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Sonntag, 28. November 2021

Literatur bingen

Das ist mir schon lange nicht mehr "passiert", denn der gestrige Roman hatte mich dermaßen gefesselt, dass ich ihn vorletzte Nacht bis in den gestrigen Tag hinein in einem Rutsch und nur mit 30 Minuten Pause zu Ende lesen musste. Nach knapp der Hälfte der Lektüre wechselte ich in den "Darkmodus". Die Methode, ihn über das Riesen-TV-Gerät zu lesen, werde ich mir auf jeden Fall merken. Es ist wie Binge-Watching. Zum Scrollen benutzte ich die kleine leichte Funkmaus, und obwohl ich sie die ganze Zeit irgendwie in den Händen hielt, also frei ohne Untergrund, störte sie kein bisschen, ich hatte sie nicht einmal wahrgenommen.

Der Roman "Über Menschen" von Juli Zeh ist humorvoll, spannend, tragisch und bewegend. Mir ist nicht ganz klar, in welche Schublade ich ihn stecken sollte, denn m.E. ist er ein klassisches Drama, doch als Film würde er wahrscheinlich als "Dramedy" beworben werden, was für mich sogar die beste Kategorie wäre. Der Roman ist auf jeden Fall lebensbejahend und nicht destruktiv, einerseits zwar abgrundtief traurig, andererseits zugleich ungeheuer lustig. Über weite Strecken behielt ich ein innerliches Schmunzeln, das partout nicht fort wollte und mich an vielen Stellen zu lautem Lachen brachte - aber er sorgte ebenfalls für einen dicken Kloß im Hals vor lauter Traurigkeit.

Die Geschichte befasst sich mit Deutschland im Jahre 2020, erzählt von der Spaltung der Gesellschaft, die wir schon viele Jahre erleben und die durch Corona nur sichtbarer wurde, gleichwohl bietet er Lösungen für ein gegenseitiges Verstehen. Geschildert wird das späte Erwachsenwerden einer 36-jährigen modernen und erfolgreichen Frau, die erkennt, dass Liebe und das wahre Leben rein gar nichts mit Lifestyle oder ideologischen Vorurteilen, gleich welcher Art, zu tun haben. Schwer zu beschreiben, wenn man nichts vom Inhalt verraten möchte. Und das will ich nicht.

Du kannst bei Wikipedia nachschauen, verlinken möchte ich den Eintrag aber nicht, denn die Nacherzählung dort klingt wie ein Schulaufsatz und eher abturnend als Leselust erzeugend. Sie ist zwar faktisch zutreffend aber wird in ihrer Reihenfolge und wie der Inhalt wiedergegeben wird dem Roman ganz und gar nicht gerecht. Viel aussagekräftiger sind das Interview mit der Autorin und die Kundenrezensionen bei Amazon (kommt auch eher selten vor, das Amazon um Längen mehr Kompetenz aufweist als Wikipedia).

Also ich verzichte auf weiteres Blabla, denn Vera Lengsfeld hat alles schon bestens dazu geschrieben, da braucht es mich absolut nicht mehr. Das einzig Neue war die Art und Weise, wie ich mit diesem Roman Binge-Watching und Literatur verknüpfen konnte. Das hatte hervorragend funktioniert (bei mir, bei anderen vielleicht nicht) und ich kann es daher als einen Versuch für Leute, die gerne und lange an großen Monitoren sitzen, nur wärmstens empfehlen.

