.

.

Dienstag, 23. August 2016

Ab heute striktes Rauchverbot

Mein lieber Kokoschinzki, gestern Abend kam Besuch und in meiner Höhle, das ist das inoffizielle und im Wortsinn eigentliche Wohnzimmer meines Zuhauses, rauchte dank meiner fehlgeleiteten Toleranz dieser Besuch. Es war über mehrere Stunden über ein Dutzend Zigaretten. Mit anderen Worten, der Raum war trotz geöffneter Fenster zugequalmt. Die ganze nächste Nacht hindurch standen die Fenster des Dachgeschosses weit offen. Mücken und anderes lästige Getier feierten ein Freudenfest - sollte man annehmen, doch selbst sie mieden meine heiligen Hallen weitgehend. Es stank ihnen, und es stinkt noch immer. Am Abend zuvor roch der Zigarettenrauch nicht mal so schlimm, nach mehreren Stunden allerdings wurde er stetig schlimmer und heute Morgen wollte ich deshalb kaum mehr meine Wohlfühl-Höhle betreten.

Ab sofort führe ich ein striktes Rauchverbot in der kompletten Wohnung ein.

Welch ein Unterschied: oft ist die Wohnung ziemlich zugedampft, so dass die Rauchmelder munter Funktionstests durchführen, doch nach kurzer Zeit hat sich der Dampf aufgelöst und nur in Verbindung mit Staubpartikeln erzeugt er mit der Zeit klebrige Schlieren auf Möbeln und Gegenständen, die mich öfter als früher zum Staubwischen zwingen aber es stinkt nichts. Das Gegenteil beim Rauch: nachdem sich sämtlicher Rauch verzogen hat, bleibt der Gestank des kalten Qualms, der kalten Asche dermaßen hartnäckig in Kleidern, Kissen, Decken, Vorhängen und im Teppich erhalten, dass die frisch gewaschene Kleidung, die ich am Leibe trage, erneut in die Waschmaschine muss. Ich hoffe, dass auch der Geruch aus dem Teppich innerhalb der nächsten Tage verzogen sein wird. Sogar die Wochen mit Ellis schlimmster Inkontinenz hatten nicht solch einen widerlichen Gestank hervorgerufen wie dieses Dutzend Malboro-Zigaretten. Wie, in Gottes Namen, wie habe ich nur selber fast 30 Jahre lang rauchen können? Unbegreiflich.

Meine Zeit als Raucher: ich weiß in meiner Erinnerung, dass ich es bin, den ich dort sehe, es sind Bilder meiner Person, und doch sind sie, sind die Filmsequenzen, die in den Speichern meines Hirnes abrufbar lagern, wie Theaterstücke, die ich einst besucht hatte. Es agiert ein Schauspieler meines Namens, den ich immer und überall mit einer qualmenden Zigarette im Mund oder in der Hand ungläubig bestaune, ein fremder Mensch, der beängstigend real in diesen Filmen der Vergangenheit meine Rolle einnimmt.

Nie wieder rauchen! Ich werde nie wieder diese Rolle einnehmen aber auch keinen solchen Darsteller mehr bei mir dulden. Und jetzt werde ich um so mehr dampfen, auf dass der schlimme Gestank nach kaltem Rauch in seinen Nano-Partikeln von den Schlieren des sich niederlegenden aromatischen feinen Nebels umschlossen wird, um beim nächsten Staubwischen auf Nimmerwiedersehen aus der Wohnung hinausgejagt zu werden.

Kommentare:

  1. Hallo Georg,
    ein erfrischender Beitrag. Du schreibst mir aus der Seele. Genauso geht es mir. Ich kann den Zigarettenrauch nicht mehr riechen und werfe auch alle Raucher raus in die frische Luft.
    Hätte ich mir in meiner Raucherzeit nie vorstellen können, aber es ist so. Nur noch dampfen und gut ist es.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, liebe Sabine, es ist m.E. genau so, wie Kurbelursel in der Einleitung ihrer Verlinkung meines Blogeintrags bei "Aufgeschnappt in der Dampferszene" auf Mered.de geschrieben hat. Sinngemäß in etwa, dass wir Ex-RaucherInnen immer schon Genussmenschen waren und als solche uns die militanten Gesundheitsapostel bereits früher auf den Geist gingen. Wir wollen für die heutigen Raucher nicht so sein, wie die Militanten für uns damals waren. Es hat etwas von dem Kind, das auf gar keinen Fall so werden will wie seine Eltern, und das dann im entsprechenden Alter erschreckt feststellt: ich bin wie meine Mutter bzw. wie mein Vater.

      Deshalb üben wir diese völlig blöde Toleranz gegenüber stinkenden Rauchern aus, wir wollen nett sein, klug, und für alles aufgeschlossene Weltbürger.

      Nonsens! Ich reiche dir die Hand, Sabine, nur noch E-Dampfen, und gut is'. Es ist mir völlig wurscht, was andere dann von mir halten.

      E-Dampfen ist wie neu geboren zu sein, deshalb finde ich die Erinnerung an meine eigene Raucher-Karriere auch so fremd - irgendwie war Gestern eine komplett andere Welt. Auf den Bildern der Vergangenheit sehe ich zwar, dass ich es bin, der da raucht, erkenne mich aber nicht mehr. E-Dampfen hat das Leben verändert in vielerlei Hinsicht, E-Dampfen macht die Welt zu einer besseren.

      Liebe Grüße

      Löschen