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Mittwoch, 1. Juni 2016

Offline Update | Philosoffisches

Kein Festnetz-Telefon, kein Internet. Ein Update: Es hatte mich ab 8 Uhr gestern weder jemand angerufen noch wurde etwas gemessen. Nichts geschah, einfach gar nichts. Um 11 Uhr ging ich zu Bett, gegen 17 Uhr stand ich auf, kein Anruf auf dem Handy und das Fritzbox-Lämpchen blinkt nach wie vor munter in den Raum hinein. Sieht interessant aus im Dunkeln. Erneuter Anruf beim "Service", Lautsprecher des Handys dabei eingeschaltet, Warteschleifen-Musik gehört und währenddessen ausreichend Zeit gehabt, Kaffee zu kochen und das Frühstück zu beginnen, dann erreichte ich jemanden. "Die Technik" habe meine Strörungsmeldung erst heute um 16:30 Uhr bekommen, vor morgen würde sich daher niemand mehr darum kümmern können. Auf meine Frage, weshalb die interne Weitergabe meiner Störungsmeldung annähernd 24 Stunden braucht, konnte mir der Mann am Telefon keine Antwort geben. Nun ja, auch heute gilt dasselbe wie gestern: aufregen oder schimpfen nutzt nichts, ich bin halt ein kleiner Georg, mit dem man so etwas machen kann, was sollte oder könnte ich dagegen unternehmen? Nichts. Eben.

Aber während ich kein Internet habe, komme ich wenigstens dazu, längere Einträge zu verfassen, die ich dann - wie gerade jetzt - nachts auf Arbeit hochladen kann.

Vom Betrachten der Wiesen und Planeten


Wenn wir eine schöne Sommerwiese sehen, so auf einer Parkbank von einem erhobenen Ort aus sitzend sie betrachten, auf sie herabschauen wie vielleicht auf ein meisterhaftes Landschaftsbild oder wie auf eine gelungene Fotografie, dann ist das, was wir sehen, für uns vielleicht dasselbe wie für einen Gott, der von außen statt die Wiese, ein Universum betrachtet und zufällig gerade unsere schöne blau-weiße Erdenkugel bewundert. Bei dem Anblick der Blumenwiese im sanften Abendwind oder im Frühtau erbauen wir uns am prächtigen Gesamtbild aber sehen nichts von den Millionen Leben in und um diese Wiese herum, von den guten aber auch schlimmen Schicksalen, die im Augenblick dort geschehen, von Tod und Geburt, Kampf und Erfolg, Dramen und Komödien - all das findet von uns unbemerkt quasi unterhalb unseres Blickes statt. Ähnlich kann sich ein Gott am Anblick unseres Planeten erfreuen, dabei aber unsere menschliche Existenz nicht einmal wahrnehmen.

Verstehst du, wie ich das meine? Also falls jemand nun einwirft, Gott sei als Erschaffer des Universums und der Erde doch logischerweise allmächtig und würde daher alles sehen, bedenke bitte, dass wenn du die schillerndsten Seifenblasen in die Luft bläst, du ebenso nicht in der Lage bist, als deren Schöpfer ihr Platzen zu verhindern. Erschaffung ist nicht gleichbedeutend mit Allmacht. Im Übrigen stellt sich beim Aspekt der Allmacht auch immer die Frage, was denn vor der Allmacht, also vor einem möglicherweise allmächtigen Gott war. Die Antwort, Gott sei immerwährend, kenne keinen Anfang und kein Ende, ist nichts als die verbale Illustration eines Fragezeichens und eigentlich nur inhaltliches Geplänkel; vielleicht wie ein Mutter-Tochter-Dialog: Mutter: "Wohin gehst du?"; Tochter: "Weg!". Aber das führt jetzt zu weit ;-)

Vom Individuum welches sich gottgefällig verhält, will ich erst gar nicht beginnen, denn bei deinem abendlichen Blicken über die Sommerwiese wirst du genauso wenig die einzelne Ameise ein paar Hundert Meter entfernt von dir wahrnehmen wie Gott dich wahrnimmt, geschweige denn, du würdest die Intention des Verhaltens einer einzelnen Ameise erkennen oder gar allen Ameisen irgendwelche Verhaltensregeln auferlegen wollen.