Samstag, 27. November 2021

Faul - fauler - ich

Auf dem Foto vom Beginn sieht alles recht klein aus, ist aber riesig, denn nachdem ich die wirklich Appetit machende Rezension von Vera Lengsfeld zum Roman "Über Menschen" von Juli Zeh gelesen hatte, entschloss ich mich für eine heutige Lesenacht. Erst wollte ich das Buch auf dem E-Reader lesen. Das wäre auch gut gewesen, doch dann fiel mir als haltungsunfreudiger Mensch die Idee ein, im Halbliegen (eher lümmelnd auf dem TV-Drehsessel) diesem Genuss zu frönen, also ohne das Buch dabei in den Händen halten zu müssen. In rund zwei Metern Abstand vom großen TV und mit extrem vergrößerter Schrift funktioniert das sogar hervorragend. Der Firefox des lüfterlosen und daher stillen Netzwerkrechners für Filme und Serien am großen TV bietet ein gutes PlugIn, so dass keine Extra-Software zum E-PUB-Lesen auf dem Linux-System installiert werden musste (die hauseigene Software dafür von Linux finde ich nicht sehr überzeugend). Mit der Lektüre von "Über Menschen" erspare ich mir überdies heute sämtliche gestern im Übermut geistiger Umnachtung getroffenen Vorhaben, wie Weihnachtsdeko aufbauen, Putzen, Staubsaugen oder dies und das zu erledigen.

Flexflex - flex mal wieder

Habe vergessen, einen Vorher-Nachher-Vergleich zu fotografieren. Naja, wat sollꞌs? Es ist nämlich so: dieses Billig-Tischstativ (5 Euro) soll mein anderes mit den flexiblen Beinen ersetzen, das sich als ziemlich nervig erwiesen hat. Die Halteschraube allerdings, die ins Loch er Kamera gedreht wird, war viel zu lang. Vielleicht ist das bei anderen Kameras egal, doch die neue kleine Lumix-Knipse ist ja auch eine Unterwasser-Kamera. Am Ende des Lochs ist von innen eine Art Dichtung vorhanden. Wenn die Schraube zu lang ist, wird diese Dichtung nach innen gedrückt und somit zerstört. Dann ist die Kamera nicht mehr wasserdicht. In der Bedienungsanleitung (ja, oh Wunder, ich habe sie gelesen) wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass alle Schrauben ab 5,5 Millimeter zu lang seien und eben diesen Schaden verursachen. Die Schraube am Billig-Stativ war 10 Millimeter lang. Also habe ich sie zur Hälfte gekürzt. Dremel, oh das Wunderwerk der Technik, sei Dank. Mini-Trennscheibe, entgratet und fertig.

Inneres Ich: "Schon wieder so ein unfassbar wichtiger Tagebucheintrag. Mannomann."

Hey, ich lass mich doch nicht verrückt machen von den hysterischen Medien dieser Tage. Wer die innere Ruhe verliert, wird am Ende nur krank.

Apropos krank: Seit ein paar Tagen suche ich vergeblich jemanden, der mich mit Corona infiziert. Ich möchte den Kimmich machen. Zwei Wochen Quarantäne, danach ein knappes Jahr Ruhe vor der Impfverfolgung als Genesener. Sogar 2G-tauglich. Ließe sich leicht am Ende der "Gültigkeit" wiederholen. Theoretisch. Praktisch ist kein infizierter Mensch in meinen Kreisen auffindbar. Im Krankenhaus habe ich für so etwas ja keinen Zutritt. Somit muss ich also weiter suchen und hoffen, bald jemanden zu finden. Ja, ich denke, dass ich schon infiziert war, doch das wurde nirgendwo registriert, da ich keine Lust auf Quarantäne hatte und sowieso mit keinem Menschen zusammentraf, also selbst ein Antigen-Nachweis würde nicht anerkannt werden. Ob ich keine Angst davor habe? Seit zwei Jahren nicht einen Moment. Ich weiß, dass mein Immunsystem noch hervorragend funktioniert. Im Dezember habe ich eine Woche frei, das wäre ideal, denn dann fiele mein Verdienstausfall kaum ins Gewicht (bekanntlich werde ich nach Stunden bezahlt und habe kein festes Monatsgehalt - seit mehr als 30 Jahren übrigens). Na, schaun wir mal. So, war das aufregend genug?

Inneres Ich: "So etwas ist krank und gefährlich. Wie kannst du nur?!"

