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Sonntag, 10. Juli 2016

E-Zigarette, Dampfe, Vaping - oje, ich bin verwirrt

Mit der Bezeichnung "Dampfe" war ich schon immer unzufrieden, "Dampfe" klingt nach einer babysprachlichen Verniedlichung, die eigentlich meist nur für jene Begriffe benutzt wird, deren reale Namen zu brutal oder zu nüchtern erscheinen und die mittels der Verniedlichung eine kindliche Verharmlosung erfahren. Warum Kinder immer harmlos sein sollen, sei mal dahingestellt. Jedenfalls wird dies besonders deutlich, wenn zum Beispiel von einem "Kroki" statt von einem Krokodil gesprochen wird oder wenn das zweifelsohne gefährliche Raubtier Bär sprachlich verharmlost zum gemütlichen Meister Petz mutiert. Damit soll die Angst vor diesen Raubtieren genommen werden. Wer lacht fürchtet sich weniger. Nun, weder ist die elektrische Zigarette gefährlich noch braucht sich jemand vor ihr zu fürchten, es werden hier also andere Gründe für die Babysprache der Erwachsenen vorliegen.

Hässliche Sachen können genauso begrifflich verschönert werden, ich denke nur an "Drecksspatz", "Quasimödchen" (wer sagt denn so was?) oder "mein Dickerchen". Wiederum kann das aber nicht auf die E-Zigarette zutreffen, da ihr objektiv Attribute der Hässlichkeit fehlen (Unförmigkeit, Asymmetrie usw.) und ihre Ästhetik der eines jeden anderen technischen Produkts entspricht. An ihrem Aussehen unterscheidet sich also nichts großartig von dem eines Smartphones oder einer Tabakpfeife. Ebenso wie hässliche werden oft peinliche Dinge sprachlich verniedlicht, siehe die "Lümmeltüte" oder das "Sexpüppchen". Ob aber eine E-Zigarette überhaupt peinlich sein kann, vielleicht wie es ein Vibrator sein könnte, darf ebenfalls zu Recht bezweifelt werden.

Außer Acht lassen möchte ich schlussendlich diejenigen Menschen, die grundsätzlich allem und jedem babysprachlich brabbelnd begegnen - doch, doch, ich kenne solche Zeitgenossen (sprach-politisch korrekt natürlich auch Zeitgenossinnen).

Man nennt diese verniedlichenden Wortschöpfungen übrigens "Diminutive".

Nun, was kann denn sonst der Grund dieser diminutiven Sprachweise beim E-Dampfen sein?

Zuallererst glaube ich da an den Wunsch, sich positiv vom Rauchen abzugrenzen. Dampfen ist nicht Rauchen, auch wenn es ähnlich aussieht. Der Begriff der Zigarette wird als der fürs Rauchen verstanden, da es bisher nichts anderes gab, mit dem er hätte verwechselt werden können, zumindest keine transportablen kleinen Dampfgeräte. Das Erkältungsdampfbad kennen wir alle aber bereits ein Asthmaspray ist etwas ganz anderes.

International hat sich für den Dampf einer E-Zigarette der Begriff "Vape" bzw. "Vaping" durchgesetzt, der sprachlich sicher sehr viel eleganter klingt als die deutsche und ziemlich tumbe Bezeichnung. Als Ursprungssprache für "Vape" ist das Französische auszumachen. Wie bei vielen anderen Begriffen auch klingen die französischen für das menschliche Ohr einfach harmonischer. Nicht vorenthalten möchte ich dir allerdings, dass der französische Begriff "Vapeurs" ebenso für Blähungen gebraucht wird sowie metaphorisch als Bezeichnung übler Laune Verwendung findet.

Warum kann in unserer deutschen Sprache also nicht die international fürs E-Dampfen gebräuchliche Bezeichnung "Vaping" benutzt werden? Ich muss weder etwas kleiner machen, verniedlichen noch verharmlosen. Als ein Vapor grenze ich mich sprachlich genauso von einem Raucher ab wie ich dies als Dampfer kann. "Vape" lässt überdies sämtliche Variationen zu. Aber ich schweife ab, der Begriff des Dampfens hat sich heute im deutschen Sprachgebrauch nun mal durchgesetzt, ob ich das gut finde oder nicht.

Wieso soll ich nach der Meinung Vieler in der Dampfcommunity aber sagen, da ich dampfe, benutze ich eine Dampfe? Wer raucht, sagt doch auch nicht, die Zigarette sei eine "Rauche".

International ist es der Vapor, der eine e-cigarette benutzt. Nur wieder wir in Deutschland machen uns Sorgen über ein künstliches Verständnis unserer Sprache und wollen dem Schmuddelimage von Tabakzigarettenrauch entfliehen, indem wir unserem Tun "politisch korrekte" Namen geben. Ob Zigeunerschnitzel oder Mohrenkopf, ob Putzfrau oder Behinderte, ja mittlerweile soll ich nicht mal mehr Studenten sagen. So geht das nicht, es ändert nichts am Inhalt. Man braucht keine neuen Begriffe, vielmehr genug Achtung und Respekt vor den bestehenden. Ich werde nicht zu einem Rassisten, wenn ich ein Zigeunerschnitzel esse, aber der, der sein "Balkanschnitzel" verzehrt, sich sodann im Leben rassistisch seinen Mitmenschen gegenüber verhält, ist ein Rassist. Eine Frau, die für Geld bei fremden Menschen putzt, bleibt eine Putzfrau, erst wenn ich ihrem Tun despektierlich begegnen würde, so wäre ich es, der zu einem Arschloch wird, ganz gleich wie die Tätigkeit der Frau von mir bezeichnet würde. Ein schwarzer Mensch ändert seine Hautfarbe nicht, nur weil ich ihn als einen bunten bezeichne, ein Hamburger bleibt weltweit ein bekanntes Fast-Food-Gericht, auch wenn niemand durch seinen Verzehr einen Hanseaten verspeisen möchte. Ich will nicht sagen, dieser Tanz um die sprachlichen Auswüchse sei dumm, denn Dummheit existiert heutzutage ja auch nicht mehr, aber als geistig herausfordernd nehme ich diesen Heckmeck dennoch wahr.

Wenn also bisher der Begriff Zigarette mit dem der Tabak-Zigarette gleichgestellt war, so wird es meines Erachtens höchste Zeit, seine inhaltliche Bedeutung zu ändern, nicht aber den Begriff. Eine Zigarette ist eine kleine Zigarre, wertfrei, genau das sind die Dampfgeräte ebenso, kleine elektrische Zigaretten oder größere E-Zigarren. Wir werden es erleben, dass nicht die Welt am deutschen Wesen genesen wird, sondern dass auch wir über kurz oder lang die inhaltliche Verwandlung des Begriffs Zigarette teilen werden vom negativen, schädlichen Tabakrauch hin zum positiven, gesünderen Liquidnebel - und zwar ohne ihn zu ersetzen.

Selber bin ich natürlich nicht besser als andere, genauso unsicher, was richtig oder falsch ist; das Leben ist viel zu kompliziert, als dass für alles eine einfache Antwort parat stünde. Auch ich schrieb und schreibe nach wie vor von meiner E-Dampfe (siehe mit E und dem Bindestrich, denn "Dampfe" ohne E wirst du, glaube ich, nicht oder nur selten in meinem Onlinetagebuch finden). Ich besitze auch nicht den Stein der Weisen aber weiß immerhin, dass ich keine Dampfe habe. Demnach bevorzuge ich derzeit immer das "E" vor meinen Geräten.

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