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Samstag, 6. August 2016

Biorhythmisches Stottern | Nudging | Nashville

Fassungslos stehe ich Aug in Aug meinem Lebenswandel der letzten paar Tage gegenüber, denn auch heute Morgen zum Beispiel, also vorhin, entsprach er tatsächlich der redensartlichen Weisheit, "nur der frühe Vogel fängt den Wurm", denn nach einem erholsamen neunstündigen (!) Schlaf begrüßte ich um eine Minute nach Mitternacht den neuen Tag wahrhaftig zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Lange schlafen und trotzdem Frühaufsteher - hier passt kein negatives Vorurteil einer mit ihrem Zeigefinger im Hintergrund mahnenden imaginären Autoritätsperson.

Ebenfalls waren die elektronischen Mitbewohner der Feuerabwehr, meine Rauchmelder, gestern ziemlich durcheinander und begannen einer nach dem anderen als Dreierstaffel sozusagen munter und schrill zu Pfeifen und zu Piepen, doch auch sie irrten bei ihrem sensorischen Blick aus dem Kunststoffgehäuse hinaus in die reale Welt, denn der vermeintliche Rauch entpuppte sich als kräftiger und wohlriechender Dampf meiner E-Pfeife, was ich ihnen durch die unmittelbare temporäre Entnahme der Blockbatterien dann auch unmissverständlich klarmachte. Auf das, was ich ihnen zurufend sage ("Still jetzt! Ruhe!"), hören sie sowieso prinzipiell nicht - nunja, das kennen wir alle genauso von unseren lieben menschlichen Zeitgenossen, nicht wahr.

Zum jüngsten Serienmarathon, ach, ich habe im Augenblick keine große Lust, ausführlich über "Nashville", so übrigens der Name, etwas zu schreiben. Diese Serie ist in allem Mittelmaß und dennoch durchaus positiv zu beurteilen, denn in exakt 67 Folgen, die ich letzte Woche gesehen habe, gab es keine, bei der ich hätte vorspulen wollen oder bei der ich eingeschlafen wäre. Neben des unterschwelligen Rassismus' und der Leugnung des Rauchens, was beides von den Produzenten auffallend durch die restriktive Anwendung des Nudgings betrieben wird, einer Lenkungsstrategie, die sogar explizit in der Film- und Unterhaltungsindustrie mehr und mehr Anwendung findet (Interessantes und Lesenswertes zum Thema: Link_1, Link_2, Link_3, Link_4), ist es eine professionell hergestellte TV-Serie mit exzellenten Schauspielern. Eine Seifenoper natürlich zur bloßen Unterhaltung. Nicht so schlimm wie deutsche Serien a la "Lindenstraße", "GZSZ" & Co., ziemlich musiklastig (Nashville halt), doch auch die Musik bleibt Mittelmaß. Es gibt nicht einen Song, der bei mir Emotionen erzeugt hätte. Auf einer Bewertungsskala von 1 bis 10 spielt die Serie zwischen 3 und 7. Zum einmaligen Anschauen als Zeitvertreib ist sie in Ordnung, mehr aber nicht, ideal bei Leerlauf in langweiligen Arbeitsnächten - und genau dafür hatte ich sie aus dem Netz auch heruntergeladen.

Einen schönen Samstag wünsche ich dir.

Kommentare:

  1. Bei Dir mitlesen, ist ganz schön gefährlich. Seit einiger Zeit schleiche ich nun auch schon um diese Abo-Angebote herum.
    Gut aber Deine Idee, nicht nur zu konsumieren, sondern zu rekapitulieren. Inzwischen merke ich, dass ich Wiederholungen zwar als solche erkenne, aber dass ich Teile des Inhalts nicht mehr als Geschichte im Kopf habe, sondern nur noch voraussagen kann, was als nächstes passieren wird.

