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Mittwoch, 19. Oktober 2016

TV-Serie "One Mississippi"

Lass uns über "One Mississippi" reden. Das ist eine sechsteilige TV-Miniserie. Wie letzte Tage in den Kommentaren bereits angekündigt, wollte ich diese Serie verlinken. Nicht dass du denkst, ich sei zu faul, einen Link herauszusuchen, ich habe tatsächlich extra wegen eines Links lange und viel gegoogelt. Bei "Serienjunkies" findest du am meisten - aber (!) - alles was darüber geschrieben wird, dort sowie anderswo, trifft meines Erachtens nicht zu, ganz und gar nicht, und deshalb verlinke ich bewusst nicht dorthin, sondern wähle den nüchternen englischsprachigen Wiki-Link.

Wahrscheinlich schreibt im Internet einer vom anderen meistens ab. Das ist nicht nur bei den Journalistinnen und Journalisten der Fall, sondern wohl auch bei Privatpersonen in den Weblogs. Anders lässt sich für mich nicht erklären, dass ein immer wiederkehrendes Attribut für diese Serie mit "schwarzer Komödie" oder "düstere Comedy" beschrieben wird. Ich finde, der Film, und als einen solchen muss man diese Miniserie eigentlich bezeichnen, hat als dreistündige Geschichte eher Ähnlichkeit mit einem kurzen Roman oder einer gelungenen Novelle von 195 Buchseiten Länge (Reich-Ranicki sagte einst, alles mit mehr als 200 Seiten Länge sei nichts anderes als ein Roman). Aufgeteilt in sechs kurze Kapitel entlockt einem die Art des Erzählens und die Darstellungen der Schauspieler oft ein Schmunzeln; der geschilderte Alltag wirkt mitunter lustig in seiner komischen und gleichwohl dramatischen Banalität aber angesichts der Krankheit der Hauptdarstellerin könnte jede Szene auch erdrückend schwer erzählt werden. Die Autorin entschied sich hingegen, das Schicksal mit Humor zu verknüpfen - das allein macht aber keine Komödie aus, denn der Humor ist hier nicht Mittel zum Zweck, ist nicht Voraussetzung für die Geschichte und ist nicht ihr Hauptbestandteil. Es wird weder mit Hilfe des Humors belehrend ein schwieriges Thema vermittelt noch werden Schenkelklopfer zur Erheiterung des Publikums provoziert.

Es ist auch keine Tragikomödie und kein Drama, denn eines vorweg vielleicht als Spoiler, es geschieht nichts Schlimmes. Eigentlich geschieht sogar gar nichts. Und genau das macht den Film für mich dann plötzlich doch zu etwas Besonderem, denn es wird lediglich ein markanter, wichtiger Zeitabschnitt eines Menschen filmisch erzählt, in dem Auswirkungen der Dinge geschildert werden, deren jeweilige eigentliche Dramatik längst geschehen ist: also die Mutter der Hauptdarstellerin ist bereits gestorben und die Krankheit der Hauptdarstellerin ist längst in der Phase ihrer Heilung begriffen, als der Film gerade erst beginnt. Alle dramatischen Elemente, die man als Mittelpunkt der Serie vermuten könnte, sind schon vorüber. Auch findet keine besondere Entwicklung statt, an dessen Ende ein neuer Mensch stünde - natürlich gibt es Entwicklungen, das ist klar: die Protagonistin ordnet ihr Leben und ihre Beziehungen zur Familie neu und, das gehört halt dazu, es gibt eine neue Liebe, eine neue Lebensgefährtin - aber selbst das findet zwar als Kapitelmittelpunkt statt, so trotzdem nur am Rande des Geschehens. Deshalb ist es auch so schwierig, diese Serie in eine Schublade zu stecken; es gibt schlicht keine solche Schublade, die Serie passt einfach nirgendwo hinein. Entweder klemmt man den Film beim Zuschieben der Lade ein, so dass man ihn verletzt oder aber die Lade lässt sich nicht schließen, da der Film sich weigert, eine genormte eckige Passform einzunehmen.

Wenn man ein Buch, einen Film, eine Musik nicht genau mit zwei, drei Begriffen einfangen kann, wird halt oft Falsches dazu geschrieben. Denn die Mühe, ein paar mehr Zeilen zu verfassen, macht sich kaum ein fließbandschreibender Mensch. Deshalb ist alles Geschriebene, das ich im Internet über die Serie fand, nicht würdig, verlinkt und weiterverbreitet zu werden. Mit Sicherheit habe ich unter dem x-sten Google-Link etwas Gutes und Richtiges übersehen, Asche auf mein Haupt.

Es gibt allerdings eine viel bessere Möglichkeit, dieser TV-Serie gerecht zu werden: genau, nämlich sie anzuschauen.

In meinen subjektiven Film-Schulnoten ausgedrückt erhält die Serie ein Gut, eine glatte 2 und ich habe sie bereits archiviert, denn sie lässt sich durchaus ein weiteres Mal ansehen. Die Serie ist nichts einzigartig Bombastisches, nichts super Herausragendes, doch die Geschichte bleibt in Erinnerung. Die Schauspieler sind alle hervorragend. Die Banalität der Leben sympathischer Menschen wird zu einem besonderen Ereignis verwandelt, und das ist handwerklich sehr gut umgesetzt worden.

Kommentare:

  1. Danke für deine Review, die Serie wäre ganz sicher mein Geschmack.
    Vielleicht melde ich mich mal für einen Monat bei A****n Prime an.
    Du guckst das alles ja auf gänzlich anderen Wegen:-)

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    1. Ja, so ist es wohl: "… deren Quellen tiefen smaragdgrünen Grotten entspringen." Aus: "Du und dein dunkles Netz", © Rob Robbery, Raubritter Verlag, 1998

      Melde dich bei mir doch mal per E-Mail ...

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