Für mich mit altersbedingt fortschreitender Arterienverkalkung (und Prognose vom Arzt: "Sie werden irgendwann an einem Infarkt sterben") ist eine Impfung, die sowieso nicht wirkt, mit erheblich mehr Risiken behaftet als eine Infektion. Allein dieser Gesichtspunkt relativiert eine potentielle Gefahr - am Besten wäre natürlich, man ließe mich endlich einfach in Ruhe. Macht der Staat aber nicht. Somit gibt es bei einer wahrscheinlich kommenden Impfpflicht nur drei Möglichkeiten: 1. auswandern, 2. Impfpass fälschen und 3. den Genesenen-Status einnehmen. Punkt 1 geht aus Mangel an Geld nicht, Punkt 2 kommt nur als Notlösung in Betracht aber die 3. Möglichkeit wäre sogar sehr vernünftig.

Ein gesundes Wochenende wünsche ich dir. Flex mal wieder, ist entspannender als sich verrückt zu machen.

Freitag, 26. November 2021

Erste Winternacht

Habe die erste Arbeitsnacht in Winterkleidung verbracht. Lange Unterhose unter der gefütterten Cargo-Skihose, dünne und dicke Strümpfe in dickledrigen Pilotenstiefeln, extrem warme Militär-Fleecejacke mit Rollkragen unter dem gefütterten Parka, gefütterte Wollmütze und Winterhandschuhe. Temperatur war so 2 Grad herum im Nebel. Für noch mehr Winter, so ab minus 5 Grad und kälter, stehen als Upgrade bereit die nicht atmungsaktive Russenmütze (selbst bei 10 Grad minus schwitzt man schnell darunter und muss jede Stunde kurz lüften - ist aber klasse, besser warm als kalt), ein über den Parka tragbarer zweiter gefütterter gelber XXL-Mantel für Straßenbauarbeiter, eine dicke Jogginghose für über die lange Unterhose, XXL-Skihose, Fäustlinge mit Daunen gefüttert und zusätzlich ein Seemannspullover in Marineblau. Derart ausgestattet lassen sich bis ca. 10 Grad minus nachts hervorragend sogar 8 Stunden ausschließlich im Freien verbringen, man ähnelt dann bewegungstechnisch allerdings einem Astronauten auf dem Mond. Noch Fragen? Nein? Dann ist ja gut.

Inneres Ich: "Wie uninteressant!"
 
Das ist eben der Unterschied vom persönlichen Blog zu den korrupten und ideologisch verseuchten Medien, denn meine Luxusexistenz braucht keine täglichen Steigerungen über die Apokalypse hinaus. Und meine eigene Haltung bläue ich auch nicht jedem ein.

Inneres Ich: "Ach, so siehst du das also?"

Genau, so sehe ich das. Et is, wie et ist. Und momentan genieße ich im T-Shirt bei einem Heißgetränk sitzend, lecker e-dampfend und auf das "Pling" des Backofens wartend die Erinnerung an die erste Winternacht. Die Igel watscheln alle Barfuß. Hartgesotten diese kleinen Kerlchen. Heute Abend baue ich dann mal die Weihnachtsdeko auf.

Donnerstag, 25. November 2021

Heute mal ein schneller 3-Punkte-Tag mit Corona

1. Es wird immer grotesker. Jetzt ist das Sterben nur noch mit 2G erlaubt. Der Verein "Sterbehilfe" verlangt für eben diese Dienstleistung von seinen, wie sagt man da?, Klienten tatsächlich 2G. Was funktioniert bei den Verantwortlichen nicht? Ich meine, so etwas kann man sich doch gar nicht ausdenken. Natürlich hagelt es dafür reichlich Spott und Häme, das Peinlichste ist aber, die vom Verein meinen das ernst (Link).

2. Auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt herrscht ebenfalls die 2G-Regel. Alle Leute dort dichtgedrängt ohne Masken und Tests. Ein legales Superspreader-Event. Da will ich als Ungeimpfter aber einen Riesenbogen herum machen. Mittlerweile muss man mehr auf ungetestete Geimpfte acht geben als auf Ungeimpfte, denn dass das Infektionsgeschehen keinen Unterschied zwischen Geimpfte und Ungeimpfte macht, hat sich noch nicht bis zu uns durchgesprochen (Link).

