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Donnerstag, 18. August 2016

Serienbesprechung: Poldark, Vikings und Thyrant

Eine kurze Zwischenbilanz mehrerer zur Zeit von mir durchlaufener Serien-Marathons oder wie ich selber zu sagen pflege: Hen hätt en Strähn. Das bedeutet übrigens: "Er hat eine Strähne" (kurz für Glückssträhne) auf Platt ausgesprochen. Mundart - lebenslang in meinem Gedächtnis abgespeichert und oft von mir in solchen kurzen Bemerkungen unter kopfschüttelnder oder achselzuckender Zurkenntnisnahme in Anwendung gebracht sowie schnell gesprochen, da heißt es lautsprachlich ungefähr so: Hehn hättn Strähn.

In meiner Jugend hatten alle Mundart gesprochen, in meinem Fall rheinländisch, allerdings das holländisch eingefärbte des unteren Niederrheins, gelegen dicht an der holländischen Grenze. Dieses Platt unterscheidet sich deutlich von dem übrigen rheinländischen Platt, ein "Sch", das üblicherweise im restlichen Rheinland jedem zweiten Wort angehängt wird, existiert in unserem, in meinem Platt gar nicht. Teilweise verstanden sich die Menschen kaum, obwohl ihre Dörfer nur 20, 30 Kilometer auseinander lagen, zum Beispiel Herongen und Leuth oder Kaldenkirchen und Straelen, andererseits wird entlang der holländischen Grenze auf der kompletten rheinischen Länge beinahe dieselbe Mundart gesprochen. Straelener Platt unterscheidet sich nur unwesentlich vom Klever Platt und jenseits der Grenze von der Mundart Arcens, Venlos und so weiter. Die Gründe hierzu liegen ganz einfach im vormotorisierten Zeitalter und dem Nichtvorhandensein der Massenkommunikationsmittel.

Zwischen Straelen und Kaldenkirchen zum Beispiel lag ein dichter schwarzer Wald, durch den nur eine Kutschenstrecke führte, also ein unasphaltierter, je nach Jahreszeit morastiger oder sandiger schmaler Weg ohne jede Beleuchtung. Nachts oder alleine wäre dort niemand freiwillig unterwegs gewesen, denn tatsächlich versteckten sich in solchen Wäldern vor gar nicht allzu langer Zeit noch die ausgestoßenen der dörflichen Gemeinschaften, auch oft als Räuber diffamiert. Ohne Raub wären sie verhungert oder hätten ins Gefängnis gemusst, also wurden sie tatsächlich von den Dörflern zum Raub gezwungen - es ist aber eigentlich ziemlich absurd, Menschen auszustoßen und danach an den Orten ihres Exils Furcht vor ihnen zu haben, ich meine, hier ist die Ursachenverkettung für nachfolgende Straftaten noch ziemlich eindeutig.

Auf der anderen Seite unserer Sprachgrenze fließt der Rhein, den zu überqueren es enorme Anstrengungen erforderte. Er musste großräumig umfahren und mit Fähren bezwungen werden, denn je nach Jahreszeit veränderten sich die Rheinarme. Die Rheinbegradigung ist ebenfalls historisch gesehen ein Projekt der jüngeren Zeit. Brücken gab es am Niederrhein lange keine einzige. Jedenfalls war es für die Bewohnerinnen und Bewohner links und rechts des Rheins mitunter ein Tages-Abenteuer, den Strom zu überqueren. So bildeten sich durch geografische Hindernisse halt Sprachgrenzen heraus. Ein alter Hut, zum x-ten Mal hier erwähnt, ich schweife also wieder ziemlich ab :-)

Drei Kurzbewertungen:

1. Poldark | (Wikipedia und Serienjunkies)

Eine wunderbare Serie, ein "Frauenfilm", wie man abschätzig sagen könnte aber eigentlich eben ganz und gar nicht. Es geht um die Liebe, *seufz*, aber es wird nicht gemordet, abgeschlachtet oder "katastrophiert" in welcher Art auch immer, nein, es ist ein ruhiger Film ohne eine Sekunde Langeweile. Diese Serie kann ich sogar ein weiteres Mal anschauen, sie ist wie ein Buch, das man ins Herz geschlossen hat und dessen erzählte Geschichte immer wieder lesbar bleibt. Poldark fehlt gottlob jeder triefende Kitsch der Utta-Danella-Bücher oder der ZDF-Verfilmungen des Sonntagabend. Die Serie "Poldark" entstand aus der Vorlage der gleichnamigen Romanreihe Windston Grahams. Den Rest Infos eignest du dir am einfachsten bei Wiki oder bei "Serienjunkies" an; es wäre überflüssig, dasselbe hier noch mal zu schreiben. Jedenfalls hat die Serie mich ziemlich begeistert, eine zweite Staffel soll bereits gedreht werden.

