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Donnerstag, 20. Oktober 2016

Grundkurs Internet und Datensicherheit

Hier ins Blog habe ich ja bekanntlich (steht oben im wegklickbaren Link zum Datenschutz) einen eigenen netten Statistikzähler eingebaut. 

[BREAK/SCHNITT]

Jetzt wollte ich eigentlich etwas zu meinen Beobachtungen der letzten Tage schreiben und hatte einen Klammersatz, also einen erklärenden Einschub begonnen, der aber dann so lang und wie ich finde wichtig geworden ist, dass er als selbstständiger Tagebucheintrag für heute fungiert. Das Eigentliche erzähle ich dann in den nächsten Tagen. War eh nicht so wichtig.

Der (also mein eigener Statistikzähler) zeigt mir nur die Basics an, nicht so etwas wie Google betreibt - das ist eine ganz andere Hausnummer; wenn ich mir ansehe, was Google von meinem eigenen Verhalten im Internet mir selber so alles offenbart, und hier ist nur das gemeint, was Google mir wegen gesetzlicher Bestimmungen zeigen muss, dann gerate ich schon ins Grübeln.

Ich möchte gar nicht wissen, was sie wissen aber mir nicht sagen müssen. Deshalb surfe ich im Internet auch immer in einem unangemeldeten Zustand. Somit kann Google sowie jede andere Erfassung lediglich meine IP-Adresse auslesen, die aber spätestens nach 24 Stunden mit einer neuen ausgetauscht wird, so dass sie mir nicht mehr persönlich zugeordnet werden kann - "eigentlich", doch dazu gleich mehr. Neben dieser IP-Adresse kann man bei Besuchen auf Webseiten nur unwichtige Daten auslesen - wenn, und das ist die zweitwichtigste Sache, wenn keine Cookies auf dem Rechner gespeichert werden oder sie dort nur temporär verbleiben.

Deshalb, liebe/r Internetanfänger/in, gibt es ständig das ganze Tamtam in den Medien über die Vorratsdatenspeicherung. Je länger die temporäre IP-Adresse mit meiner richtigen Adresse verknüpft beim Provider aufbewahrt wird desto länger kann auch mein Surfverhalten mir als Person zugeordnet werden. Zur Zeit weiß nur der Dienstprovider für den Internetzugang ein paar Wochen lang, wer wann im Internet unterwegs ist (die Telekom & Co. müssen ja ihre Rechnungen schreiben und belegen können). Google und alle anderen Privatanbieter können nur 24 Stunden lang die IP-Adresse mit mir als Person verknüpfen, so ich denn im angemeldeten Zustand surfe. Sobald ich mich bei jemandem registriere, kann er 24 Stunden lang meine IP-Adresse mit meinen virtuellen Bewegungen verbinden, selbst dann, wenn ich mich nur kurz angemeldet habe. Es geht sogar noch weiter aber ist unglaublich schwierig, zu vermitteln. Ich versuche es trotzdem mal.

Es reicht also bereits beispielsweise das einmalige angemeldete Abholen der E-Mails aus, und obgleich du dich danach nirgendwo mehr anmeldest, kann derjenige, der das E-Mailkonto betreibt, dein komplettes Bewegungsprofil 24 Stunden lang beobachten, er gibt dazu einfach deine IP-Adresse in einen gemeinsamen Datenpool - nur als Beispiel - zu Amazon. Und sobald du auf deren Shopseiten oder anderen zu ihnen gehörenden Imperiumsseiten surfst, auch ohne etwas zu kaufen, ohne Anmeldung, so weiß Amazon dennoch, dass du es warst, der sich dort etwas angesehen hat. Wenn du dann Wochen später etwas kaufst, dich dazu natürlich anmeldest, hat Amazon die Verknüpfung von damals zu heute im Sack und du im selben Moment bereits Vorschläge zu dem damals Angesehenen auf deinem Monitor. Und bedenke, einen solchen Überblick hätten keine Menschen, unsere Gehirne sind zu schwach und zu klein für so etwas, das erledigen alles Maschinen in Bruchteilen einer Sekunde, Computer, denen nichts zu kompliziert bei einer solchen Zuordnung ist.