3. Voraussetzung seit gestern für meine Arbeit: vor jeder Nacht, in der ich den Dienst ohne irgendeinen menschlichen Kontakt absolviere, muss ich unter Aufsicht einen neuen Test machen. Immerhin, darüber bin ich sogar froh, denn es hätte erstens mit 2G auch dicker kommen können und zweitens halte ich nun täglich, eben anders als die Geimpften, schwarz auf weiß den Beleg meiner Gesundheit in Händen.

Mittwoch, 24. November 2021

Frühstück für alle!

Warten aufs Christkind. Okay, eher weniger heilig, doch ich warte in meiner Einsiedelei tatsächlich gerade auf Besuch aus der realen Welt. "Was? Ein echter Mensch in deiner Mausetodeshütte? Weißt du, was du da tust?" Ja, denn leckere Mohn- und Sesambrötchen, eine Ewigkeit nicht mehr gegessen, mit frischem Gouda wird sich im Gepäck befinden, um als Frühstück für das unheilige Christkind und als Abendmahl für meine Wenigkeit zu dienen. Angesichts der minütlich ansteigenden Vorfreude, kann ich mich auf nichts Gehaltvolleres für den heutigen Tagebucheintrag konzentrieren und verbleibe daher mit den besten Wünschen … blablabla. Oder wie das aktuelle Transparent der Damen der FFA-Demo für ein genussvolles Leben lautet: Frühstück für alle!

Dienstag, 23. November 2021

Verwesung

Nach 3 Tagen ohne weiteren Mausfang (mit 11 Mäusen wurde die Großfamilie ausgerottet und wie bereits in den Kommentaren gesagt: diese Schuld nehme ich mit ins Jenseits) riecht es nun in einer Ecke schlimm nach Verwesung. Das gab es schon jahrelang nicht mehr, war aber früher öfter so der Fall. Damals starben die Mäuse durch die Giftköder. Zum Sterben zogen sie sich zurück. Die gesamte Wohnung, ach, was sage ich, das gesamte Haus ist mit unterschiedlicher Holzvertäfelung an Decken und Wänden verkleidet; ich möchte nicht wissen, wie viele Gerippe dahinter zu finden sind. Und jetzt zeugt der Verwesungsgestank höchstwahrscheinlich von einem versteckten Nest, in dem die Babymäuse verhungert sind. Nach ein paar Tagen oder wenigen Wochen verschwindet der Geruch. Somit gibtꞌs wieder ein paar Babyskelette mehr in den Zwischenwänden. Geruch kann ich leider nicht fotografieren. Das wäre ja mal etwas, wenn das möglich wäre, nicht wahr?

Staatliche Bevormundung

Vorhin hatte ich einen heutigen ausführlichen Eintrag fertig geschrieben aber kann ihn jetzt doch nicht veröffentlichen, da er - sagen wir mal sehr diplomatisch und allgemein - das Thema Illegalität und Schwarzmarkt im globalen Handel mit China zu offenherzig betraf. Der ist jetzt nämlich nicht mehr so ohne weiteres möglich bzw. würde mit viel "krimineller Energie" und "Connetctions" die Preise für einen kleinen privaten Einkauf so arg in die Höhe treiben (jeder möchte seinen Anteil daran bekommen), dass sich der Schwarzmarkt nicht mehr so einfach lohnt. Es ist ähnlich wie in den 1950er und 1960er Jahren, als der Kaffee-Schmuggel aus Holland boomte, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Landesgrenze heute die EU-Grenze ist und man nicht mehr mal ebkes 5 Kilometer ins benachbarte Holland über die Grenze tuckern kann. Er hat sich an die EU-Außengrenzen verschoben insbesondere die östlichen oder die der Schweiz. Naja, ich persönlich brauche nichts, für mich ist ein Schmuggel also sowieso uninteressant, doch was ist mit den vielen Leuten, die nicht beizeiten vorgesorgt haben?

