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Dienstag, 15. März 2016

"Love Song for Bobby Long"

Mit dem Schauspieler John Travolta und den Filmen, in denen er mitwirkte, konnte ich, gelinde gesagt, noch nie etwas anfangen, doch 2004 bekam er die Hauptrolle in dem großartigen Streifen "Love Song for Bobby Long" und seither ist mein Bild von ihm in normalen Bahnen angelangt, ich möchte sogar sagen, dass ich ihn für diese Rolle sogar ziemlich schätze. Nun, um was es in dem Film genau geht, kannst du am Besten bei Wikipedia nachlesen, trefflich finde ich dort den folgenden Satz aus der Rezeption des "Lexikons des internationalen Films": Der Film sei eine melancholische Komödie und zeige dank eines klug durchdachten Buchs ein sensibles Gruppenporträt, in dessen Verlauf über Werden und Vergehen philosophiert werde.

Vor etwa 10 Jahren sah ich zum ersten Mal diesen Film. "Hm, naja, nicht schlecht", das war's aber auch schon mit meinen Gedanken dazu. Dann vergingen mehrere Jahre, in denen ich den Streifen komplett vergessen hatte. 2010 herum bekam ich ihn auf DVD geschenkt und schaute ihn mir ein zweites Mal an - plötzlich erkannte ich seine ungeheure emotionale Dichte, wenn ich es mal so ausdrücken darf. Es steckt so viel Gefühl in diesem Film, und die Schauspieler agieren so was von brillant, die Geschichte ist in ihrer Einfachheit und dem x-ten Mal ihrer prinzipiellen Wiederholung dennoch so überaus berührend und die Musik sowieso der Hammer schlechthin, dass sich auf dem Cover der DVD in den folgenden Jahren kein bisschen Staub ansammelte, da ich regelmäßig "Love Song for Bobby Long" in den Player schiebe. Bis heute habe ich den Film sicher weit über 20 mal gesehen. Er ist einer der ganz wenigen Filme, die ich sowohl auf DVD als auch als digitale Datei besitze, um sie leicht im Netzwerk oder auf USB-Stick hin und her zu kopieren und die ich ohne Aufwand auch mit zur Arbeit nehmen kann. Der Film lässt sich genauso auf einem kleinen Tablet-Monitor wie am großen Kino-TV sehen. Das lässt sich längst nicht mit jedem Film so machen.

Auch ist mir an ihm etwas sehr Seltenes aufgefallen, er ist absolut zeitlos. Normalerweise erkennt man immer am Set oder am Agieren der Personen, an deren Kleider, an den Moden, der Technik oder an Dingen oder Umständen im Hintergrund die Zeit, in der der Film spielt oder entstand. Einfach haben es da natürlich die Filme, die klar nicht in der Gegenwart spielen, doch selbst bei ihnen verraten oft unbeabsichtigt selbst kleinste Fehler oder Unachtsamkeiten ihr Alter. Eine echte Zeitlosigkeit findet sich so gut wie nie. Bei Bobby Longs Lovesong ist es aber so, unglaublich und einfach nur toll, er spielt in einer Gegenwart, die noch vor "Katrina" tatsächlich Gegenwart bleibt - und das sogar trotz fehlender Smartphones oder Handys. Er ist genauso eine Liebeserklärung an die Stadt New Orleans und ihre Einwohner wie an Teile der US-amerikanischen Literatur. Es ist ein Film über Freundschaft.

Über ihn ließe sich natürlich noch eine Menge mehr schwätzen, über das Drehbuch, die Regie, die überaus gelungene Kameraarbeit, die erstklassigen Schauspieler und so weiter - aber statt mehr zu schreiben mache ich jetzt im Augenblick etwas anderes: die DVD liegt neben mir und ich werde sie in zwei Minuten, nachdem ich mich aus diesem Tagebuch ausgeloggt habe, in den Player einlegen, einen frisch gebrühten leckeren Kaffee genießen, etwas Kino-Knabberei und eine E-Pfeife dazu und mir zum Xsten Mal diesen Film anschauen.

Also werde ich dir mit diesem heutigen Tagebucheintrag quasi empfehlend an dein Herz legen, doch mal einen Blick und ein Ohr zu riskieren - und das obwohl dieser kurze YouTube-Trailer nicht im Entferntesten dem Film gerecht wird. Kein Beziehungs-Liebesfilm (Mann/Frau, selbst wenn man das vermuten möchte), ein Menschen-Liebesfilm. Freundschaft, Sehnsucht, Wahrheit - solche Sachen halt.



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