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Sonntag, 31. Juli 2016

Vom Schweben, von der Angst vor dem Loslassen und vom Fliegenlernen

In einer der Anfangsszenen begann der Film mit Bildern eines von mir vor vielen Jahren schon einmal versucht in Worte zu kleidenden Kindheitstraum(a)s; das machte mich natürlich sofort stutzig. Mein Interesse an dieser Netflix-Produktion galt augenblicklich zu hundert Prozent diesem bewegenden und humorvollen, grandiosen kleinen Indie-Film "Tallulah". Vom Inhalt verrate ich über Wikipedia hinaus nichts aber damit du nicht glaubst, hier im Onlinetagebuch werde von mir meist nur negativ kritisiert und bewertet, an dieser Stelle nun in Schulnoten meine Meinung zu "Tallulah": eine glatte Eins plus, ein Ausgezeichnet mit einer Menge Sternchen.

Kommentare:

  1. Georg, danke für den Tip. Wir haben den Film gestern gleich angeschaut und ja, die Extrasternchen hat er verdient. Und eine so gute Hauptdarstellerin, in die hatte ich mich sofort verliebt:-).
    Geschichten so gut erzählen können die Amis einfach, dem hat unser Land nichts entgegenzusetzen.

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    1. Absolut, liebe Barbara, das sehe ich absolut genauso wie du. Alles rund um Filme, da sind die Amis führend und beispiellos. Und das "komischerweise", obwohl die Filmindustrie doch bei ihnen durch und durch vom Kommerz durchdrungen ist. Bei uns in Europa und vor allen Dingen in Deutschland zählt nur der "Anspruchsgedanke", der so etwas Krudes wie die E- und U-Kultur hervorbringt. Quatsch eigentlich, als ob ernste Kultur nicht unterhalten dürfe oder Unterhaltung nicht ernst zu sein habe. Die Deutschen halt, die Belehrenden, die Oberlehrer. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Die Amis mögen erfolgreicher sein, wir aber sind die Besseren, dieser Unterton schwingt bei den meisten Filmschaffenden mit.

      Alles, was irgendwie Kommerz ist, gilt sowieso als schlecht. Das sagen Leute, die sich als Kulturschaffende oft auf Goethe & Co. berufen, doch oft bis auf ihre Schullektüre nie etwas von den Klassikern gelesen haben.

      Ausgerechnet aus diesem Kommerzland USA kommen dann die weltbesten Filme - ich denke, nicht die Amis leiden an einem Minderwertigkeitskomplex angesichts einer eigenen fehlenden historischen Kultur, sondern wir sind diejenigen, denen eine immerwährende Minderwertigkeit aktueller Kulturleistungen zu schaffen macht. Man kann ja schon soweit gehen und sagen, wer oder was den Grimme-Preis erhält, brauchst du dir gar nicht erst anzusehen aber was im Spiegel, der Zeit oder der SZ im Feuilleton verrissen wird, verspricht ein ausgezeichnetes Kunst- und Kulturerlebnis.

      Goethe und Hollywood überdauern die Zeit, die deutsche Filmförderung und dessen Ergebnisse kennt in wenigen Jahren kein Mensch mehr. Es kann nur an dieser fördernden bzw. einschränkenden Politik liegen, denn Geld, Technik, Geschichten und Menschen sind in Europa ebenso vorhanden wie in den USA. Wenn Geld statt Politik, wie in den USA, im Mittelpunkt steht, steht aber auch der Mensch dort, denn Geldverdienen ist gleichbedeutend mit Menschen-Interesse, ob man das wahrhaben möchte oder nicht. Was kulturell am Ende wertvoll sein wird, entscheidet der Mensch, keine Ideologie.

      Das ist so ein weites Feld, ich höre schon im Hinterkopf die vielen "Aber". Egal, ich will's ja hier und jetzt plakativ und provokant zum Ausdruck bringen. Bin gerade kurz vorm Einnicken auf Arbeit, da machen mich solche Gedanken wieder ein wenig munter :-)

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    2. PS: Gerade lese ich meinen eigenen Kommentar und er ist definitiv zu plakativ. Mit ihm möchte ich ja eigentlich auch nur ein wenig auf den elitären Kulturbetrieb hierzulande schimpfen :-)

      Laut Wikipedia hatte "Tallulah" ein Budget von nur 6 Millionen Dollar - hallo? Mit einem solchen vergleichsweise Mini-Etat kriegen wir in Deutschland dennoch niemals so einen wunderbaren Film hin - oder selten. Das muss eben Gründe haben, die weder im Geld, in der Technik, beim Können oder den Geschichten der Menschen ihren Ursprung finden.

      Und wenn ich für den Mainstream bei der Kunst eintrete, so weiß ich auch um die Nachteile, die daraus erwachsen, Stichwort: Verblödungskultur. Es ist wie bei der Musik, glaube ich, da gibt es neben dem Mainstream auch diverse andere erfolgreiche Richtungen. Ein großes Label kann sich aber nur durch viel verdientes Geld aus dem Bedienen des Massengeschmacks den Luxus einer Sparte leisten, in der weniger verdient wird.

      Wenn alle Menschen verdummt sind, gibt es auch nur dumme Kultur. Man kann Menschen aber nicht durch Lehr-Kultur klüger machen, denn die Kultur ist lediglich ein Spiegel der Gesellschaft, in der sie entsteht. Die Kultur erschafft nichts, sie wird erschaffen. Die Kultur "erbaut" keinen Geist, sie ist Resultat des Geists.

      Am Ende können die Amis wahrscheinlich deshalb bessere Filme machen, weil sie freier sind, sie zu erzählen als wir es sind. Die Kultur ist in Deutschland nicht frei, sondern ein Hobby einiger weniger Kulturschaffender, die sich die Geld- und Fördertöpfe untereinander aufteilen, die Kultur als Machtinstrument verstehen (Politik) und/oder die Kultur als Erziehungsinstrument missbrauchen.

      Naja, Danke jedenfalls für deinen Kommentar, den ich als sehr anregend wahrnehme und der mir in einer ziemlich langweiligen Nacht interessante Gedanken in mein Hirn zaubern.

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