Urlaub machen im Osten der EU ginge noch. Dann wäre es leicht möglich, mit einem netten Adrenalinschub das Abenteuer kleinerer Grenzübertritte zu erleben. So haben sich meine Großtante und die Nonnen des ehemaligen Stifts meines Geburtsdorfs damals auch gefühlt. Streng katholisch, nach hehren moralischen Grundsätzen lebend, doch für den Schmuggel von Genussmitteln ließen sie sich kein schlechtes Gewissen einreden. Von niemandem. Dreist hatten sie regelmäßig den Kaffee unter die Röcke der Nonnen versteckt. Zumal die Nazi-Zeit gerade erst vorbei war und sie nach Glaubensgrundsätzen lebten, die staatliche Gesetze eindeutig in die zweite Reihe beförderten. Jesus war schließlich auch ein Outlaw und die Katholiken kennen Verfolgung durch Übergriffigkeit diverser Staaten jahrhundertelang zur Genüge. Schmuggel lässt sich also hervorragend mit dem Glauben und der Rechtschaffenheit vereinbaren. In einem heute moralinsauren Deutschland wäre so etwas kaum noch möglich. Man schreibt darüber dann halt nicht öffentlich in den sozialen Medien - dass der Schmuggel aber nach wie vor existiert, zeigt nur, dass sich seit damals nichts wesentlich geändert hat: wenn ein Staat seine Bürger drangsaliert, finden sie immer alternative Mittel und Wege.

Okay, das klingt für "nicht informierte Kreise" doch arg kryptisch. Das Leben ist also heute schon so sehr eingeschnürt, dass ich nicht mal mehr offen über im Grunde Selbstverständlichkeiten schreiben kann. Mal abgesehen davon würde ich Stein und Bein verwetten, dass hier auf dem Land locker drei Viertel aller Diesel-Motoren der Bauern und Gärtner mit alternativen Brennstoffen betrieben werden, weshalb auch alte Diesel auf dem Gebrauchtwagenmarkt derzeit stolze Preise erzielen. Am Scherz von Uwe Steimle im gestrigen Video (das mit dem Dieselzusatz "AdBlue") zeigt sich eine ganze Menge Wahrheit, viel mehr als auf dem ersten Blick zu erkennen sein mag.

Selbstverständlich gilt das auch für gefälschte Impfausweise, denn wer die Bürger so weit in die Ecke treibt, darf sich nicht wundern, wenn Viele kreative Umwege gehen. Was bildet sich ein Staat überhaupt ein, bis ins Persönlichste und Private seiner Bürger zu bestimmen? Ein Staat hat das Leben seiner Bürger zu verwalten, zu organisieren, indem er Regeln und Gesetze einführt, die Gleichheit schaffen und den Austausch fördern, die das Treiben in geregelte Bahnen lenkt - nicht aber das Treiben, also das Leben, seiner Bürger vorschreibt. Ein Staat ist zuallererst ein Service der Bürger verwaltungstechnischer Natur und eben keine Obrigkeit einer wie auch immer gearteten Sklaverei. Das Leben erwachsener Bürger ist kein Kindergarten, für den es Nannys bedarf. Und Moral hat im Staat schon gar nichts verloren, sie ist einzig den Bürgern überlassen. Das wird heute leider nicht mehr so gesehen, viele Leute wollen lieber brave Kinder sein und sehnen sich nach Belobigung und dem Tätscheln des Kopfes durch den Vater oder die Mutter Staat. Sie machen sich also freiwillig klein. Wie erbärmlich eigentlich.

Einen selbstbestimmten angenehmen Dienstag wünsche ich dir.

Montag, 22. November 2021

"Wir sind keine Nation, die sich selber lieb hat"

Das Interview des Tages. Boris Reitschuster interviewt Uwe Steimle. Herrliche Zitate folgen in der leider viel zu kurzen halben Stunde. Etwa

"Die größte Gefahr der Moderne geht nicht von der Anziehungskraft nationalistischer und rassistischer Ideologien aus, sondern dem Verlust der Wirklichkeit. Wenn der Widerstand durch Wirklichkeit fehlt, dann ist prinzipiell alles möglich." (Hannah Arendt)

"Die Geschützten müssen vor den Ungeschützten geschützt werden, indem man die Ungeschützten zwingt, sich mit dem Schutz zu schützen, der die Geschützten nicht schützt." (Unbekannter Kommentator)