Während des abendlichen Blicks Gottes auf die schöne blaue Erde bereiten wir Menschen ihm irgendwann vielleicht eine kurze Abwechslung in Form eines netten Atomkriegs und löschen uns gegenseitig mal schnell vom Planeten. Dazu explodieren in der Folge einige mächtige Atombomben, die aus der Entfernung gesehen wie hübsche Atompilze geräuschlos wunderschön die weißen Wolkenwirbel durcheinanderbringen, in etwa wie ein Sommerschauer den stillen See in ein Bild munter hüpfender Regentropfen verwandelt. Die Not und den Tod durch den Regen verursachter Insekten sehen wir genauso wenig wie Gott die Folgen der Explosionen auf der Erde.

Natürlich, Gott würde uns bemerken - oder besser gesagt, die Auswirkungen unseren Tuns - wenn wir nämlich durch unsere Taten dem schönen Blau eine graue oder braune undurchsichtige Schicht in die Atmosphäre schicken würden. Vergleichbar vielleicht mit einem Schwarm Heuschrecken, der sich auf die bunte Sommerwiese läge und sämtlich alles kahl fräße. Das würde uns ärgern oder betrüben, wir gingen fort zu einer anderen Sommerwiese oder würden schimpfen und die Heuschrecken mit Insektengift bekämpfen. Wie dem auch sei, vielleicht täte Gott genau dasselbe.

Jetzt mal weitergesponnen: Angenommen, der oder die Anführer der Heuschrecken würden uns beim Betrachten der Sommerwiese erkennen, sie würden sich zu uns setzen und - wiederum nur theoretisch, es wäre eine Kommunikation möglich - du würdest ihnen sagen, sie mögen die Wiese doch bitte unangetastet lassen. Sie antworteten möglicherweise, dass sie dazu gerne bereit seien, dann aber zum Ausgleich etwas zu fressen benötigten - und du wiederum hieltest dich für so schlau, ihnen all das zu versprechen und darüber hinaus ewiges Leben in körperlich und materiellem Wohlstand, Lust, Bespaßung, Friede und wer weiß noch sonst für erstrebenswerte Dinge und Verhältnisse; sie bräuchten dafür nur zu tun, was du ihnen sagst. Ok, die Heuschrecken-Chefs gingen darauf ein und zögen sich zurück, du genössest deinen abendlichen Anblick und legtest dich danach zu Bett. Am nächsten Tag lächelst du über deine vermeintliche Schlauheit, denn dir ist schließlich klar, dass du nicht allmächtig bist - und außerdem sind dir jetzt Heuschrecken und Wiesen egal, da der gestrige Genuss vorüber ist und der Alltag dich ruft. Du verrätst dem Bauern die Information über die nahe Existenz der Heuschrecken, der dann sein Gift ausbringen kann.

Wir Menschen können zwar Heuschrecken töten, ihnen jedoch ewige Glückseligkeit zu bescheren, das gelingt uns genauso wenig wie Gott es vermag, sie der Menschheit zu schenken. Also was wäre eigentlich, wenn alle Versprechungen Gottes oder prophetischen Vorhersagen schlichtweg erstunken und erlogen sind?

Naja, bis morgen dann - vielleicht - es weiß, wie Gott, nur die Gott-Telekom, denn morgen habe ich frei und kann somit nicht von der Arbeit aus online gehen.

Kommentare:

  1. Moin Georg.

    Ist es nicht interessant auf was für Gedanken man kommt wenn man Zeit hat? Ich habe Dir dazu einen Link "eingebaut" der Dir sicher gefallen wird...;)
    https://www.youtube.com/watch?v=SnPUx5yUkQo

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    1. Jaaa, vielen Dank für die Verlinkung dieses wunderbaren Videos. Den Aspekt der unterschiedlichen Wahrnehmung der Zeit noch dazu und schon haben wir ein Schlüsselloch, das den Blick zum Weg der Erkenntnis allen Seins frei gibt. Schön, dass Menschen gibt wie dich, die gleich oder sehr ähnlich denken. Das verbindet, finde ich.

      Viele liebe Grüße aus meiner gegenwärtigen Offline-Welt. Igitt, ist alles viel zu real darin ;-)

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquide über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.