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Donnerstag, 21. Juli 2016

TV-Serie "Manhattan" - Kritik

Wie so oft bei gestaffelten Serien, fallen die Folgen der ersten Staffel ziemlich gut aus, da die Produzenten mit ihnen durch eine hohe Qualität ihrer Arbeit das Publikum und die TV-Sender zur Herstellung weiterer Staffeln zu überzeugen versuchen. Und wieder wie so oft stürzt nach dem Erfolg einer solchen Strategie die kommende Staffel ab wie eine im Flug von einer Schrotflinte getroffene Taube - in einem kleinen Meer aus Blut und Federn verschwindet die Taube von der Erde ohne dass sie selber überhaupt bemerkt, was ihr im Fluge da widerfährt.

So auch bei dieser TV-Serie "Manhattan".

Nach der fabelhaften ersten Staffel siehst du nur noch absurdes Kleinklein in einer an den Haaren herbeigezogenen soap-mäßig schäumenden Lauge. Es findet kein Schauspiel der Darsteller mehr statt, sondern lediglich etwas, das einer Lese- oder maximal einer Stellprobe ähnelt. Die vormals innovative, in ihrer Ausdruckskraft selten erreichte Filmmusik, die unaufdringlich aber positiv auffällig einen modernen, fast surrealen Gegenpol zum historischen Kontext erschuf (gerade vor dem Hintergrund der Entwicklung einer Massenvernichtungswaffe einfach nur genial, mir fällt dazu kein anderer Begriff ein. Sie erinnert mich, wie gesagt, irgendwie an Björk), weicht ab der zweiten Staffel einer furchtbaren akustischen Belanglosigkeit, die in ihrer Beliebigkeit bei jeder Lindenstraße-Folge erklingen könnte, ohne dass irgendjemand sie überhaupt wahrnähme.

So weit ich das kurz im Internet überfliegen konnte, ohne mich großartig weiter auf die Materie zu stürzen, da sie mich einfach nicht interessiert, war es wohl im Vornherein (und nach der Bezahlung für den Auftrag einer 2. Staffel) gar nicht beabsichtigt gewesen, eine 3. Staffel zu produzieren, so dass es scheinbar niemand mehr für nötig befunden hatte, sich auch weiterhin anzustrengen. Noch dazu konnte eine B-Crew kostengünstiger 10 Folgen abliefern (obwohl ich das faktisch gar nicht weiß, es ist hier und jetzt also lediglich eine böswillige Unterstellung meinerseits - wenngleich man es den Folgen aber ansehen kann, finde ich). Für die guten Schauspieler der 1. Staffel tut's mir wirklich leid, doch sie hätten nie eine Chance gehabt, durch ihr Können die albernen Drehbücher dieser 10 Folgen der 2. Staffel aufzuwerten, dazu waren sie viel zu miserabel geschrieben. Und die neu hinzugekommenen Kolleginnen und Kollegen der 2. Staffel zwangen durch ihre Provinzialität definitiv jeden Versuch einer niveauvollen künstlerischen Leistung ihrer Kolleginnen und Kollegen zum Scheitern.

Quintessenz in Schulnoten: Staffel 1 = 2; Staffel 2 = 6  Das macht insgesamt ein Ausreichend für diese Serie. Leider ist sie damit nicht würdig, auf meiner Festplatte des Film-Wechseldatenträgers zu verweilen und wird gleich im Anschluss an diesen Tagebucheintrag von mir gelöscht werden.

Tja, so erbarmungslos polemisch manchmal eine Kritik auch ausfallen mag, ich habe das Recht dazu, finde ich, denn es ist meine Lebenszeit, die ein Film, ein Buch oder eine TV-Serie beansprucht - und wenn diese Zeit mehr als nur verschwendet wird, wie in dieser letzten Nacht meiner Freizeit, wenn nämlich diese freie Zeit für mich sogar unangenehm wird, dann hat der Verursacher dieser meiner Übelkeit auch berechtigten Anspruch darauf, mit seinem Produkt in meine öffentliche Liste pathologisch wirkender TV-Produktionen aufgenommen zu werden.

Kommentare:

  1. Ach schade. Die hatten wir als nächstes auf dem Zettel. Macht es denn Sinn die erste Staffel zu schauen oder will man wissen wie es weitergeht?
    Insgesamt ist Netflix ein Segen (wobei du die Serien anderweitig siehst) und über das deutsche TV Programm kann ich nur noch lachen. Wie viele tolle Produktionen wir jetzt schon gesehen haben, und das für ein wirklich kleines Geld pro Monat! Das Kino bleibt dadurch natürlich auf der Strecke, aber in München ist die Kinokarte auch so teuer, davon bezahle ich fast 3 Monate Netflix.
    Derzeit schauen wir "The Good Wife" - gute Drehbuchschreiber sind da am Werk.
    Tja, und Schokolade gibt's manchmal auch:-)

