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Montag, 31. Oktober 2016

Pfui, alles linke Propaganda!

Letzte Nacht war das dritte Mal in diesem Monat, dass ich die letzte bzw. eine der letzten Nächte eines längeren Auftrags verbrachte. Ab Dezember bin ich arbeitslos. Vielleicht. Wenn kein neuer Auftrag reinkommt. Schlimm, denkst du? Nichts ungewöhnliches, denn in dieser Art und Weise arbeite ich nun bereits seit vollen sechs Jahren. Mal dauert ein Auftrag ein Jahr, und mir ist somit eine ruhige Zeit vergönnt, mal dauert er wenige Tage, Wochen oder Monate. Manchmal ist lange vor Ende eines gegenwärtigen Auftrags ein Anschlussauftrag bereits sicher, ein anderes Mal ergibt sich etwas erst auf dem letzten Drücker, förmlich am letzten Tag, bevor ich mich hätte arbeitslos melden müssen. Es ist die Arbeit eines Tagelöhners. Für mich ist es okay, ein junger Familienvater kann unter diesen Umständen aber nicht planen.

Obwohl es zur sozialen Marktwirtschaft gehört, bezeichne ich so etwas als moderne Sklaverei. Zeitarbeitsfirmen, die sogar vom geringen Verdienst der von ihnen abhängigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Geld abzwacken, sind hierbei die modernen Sklaventreiber. Ohne tatsächliche Peitschen, so doch mit psychologischem Druck, der dem einer Peitsche in nichts nachsteht. Man sieht allerdings die Wunden nicht auf dem ersten Blick.

Natürlich gibt es hier unglaublich viele Abstufungen, doch das Prinzip der Ausbeutung ist immer dasselbe. Seit der Steinzeit tun dies Menschen ihren Mitmenschen an. Die wehren sich selten, meist nur, wenn ein Leben für sie und ihre Familien gar nicht mehr möglich ist, wenn die Ausbeuter es schlichtweg übertreiben. Solange es aber noch einen Kollegen gibt, den man nach unten wegtreten kann, solange es noch Vorteile für einen selber zu ergattern gibt, so gering sie auch sein mögen, so lange stellen sie ihr kümmerliches Dasein nicht in Frage. Wenn sie in den Netzen ihrer Fischer noch strampeln und zappeln können, hoffen sie, dem Fang in letzter Sekunde entkommen zu können und organisieren sich nicht. Die Bereitschaft zur Revolution entsteht erst ganz tief unten, oder, um im Bild der Fische zu bleiben, wenn ihnen die Luft ausgeht und sie in ihren letzten Atemzügen liegen.

Oha! Was ist das hier heute Morgen bloß wieder für ein weites, weites und längst abgeerntetes Feld, nicht wahr. Ich suche mir gerade auf diesem Acker die übriggebliebenen Kartoffeln, um die nächsten Tage satt zu werden. Ach, wie liebe ich doch Metaphern.

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