zu Satz nahm ich die alte Schachtel weniger ernst. "Alte Schachtel"? Ja genau, die Frau wählte selber eben diese Art Verpackung für sich aus.

"Was soll das heißen? Auswählen, welche Wahl hat man denn?"

Wir alle werden alt und vergehen, werden im Laufe der Zeit wieder dümmer, vergesslicher und gebrechlicher, bis dass wir am Ende erneut wie am Anfang unseres Lebens als Baby gepampert und gefüttert werden. Warum muss man dann bereits weit vor dieser Zeit die Hässlichkeit, die es zweifellos im Leben überall auch gibt, extra deutlich hervorschminken? Wieso muss man zulassen, dass die pure Dummheit die Oberhand erhält und sie kreischend gemeinsam mit einem über Jahrzehnte erworbenen Menschenhass hinauslassen? Hass auf andere kommt immer nur von Selbsthass. Neid und Missgunst entspringen stets der eigenen Unzufriedenheit, die man nicht in der Lage war oder ist, zu ändern. Wenn ich möchte, dass es mit gut geht, erreiche ich das doch nicht dadurch, dass ich anderen Schlechtes wünsche.

Dieses Bild der schimpfenden und hasserfüllten alten Oberputzfrau, die, je lauter sie wütet desto mehr von allen doch nur belächelt wird, geht mir angesichts meiner eigenen beiden Negativ-Einträge nicht mehr aus den Sinn: bin ich eventuell auch so?

"Soll das heißen, man muss Negatives verstecken? Verleugnen? Es nicht wahrhaben wollen?"

Hach, mein immerzu herausfordernd fragendes kleines Teufelchen, nicht wahr, was führt es wohl mit dieser Frage im Schilde? Mir schwant da etwas.

Vielleicht gehört es einfach nur zur Lebensdisziplin hinzu, dass man sich zusammenreißt und dem Negativen nicht ständig an jeder Ecke nachgibt. Ein Nachgeben ist so schrecklich leicht, das geschieht förmlich von ganz alleine, das Zusammenreißen hingegen erfordert Kraft, Intelligenz, Mut und Geschick - und wer möchte denn bitte nicht stark, klug, verwegen und clever sein? Also Schluss mit dem Negativen. Ab jetzt. Sofort und überhaupt.

"Soso. All you need is love? Schon mal etwas von unterschiedlichen Perspektiven gehört? Wie sagte noch gleich Erich Mielke in der Wendezeit vor der Volkskammer? 'Ich liebe doch alle Menschen!' Andererseits muss man sich die Philanthropie auch erst mal leisten können - materiell und emotional."

Ach, das war's also, liebes Teufelchen. Gehe ich darauf ein? Besser nicht, denn das Nicht-Provozieren-Lassen ist schließlich auch Teil einer klugen Selbstdisziplin.

Kommentare:

  1. moin Georg.

    Sag mal....was soll denn immer dieses hin und her gespringe? Mal bist Du positiv drauf, (ok, eher selten ;)), mal wieder negativ. Merkst Du denn nicht dass Du das beste Beispiel dafür bist sich jederzeit entscheiden zu können WIE man sich fühlt? Ok, der Elektriker war vielleicht teuer, aber hey....Du hast als Gegenwert eine Heizung wenn es kalt wird. Glaubst Du dass das selbstverständlich ist? Im Kommenden Winter werden wieder viele Menschen frieren. Wir hingegen haben hier alles was wir wollen. Geh in den Supermarkt und entscheide was Du essen willst. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit in dieser Welt. Du kannst "Alte Schachteln" die Dich volltexten einfach stehen lassen und und und. Mach mal die Augen auf ey.......:-)

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    1. Tja, MaRü, willkommen im Club! Genau das isses, gut gesagt: dieses ewige Hin- und Hergespringe! Die ständige Zerrissenheit zwischen zwei (oder mehreren) Polen, die Medaille, mit ihren polierten beiden Seiten, das Ying und das Yang, Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Teufelchen und Engelchen, Hunger und Übersättigung, Tod und Leben, Frühling und Herbst, Mann und Frau, an und aus, Null und Eins.

      Null und Eins? Binärsystem? Wenn mit nur den beiden Ziffern 1 und 0 sämtliche Zahlen ausgedrückt werden können, somit jede Berechnung durchgeführt werden kann, wirst du in diesem System zu einem reinsten Jongleur der "Einsen und Nullen". Extrem schwierig und für mich als Mathe-DAU unmöglich.

      Wenn ich das schon mit Mathe nicht kann, wie sollte ich es dann im Leben schaffen? Also bleibt nur Try And Error, somit das muntere Spiel mit den Faktoren in immer neuen Kombinationen oder wie wir seit Mr. Spock von der Enterprise wissen, die vulkanische Philosophie IDIC: Infinite Diversity In Infinite Combinations (unendliche Vielfalt in unendlicher Kombination).

      http://www.surak.de/idic.html

      ;-) Hab die Augen mal gerade halb geöffnet und verstehe immer weniger.

      Liebe Grüße

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  2. Menschlichkeit verwechsle nicht mit dem wovon die Weisheit spricht.
    Beides geht auch mal getrennt. Wer das nicht glaubt hat was verpennt ;-)

    Georg du hast sehr schöne Zeilen geschrieben.
    Liebe Grüße

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    1. Hallo liebe Katrin! Wie geht's dir denn? Du hast natürlich recht, das Thema Menschlichkeit ist noch etwas ganz anderes - ABER nicht für die Vukanier von Belang, da sie ja keine Menschen sind ;-)

      Bis bald (will endlich wieder was lesen bei dir)

      PS: Nein, das soll kein Druck sein, sondern nur der Freude Ausdruck verleihen, wieder etwas von dir zu lesen. Man macht sich doch Sorgen im Laufe der Zeit.

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  3. Och wir sind doch nicht unterzukriegen, also die Dampffreunde :-) Momentan hapert es bei mir noch mit der Sprache, gesprochen und geschrieben. Huch war das jetzt Negativ? Verflixt, die Klugheit muss auch noch gesucht werden, ist irgendwo liegen geblieben. Ich geh noch eine Zeit auf Vulkan suchen.
    Dir wünsche ich auf jeden Fall alles Gute. Immer wenn eine Tür zufällt öffnet sich eine neue und hop, hop hindurch. Anders, aber auch da gibt es spannende Erlebnisse ;-)
    Liebe Grüße
    Katrin

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    1. Ich weiß ja gar nichts. Nur das, was du selber in deinem Blog geschrieben hast. Hauptsache, dir geht es besser, das ist das Wichtigste.

      Liebe Grüße

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