    Dein Umgang mit ungehorsamen Rauchmeldern - tja, ist ähnlich bei mir. Die liegen - wegen des Gesetze zwar zum Aufhängen bereit, das aber schon so lange, wie das Gesetz alt ist.

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    1. Ja, liebe Kurbelursel, du hast es erkannt: in Wahrheit bin ich ein elendiger Zeiträuber, ein Leierkastenmann, der in Hinterhöfen des Internets den Bewohnerinnen und Bewohnern der virtuellen Welt mit seinem laienhaften leiernden, immer wieder die Musikrolle aufs Neue drehenden Gedudel dermaßen auf dem Geist geht, dass sie allein schon ihrer kostbaren Ruhe wegen, lustig kleine Münzen aus den Fenstern werfen. Wenn ich sie aufsammle, kann ich nicht gleichzeitig die Leierkurbel drehen und Stille herrscht. Nun gut, die Gefahr besteht natürlich, hin und wieder einem Blumentopf ausweichen zu müssen, doch einen solchen als Unmutsbekundung zu werfen, das machen nur die Neumieter aber sehen rasch den Widersinn ihres Tuns ein, denn durch die Hartnäckigkeit meiner Wiederholungen wird es für sie sehr viel teurer, täglich neue Töpfe kaufen zu müssen als sich von ein paar virtuelle Cent-Münzen zu trennen.

      Der eigentliche Grund für Wiederholungen liegt übrigens darin begründet, dass die Notenrolle meiner Drehorgel (mein Leben) eher schmal und langweilig in elenden Wiederholungen täglicher Routine ausfällt. Es sind halt andere, die Orchester dirigieren - ob sich allerdings ihre Symphonien nicht ebenfalls in einem größeren Umfang ständig nur wiederholen, wäre eine mehr philosoffische Frage. Tatsache ist jedenfalls, dass so etwas nicht vom Publikum bemerkt wird und, ob Wiederholung oder nicht, ihr Honorar in Form der Anerkennungs-Gold-Coils bis hin zu materiellem realen Wohlstand eines Dirigenten erheblich höher ausfällt als meines, als die Beulen und leichten Blessuren durch dahingeworfene Blumentöpfe unterschiedlichster virtueller Bauart.

      Themenwechsel :-)

      Das Thema Gesetzesvorschrift zum Einbau von Rauchmeldern (nur in Neubauten) ist tatsächlich eigentlich einen eigenen Eintrag wert, denn mir scheint es ebenso durchsichtig ein hauptsächliches Entgegenkommen des Gesetzgebers auf die Bedürfnisse der Rauchmelderproduzenten zu sein, so ähnlich wie seinerzeit beim Glühlampen-Verbot. Bei all den unwidersprochenen Vorteilen, den Rauchmelder für die Sicherheit bieten, verhindern sie aber meine persönliche Freiheit, die in der Vorliebe, in einem verdampften Raum zu sitzen, besteht. Okay, als das mit den Rauchmeldern so gesetzlich vorgeschrieben worden war, ich meine die Vorlaufzeit bis hin zum Gesetz, also zu jener Zeit gab es das E-Dampfen bekanntlich noch nicht. Dennoch ändert es nichts daran, dass Rauchmelder - für mich, ich möchte hier nicht verallgemeinern - ungeeignet in der Wohnung sind, da sie technisch überholt sind, da sie eben nicht unterscheiden können zwischen Rauch und Dampf. Deshalb lasse ich sie - wie du auch - doch mehr und mehr ausgeschaltet. Schon wieder ein gesetzwidriges Verhalten unsererseits. Tz, tz, tz...

      Danke für deine Infos zu Dampf-Bloggern übrigens. Die "Oma" habe ich prompt ihrer authentischen Normalität wegen in meine Linkliste übernommen aber den anderen Blogger, dem du einen ausführlicheren Kommentar dagelassen hast, werde ich nicht verlinken, denn wer von sich behauptet, seit mehr als 20 Jahren zu bloggen, hat sie eh nicht mehr alle bzw. verwechselt BTX der Bundespost oder Einträge in ersten Newsgroups des Internets mit Blogs. Ich mag solche Blender nicht.