All das geschieht sogar ohne jedes Cookie, es reicht die Zuordnung deiner temporären IP-Adresse zu deinem Namen.

Also bei Google ist genau das häufig der Fall, da Google das halbe Internet gehört und auch Plattformen, die unter ganz anderen Namen firmieren. Dieses Imperium ist technisch ein und dasselbe und nutzt den gemeinsamen Datenpool oder betreibt einen entsprechenden Datenaustausch. Daten, so unbedeutend und nutzlos sie dir im Einzelfall auch erscheinen mögen, sind in ihrer Gesamtheit jenes Wissen, das tatsächlich Gold wert ist.

Deshalb - und nur deshalb (!) - will jeder, dass man sich bei ihm/ihr/ihnen registriert. Es gibt keinen vernünftigen Grund für eine Registrierung im öffentlichen Internet, der über persönliches Tun (Bank, Einkauf, Vertraulichkeit, Rechtssicherheit im Sinne einer Haftung oder Freiwilligkeit) hinausreicht. Angefangen beim Weblog, bei Foren, Shops oder Communitys bis hin natürlich zu den sozialen Medien und zur kostenlosen Benutzung von Software, Apps, Dienstleistungen aller Art - die Registrierung ist dein zu entrichtender Preis, mit ihm gibst du deine Anonymität ein für allemal auf und bist in Folge dessen persönlich ansprechbar für Werbe- und Alles-Mögliche-Strategien. Die Registrierung ist der Preis virtueller Prostitution.

Auch nach über 20 Jahren Internet gilt die Goldene Regel: Melde dich nur in Ausnahmen an, sonst nie. Und wenn du dich wieder abgemeldet hast, warte keine 24 Stunden, sondern tausche durch eine manuelle einmalige Ab- und Anmeldung deines Routers/Modems beim Dienstanbieter (Telekom usw.) deine IP-Adresse mit einer unverbrauchten aus.

Und obwohl es längst gute und sichere Serviceanbieter gibt, die selbst diese lästigen Aufgaben für dich erledigen (wobei es hier auch schwarze Schafe gibt), macht das heute kaum jemand. Die Menschen sind viel zu bequem: "Ich habe nichts zu verbergen", glauben sie; dümmer geht nimmer! Das gruselige Erwachen kommt auch für sie noch früh genug.

Über die Cookies habe ich jetzt nichts geschrieben, über Dienstleister wie Facebook & Co. auch nichts. Was Vernetzung über die vielfach positiven Eigenschaften für die Menschen und deren Austausch hinaus den potenten Konzernen eigentlich bedeutet, wird kaum berichtet, da die Konsequenzen Einschränkungen für deine Bequemlichkeit als Kunden bedeuten würden aber auch Abstriche der Vorzüge, die selbst die warnenden Berichterstatter, also die Medien, aus den Daten gewinnen. Alle kommerziell Interessierten profitieren am Gläsernen Bürger, also gleichermaßen auch die kritischen Medien. Deren Journalistinnen und Journalisten werden oft als Äffchen, als Attraktion ihrer Verlagshäuser zur Erlangung möglichst vieler Daten ihrer kritischen Klientel gehalten, ohne dies selber zu bemerken, ohne sich selber als virtuelle Prostituierte zu erkennen, denn Klugheit ist keine der Voraussetzungen für den kritischen Journalismus - erst recht nicht online.

Du siehst jetzt an den nur angerissenen Aspekten vielleicht schon, dass dieses Thema ein Fass ohne Boden oder, wie ich gerne zu sagen pflege, ein weites, weites Feld ist, das zu beackern, ordentliche Mühe macht. Am Ende liegt die Entscheidung darüber, welche Daten wem im Internet preisgegeben werden, (noch!) bei jedem einzelnen Menschen - nur um entscheiden zu können, muss man erst mal um die Umstände wissen.

Das war jetzt ein Satz mit "um". Hier ist nämlich alles für umme. Bis die Tage.

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