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    1. "The Good Wife" ist insgesamt super, schrieb ich ja schon drüber. Gerade schaue ich von Folge zu Folge "In The Club". Ist auch eine gute Serie, hätte ich anfangs definitiv nicht erwartet, wenngleich gaaanz anders als "The Good Wife". Übrigens nicht bei Netflix, sondern auf "EinsFestival", man glaubt es kaum. Aber wie du, schaue ich kein TV mehr, sondern lade auch diese Foilgen im Internet herunter. Es ist überdies eine BBC-Produktion, es gibt keine guten deutschen Serien, keine, null, niente, nüschts. Tja, nun aber zu "Manhattan", hm, klar könnt ihr die erste Staffel sehen, sie ist, wie gesagt, hervorragend, um so größer fällt dann vielleicht die Enttäuschung aus, wenn's an die Nummer Zwei geht. Eventuell wirkt die Enttäuschung aber nicht so schlimm, wenn man vorgewarnt ist, wer weiß.

      Netflix, da hast du richtig vermutet, kenne ich tatsächlich nicht, habe aber verflucht viel Positives in ziemlich kurzer Zeit darüber gelesen. Und ihre produzierten Serien gehören mit zu den besten.

      Bis auf wenige Ausnahmen lade ich mir "immer" die kompletten Staffeln herunter (Gänsefüßchen, da "immer" erst seit der 25000er Leitung möglich bzw. sinnvoll ist, und die habe ich erst seit zweieinhalb Jahren), danach gibt’s dann einen Marathon. Vor dem schnellen Internet war es für den Computer vergleichsweise echt mühsam, im Hintergrund über Stunden zu rödeln und irgendwelche Staffeln runterzuladen. Geht heute 10 mal so schnell, das ist einfach nur herrlich! Ich muss die Telekom auch mal loben - obwohl - ja, ich weiß, dass sie das Geld für den schnellen Ausbau hier auf dem Lande extra aus EU-Mitteln bezahlt bekommen hat und dass darüber hinaus der Unterhalt dieser modernen Technik durch die Kunden bezahlt wird, dass also am Ende wir Bürger der Telekom das Geld geschenkt haben, durch das wir nun monatlich die Telekom bezahlen und sie dadurch noch reicher machen. Aus Sicht der Telekom sind wir eher eierlegende Wollmilchsäue als Kunden. Man kann also bei genauerer Betrachtung dessen durchaus geteilter Meinung sein.

      Oh, Barbara, Kino, was benutzt du denn da für ein Fremdwort? Was ist das noch mal, hilf mir auf die Sprünge... Etwas mit einem Saal, vielen Menschen, doofen Köpfen im Bild, Raschelnden Tüten - oder war das nur früher so? Mein Gott Kino, das ist auch bei mir schon eine Ewigkeit her.

      Bis die Tage, euch einen sommerlichen Gruß.

      Fällt mir gerade ein, vielleicht wäre eine zukünftige Anschaffung eines Beamers für draußen eine gute Idee? Was meinst du, hat zukünftig jeder Mensch seinen eigenen Beamer? Das wäre doch fantastisch, oder?

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  2. Sehe ich auch so, die Staffel 2 ist ein "pain in the ass" und man vergeudet hier einfach nur Zeit und Nerven. Besonders ging mir die Rolle der Frau des Dr. Isaacs auf die Nerven und die Energie und die Zeit die hier verschwendet wurde. Es wird dann immer mehr zu Seifenoper. Gut das hier keine dritte Staffel gedreht wurde und wieder einmal schade, daß Netflix und Amazon diesen ganzen Serienschund aufkaufen. Man wird hier manchmal als Kunde der Streaminanbieter ganz schön veräppelt und letzter Zeit mehren sich immer mehr dieser Serien dort.

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    1. Einerseits habe ich in der letzten Zeit viel Gutes über Netflix gehört, andererseits aber ebenso auch Negatives. Sie kaufen billig Serienschund ein, wie du treffend sagst, um ihr Programm zu füllen aber sie haben auch gute Eigenproduktionen. Ich weiß allerdings zu wenig, um ein abschließendes Urteil über Netflix fällen zu können. Steht Netflix vielleicht Heute auf der Kippe? Haben sie sich vielleicht durch gute und neue Produktionen, durch ihren günstigen Abo-Preis, ihr innovatives Programm zuerst nur einen Namen machen wollen im Sinne von auffallen, um dann bei einem vorgegebenem erreichten Ziel doch abzuflachen wie die meisten anderen privaten Anbieter? Ich weiß es wirklich nicht, es wäre auf jeden Fall sehr schade.

      Justamente schaue ich übrigens die erste Staffel von "Tyrant" und bin hellauf begeistert. Bis jetzt eine fabelhafte Serie.

      Und von der dänischen Serie "Die Erbschaft" habe ich ebenfalls die erste Staffel gesehen - ist ganz anders aber auch ziemlich gut.

      Bei beiden Serien wage ich aber noch keine abschließenden Worte. Es sind keine Netflix-Serien.

      Dir alles Gute!

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