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Dienstag, 20. September 2016

Gewichtige Nachtgedanken zur virtuellen Realität

Seit Elli fortgegangen ist, die ich übrigens nach wie vor sehr vermisse, auch wenn ich darüber nicht öffentlich schreibe, habe ich wieder einiges an Gewicht zugelegt. Jaja. Es sind Heute zwei Stunden meines täglichen Waldspaziergangs weniger, wobei sich "weniger" netter anhört als "nix mehr". Zwar hatte ich diese im letzten halben Jahr unseres Beisammenseins auch schon wegen Ellis Gebrechlichkeit ausfallen gelassen aber nun gibt es wirklich viele freie Tage, an denen ich nicht ein einziges Mal an die frische Luft gehe. Ein echter, wahrhaftiger Nerd sozusagen. Lebend in der virtuellen Realität. Virtuelle Realität? Schließen sich diese beiden Begriffe denn nicht gegenseitig aus?

Ja und nein, würde ich meinen. Es kommt halt darauf an, was genau damit gemeint ist. Befinde ich mich in einer virtuellen Umgebung, so ist sie in dem Moment für mich real. Die Gegenstände in dieser Welt sind natürlich irreal, aber ein virtueller Raum, in dem ich mich befinde, wird durch mein Bewusstsein zur Realität. Ich kommuniziere und interagiere ja nicht mit Maschinen (wobei dies sogar noch einen separaten Aspekt der Betrachtung darstellen würde), sondern mit ebensolchen Menschen wie ich, die sich gleichsam real irgendwo in der Welt an bzw. vor ihren Gerätschaften befinden, mit deren Hilfe sie mit mir diesen virtuellen Raum beleben. Ein virtueller Raum nimmt Realität an, indem mehrere Menschen oder Akteure ihn benutzen bzw. sich in ihm befinden. Gleichzeitig oder zeitversetzt, der Faktor Zeit ist in der virtuellen Realität ebenfalls ein klein wenig anders definiert als in der harten materialistischen Welt.

Oder andersherum ausgedrückt: es würde keiner jemals auf den Gedanken kommen, ein Telefongespräch als irreal zu bezeichnen. Oder eine Videokonferenz als eine reine virtuelle Veranstaltung betiteln, denn die Termine, Absprachen, Entscheidungen und so weiter, die dort getroffen werden, wirken sich schließlich real aus.

Die Lektüre eines Buchs ist hingegen eine reine virtuelle Welt, ein Buch ist daher etwas anderes. Dort kann ich mit niemandem interagieren und die erzählte Geschichte bleibt immer starr dieselbe. Das gilt natürlich auch für einen Film.

Die virtuelle Realität (Heute des Internets, Morgen die mittels XY-Technik erschaffene) ist also in der Menschheitsgeschichte tatsächlich etwas vollkommen Neues. Nicht nur in der Menschheitsgeschichte, seit es die Erde gibt. Vielleicht nichts Neues im Universum, doch das wäre jetzt Science Fiction. Es verschmilzt die Realität der Dinge mit der Virtualität ebenfalls der Dinge aber zusätzlich noch mit der Fantasie. Einzig die Körperlichkeit fehlt, was wiederum zu enormen Vorteilen führen kann: stelle dir vor, Kriege würden irgendwann nur noch virtuell ausgefochten. Oder man wäre in der Lage, virtuell etwas zu erreichen, für das es in der materiellen Welt enorme Ressourcen bedarf und was bisher nur dem vermögenden einen Prozent der Menschheit vergönnt ist. Kunst, Architektur, virtuelle Gesellschaften, ja selbst physikalische Gesetzmäßigkeiten können virtuell außer Kraft gestellt werden und ungeahnte Möglichkeiten der Entwicklung von Geist und Fantasie lernte sich befreit zu entfalten.

Das ist jetzt hier nur mal alles gedanklich angerissen. Wie kann angesichts solcher erstmaligen und grenzenlosen Möglichkeiten überhaupt ein Mensch der virtuellen Realität kritisch gegenüber stehen? Ja, sogar vor ihr warnen, wie es zum Beispiel die im Vergleich zu den Naturwissenschaften an ihrer Minderwertigkeit leidende Psychologie dauernd macht? Statt die Menschen vor einem "zu viel" der virtuellen Realität zu warnen, sollte sie doch die Chancen sehen, die diese neue Menschheitsentwicklung gerade im Begriff ist einzuschlagen.

Diese Nacht ist für mich also wieder eine Pipi-Langstrumpf-Nacht, in der ich die Welt so gestalte, wie sie mir gefällt. Es gibt immer mindestens zwei Seiten einer Medaille, das ist klar, dazu bedarf es allerdings keiner gesonderten Warnungen. Die reale materielle Welt ist sicher um einiges gefährlicher, also wenn schon Warnung, dann bitte vor ihr. Die virtuelle Welt lässt Try And Error ohne weiteres zu und somit ein gefahrloseres Lernen. Uns stehen dort viele Leben zur Verfügung, ist eines hinüber, lebe ich mein nächstes. Und das sogar ohne Degradierung bei meiner Wiedergeburt wie im Buddhismus. Sogar diese vergleichsweise fortschrittliche Lehre wird durch die virtuelle Realität geradezu revolutioniert.

Nun gut, die reale Gewichtszunahme kann ich virtuell schlecht in den Griff bekommen, so viel ich mich auch virtuell bewegen mag. Das zeigt aber auch die Verknüpfung beider Welten, denn ein virtuelles Dasein ist nicht ohne mein reales möglich, andersherum aber schon. Die Auswirkungen meiner realen Gewichtszunahme können zum Beispiel durch meine Psyche Einfluss auf die erlebte reale virtuelle Welt nehmen.

Und was heißt das jetzt konkret? Virtuelle Diät? Das wäre ja auch noch etwas Tolles, nicht wahr. Ein super neues Geschäftsmodell: die virtuelle Kur sozusagen. Ach, da tun sich gerade gedanklich ganz neue Möglichkeiten auf_... (Kurbelursel: siehe Unterstrich, geht nicht anders).

Ich glaube, ich sollte jetzt vielleicht doch besser wieder offline gehen, was. Ab, zurück an den realen Arbeitsplatz und in die gewichtige Realität. Dir wünsche ich derweil einen leichten Dienstag, man liest sich. Virtuell beschwingt, na klar doch.

Kommentare:

  1. Virtuelle Diät? Nicht für mich, mir kann man dermaleinst eine Grube unterm Bürostuhl ausheben.
    Mindestenes zweimal pro Woche gehe ich Gewichte heben und mache dazu auch Ausdauertraining. Dennoch komme ich nicht mehr auf mein altes Gewicht. Die drei Kilo zuviel sind auch nicht gewichen, als ich durch das Pokémon spielen extrem viele Schritte machte (teils 17000 am Tag).
    Altersbedingt verlangsamt sich einfach der Stoffwechsel und das dürfte auch bei dir der Grund sein und nicht die virtuelle Welt.
    Ich bin so dankbar, dass ich diese ganzen Entwicklungen erleben durfte und freue mich und staune über jede neue Entwicklung. Das ist alle ausschließlich bereichernd.

    Alles gut.

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    1. Ja, du sagst es, dem ist nichts hinzuzufügen. Warum nur begreifen so viele Menschen Veränderung immer nur als Bedrohung? So viele Chancen liegen in jedem Neubeginn, im Restart. "Press Any Key" und aus Chancen werden gelebte Möglichkeiten.

      Liebe Grüße, Barbara

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