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Sonntag, 24. Juli 2016

Kugeln um die Ohren

Folgendes ist nicht neu, ich möchte da nicht missverstanden werden. Und zwar wird seit Jahrzehnten aus fahrenden Autos auf Straßenschilder als Zielscheiben geschossen. Zum ersten Mal hörte ich davon in den 70er Jahren und mehrere Menschen, die bei Straßenmeistereien arbeiten, haben das mit den Jahren immer wieder bestätigt. Vor allen Dingen auf den Autobahnen sollen sich auf fast jedem zweiten Schild Einschusslöcher befinden.

Neu ist mir allerdings, dass dies hier quasi vor der Haustür auf der einsamen Landstraße mitten in der Nacht ebenso geschieht.

Da ich ein paar Nächte frei habe und mit Elli ja keine Waldwanderungen mehr unternehmen kann, möchte ich mir nachts hin und wieder trotzdem die Beine vertreten. Der Mensch an sich verträgt schlecht mehrere Tage Bewegungslosigkeit, ich spreche aus persönlicher Erfahrung :-) Also gehe ich unseren Feldweg entlang zur Landstraße und dort einige Meter auf dem Rad- und Gehweg. Ein paar Höfe in Sichtweite aber sonst absolut nur Feld und Wald - und kein Auto weit und breit. 3 Uhr, vielleicht 4 Uhr nachts.

Neulich fuhr ein Bus entlang der Straße und in ungefähr hundert Metern Entfernung (eher weniger, aber Schätzungen sind ja so eine Sache) schoss es aus dem Bus: Peng, Peng, Peng - drei Mal. Neben mir auf einem Schild hörte ich einen Schlag, nicht laut aber deutlich. Der Bus rausche an mir vorüber. Er war innen hell erleuchtet aber vollkommen leer. Mit der Taschenlampe schien ich zum Schild (Wildwechsel) und sieh an, ein Einschussloch, frisch, da der Rand silberfarben und noch nicht dreckig oder rostig war. Es musste also der Busfahrer geschossen haben. Mich hat er nicht sehen können, mich sieht man im Dunkel nicht, ich bleibe eher hinter einem Busch stehen, um nicht gesehen zu werden. Mache ich halt so, möchte nachts neben der einsamen Landstraße grundsätzlich unentdeckt sein. Aber zukünftig unterlasse ich lieber solche Spaziergänge.

Du erkennst daran wieder eine altbekannte Wahrheit: nachts einsam und alleine im gruseligen mitteleuropäischen und für uns raubtierlosen Wald ist es ungefährlicher als bei Begegnungen mit Menschen auf öffentlichen Wegen. Wenn, dann sollte man sich vor Menschen in Acht nehmen, nicht vor Sagengestalten oder Fantasiewesen der Nacht - ich gebe zu, in einer zwielichtigen Mondnacht mit Wind und Regen, vielleicht noch Gewitter, dann bei den vielen Geräuschen der nachtaktiven Tiere, den erschreckten Augen, die im Taschenlampenschein grün oder gelb aus dem Unterholz hervorlugen oder manchmal direkt vor einem aufleuchten und dich bewegungslos anstarren (sie sind ihrerseits sekundenlang gelähmt vor Angst, Rehe zum Beispiel), da fällt der Glaube an diese Wahrheit einigermaßen schwer, doch wie ich erlebt habe, sie stimmt.

Natürlich wünsche ich dir heute dennoch einen schönen sommerlichen Sonntagssparziergang; denke einfach daran, wenn's dunkel wird, die Straßen zu meiden oder rechtzeitig zu Hause zu sein.

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