      Bis dahin, viele liebe Grüße

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  2. Nur ganz kurz: sog."Brandmelder" sind in meinem Bundesland für Neu- und Umbauten Pflicht.
    Der schöne Text selbst wird notgedrungen im Stillen gewürdigt ;-)

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  3. Also, bei Netflix kann man das Angebot für einen Monat kostenlos testen und wird rechtzeitig darauf hingewiesen dass es beendet wird bzw. ob man abonnieren möchte. Was mir an diesem Modell gefällt ist, dass ich mich nicht für einen langen Zeitraum binden muss sondern jeweils zum Monatsende kündigen kann. Für die normale HD Qualität bezahlt man € 9,90 pro Monat und dafür bekomme ich in München noch nicht mal eine Kinokarte.
    Georg, die Nashville Serie war die erste die wir nicht bis zum Ende geschafft haben. Was du darüber schreibst stimmt alles. Von der Musik hatte ich mir mehr erwartet, leider war es nur mäßiger Durchschnitt. Und die Handlung, na ja...
    Mit "The Good Wife" sind wir noch nicht durch, aber da ist bisher keine schwache Folge dabei. Und die Frauenfiguren sind so toll geschrieben!
    Ab nächstem Freitag läuft "Get down" mit fast ausschließlich schwarzen Schauspielern, produziert von Baz Luhrman und natürlich geht es um Musik. Der Trailer ist jedenfalls vielversprechend.
    Dir noch einen schönen Sonntag.

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    1. Hi Barbara, vielen Dank für deinen Tipp "The Get Down". Noch kann ich die Serie nirgendwo herunterladen aber du sagst ja, dass sie erst ab Freitag startet, bin gespannt.

      Über Netflix habe ich mittlerweile viel und nur Gutes gehört. Das scheint ein vernünftiges Bezahl-TV zu sein. Für die bekannten Kanäle würde ich keinen Cent bezahlen aber mit Netflix entsteht vielleicht eine echte Alternative. Schaun wir mal, wie's sich entwickelt.

      Zwar lade ich Filme und Serien anderswo aus dem Internet herunter, doch auch ich bezahle für einen Premiumzugang 9,90 Euro pro Monat, der mir dann eine wesentlich schnellere Downloadgeschwindigkeit ermöglicht. Vorteil = weltweite Angebotsauswahl ohne rechtliche Hürden; Nachteil = kein Streaming möglich, du musst zuerst die komplette Folge/Film etc. runterladen, bevor du sie anschauen kannst. Bei einer schnellen Leitung zu Hause macht es aber nichts, ein 2-Stunden-Film in HD-Qualität braucht ca. 10 Minuten, eine Serienfolge ohne HD 2 Minuten (aber immer noch mit brillantem Bild). Auf meiner temporären Arbeitsstelle streamen einige Mitarbeiter mit Netflix, da hat das wiederum große Vorteile.

      Barbara, stell dir die Welt in vielleicht 10 Jahren einmal vor - wenn die technische Entwicklung so weitergeht, da wird’s mir fast schwindlig, ich glaube, die Zwangsgebühren der GEZ wird es in 15 Jahren nicht mehr geben. Da regt sich doch heute schon so viel Widerstand, es ist einfach zu viel Geld für zu viel Überflüssiges und doppelt und vielfach Dasselbe. Der Staat lässt sich die Manipulation der Bürger auch noch von den manipulierten Bürgern bezahlen. Das ist ja fast wie bei einer Massenhypnose. So lange wir da mitmachen, sind wir's selber Schuld. Was kann man denn dagegen tun? Zumindest sollte man keine politischen Parteien wählen, die das munter weiterführen. Ist aber wieder ein weites, weites Feld…

      Liebe Grüße und einen angenehme Wochenanfang.

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.