Nur dass du's weißt, wenn ich sage, es hat mich ein Film begeistert, heißt das nicht viel. Ich hatte den Film "Lautlos im Weltraum" als einen solchen mal empfohlen und dann nur kopfschüttelndes Unverständnis geerntet. Was für mich ein intensives Filmerlebnis darstellt, kann für den nächsten bereits abgrundtiefe lähmende Langeweile bedeuten. Obwohl, und das sei hier deutlich gesagt (ich verwende diese Politiker-Floskel der rhetorischen Betonung wegen bewusst), die französischen Kunstfilme, die jeder Filmstudierende pflichtbewusst in und auswendig kennt, sind für mich so dermaßen langweilig, dass ich sie kaum zu Ende sehen kann. Also mir geht es mitunter genauso bei Empfehlungen, ich möchte meinen Geschmack nicht über den anderer stellen; so ist es halt im Leben, keiner ist besser oder schlechter, sondern nur anders.

Persönliche Wertungsskala ("Andersskala") von 1 bis 10 (1 = schlecht; 10 = spitze): Eindeutig eine 8,5. Oder in Schulnoten eine glatte 2 plus. Diese Serie behalte ich und möchte sie in ein paar Jahren sicher noch einmal sehen.


2. Vikings | (Wikipedia und Serienjunkies)

Ein Fantasyabenteuer vor historischem Hintergrund. Oder der historische Kontext dient als Legitimation für ein Fantasyabenteuer. Das kann man drehen und wenden wie man will, ist aber eigentlich bei allen drei vorgestelltem Serien dasselbe. Jetzt könnte ich sagen, "Vikings" sei eine typische "Männerserie", denn in ihr geht es nur um Sex, Blut und Kampf. Mal gut, dass Tätowierungen gerade wieder modern sind, denn an so viel tätowierte Haut wie in dieser Serie kann ich mich in keinem Film bzw. in keiner Serie erinnern. Brutalität und - ich will sie mal als eine Vorstufe des Kitsch' bezeichnen - wechseln einander ab; aber (!) "Vikings" ist längst nicht vergleichbar mit dem unseligen Kitsch, mit der aberwitzigen Albernheit von "Games Of Thrones", und deshalb ist die Serie auch gar nicht so schlecht, wie es hier anklingen mag. Trotz ihrer Brutalität war ich bei Vikings in jeder Staffel mehrmals eingeschlafen, bei "Poldark" aber zum Beispiel überhaupt nicht. Ein Tipp noch: in jeder der 4 Staffeln geschieht im Grunde dasselbe. Es gibt zwar einen Faden, der sich entwickelt, alles drumherum wiederholt sich jedoch wie die Dramaturgie der Serie. Eine einzige Staffel hätte meiner Meinung nach völlig ausgereicht. Naja, man will halt immer mehr.

Persönliche Wertungsskala von 1 bis 10: 5. In Schulnoten eine 3 minus. Das reicht nicht für ein Archivieren, einmal gesehen ist genug ein Leben lang, aber ein Mal kann man sie durchaus sehen, das soll keine "vernichtende" Wertung sein, ich hab's halt nur nicht so mit Axt- und Schwertkämpfen als zentraler Bestandteil einer Serie.


3. Tyrant | (Wikipedia und Serienjunkies)

Ein Blick in die arabische und persische Mentalität und in die derzeitige Realität, umstritten daher, ist klar, dennoch cineastisch außergewöhnlich gelungen. Spannend und leicht soapmäßig wird uns Einblick gewährt ins intrigante Spiel eines fingierten Herrscherhauses aus dem Morgenland. Es erinnert natürlich an die Clans der Gaddafis, Mubaraks und Assads. Unbedingt sehenswert, finde ich, trotz einiger etwas in die Länge gezogener Folgen (aus eins mach zwei oder so).

Persönliche Wertungsskala von 1 bis 10: 7. In Schulnoten eine 2 minus oder 3 plus, da kann ich mich nicht entscheiden. Erstmal behalte ich diese Serie, ob ich sie irgendwann vielleicht ein zweites Mal sehen möchte, entscheidet sich später.

Nachträglicher Einschub am 28. August: Nach 12 Folgen der 2. Staffel habe ich die gesamte Serie gelöscht. Nach Staffel 1 kommt nur noch das schlimmste Groschenheft-Niveau. Schlimmer noch, du kannst dir diesen Kitsch nicht vorstellen. Neubewertung: minus 10 bzw. 6 für ungenügend.

So, jetzt wird fortgefahren, habe nämlich einige Tage arbeitsfrei und noch nicht alles bis zu Ende gesehen. Es befinden sich außerdem weitere Serien in meinem virtuellen Köcher sozusagen (quasi, Pia, quasi).

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