"Der Mangel an Ruhe treibt uns in die nächste Barbarei.*" Friedrich Nietzsche 

Bitteschön, mehr davon in "Zurück zum Diskurs", wahr und unterhaltsam zugleich:


* Im Original aus "Die moderne Unruhe": "Nach dem Westen zu wird die moderne Bewegtheit immer größer, so daß den Amerikanern die Bewohner Europas insgesamt sich als ruheliebende und genießende Wesen darstellen, während diese doch selbst wie Bienen und Wespen durcheinanderfliegen. Diese Bewegtheit wird so groß, daß die höhere Kultur ihre Früchte nicht mehr zeitigen kann; es ist, als ob die Jahreszeiten zu rasch aufeinanderfolgten. Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muß, das beschauliche Element in großem Maße zu verstärken. Doch hat schon jeder einzelne, welcher in Herz und Kopf ruhig und stetig ist, das Recht zu glauben, daß er nicht nur ein gutes Temperament, sondern eine allgemein nützliche Tugend besitze und durch die Bewahrung dieser Tugend sogar eine höhere Aufgabe erfülle."

Eigentherapie

Ein Tag ist verschütt gegangen. Wie kannꞌs? Es kündigte sich schon in der vergangenen Woche an: mal wieder Schlafprobleme. Eine Woche konnte ich kaum schlafen. Die Müdigkeit verflog augenblicklich, sobald mein Luxuskörper sich in die Waagerechte des Bettchens begab. Während der Arbeit waren kurze 10-minütige Powernappings kein Problem und sorgten im Anschluss jeweils für stundenlange Munterkeit. Zu Hause dasselbe auf dem Drehsessel. Also legte ich selber an den Schlaf-Wach-Rhythmus Hand an und machte vorgestern bewusst durch, was knapp 72 Stunden Wachsein bis auf kurze, nicht kontrollierbare Powernappingsphasen bedeutete, ohne Internet wohlgemerkt, die dann zur körperlichen Übermüdung über die biologischen Grenzen des Machbaren hinaus führte. In diesem Fall kann das Gehirn noch so aktiv sein und sich sämtlichen Schlaf im Bett verweigern wollen, als Teil des Körpers schließt es sich spätestens dann dem körpereigenen Notfallprotokoll einer beginnenden Bewusstlosigkeit an. Resultat: echte 14 Stunden durchgehend und traumloser Schlaf im Bett. Da kommst du dir beim Erwachen tatsächlich vor wie beim Ausstieg aus einer Zeitmaschine. Der Blick aus dem Fenster nutzt als Orientierungshilfe zu dieser winterlichen Jahreszeit nichts (so muss es wohl den Nordländern ergehen), genauso wenig der Blick auf die analogen Ziffernblätter der Uhren. Die Antwort auf die Frage, welcher Tag ist heute?, kann definitiv nicht klar gegeben werden. Sie muss recherchiert werden *lach*.

Nun denn, gleich werde ich erst mal in Ruhe frühstücken, endlich an einem "echten Morgen". Des weiteren bin ich jetzt putzmunter und fühle ich mich so enorm überschätzt bärenstark, dass ich mir für nach dem Frühstück ein gigantisches Putz- und Reinigungsprogramm für die Wohnung freiwillig vorgenommen habe (wobei das Gehirn bereits kräftig in geöffneten Hintergrundprozessen nach Alternativereignissen sucht).

Zwei Tage sind spurlos an mir vorbeigegangen, ich habe momentan noch keine Ahnung, ob und wenn was in der Welt geschehen sein mag. Nun, die Erde dreht sich mit oder ohne dich wie eh und je. Früher wusste man ohne derartige Reisen in der Zeitmaschine auch nicht, welche "wichtigen Personen" gerade was geäußert hatten (Twitter & Co. gabꞌs ja noch nicht). Und ob in China der sprichwörtliche Sack Reis umgefallen war, erfuhr man sowieso erst mit ein paar Tagen Verzögerung. Insofern ist die "Heilung" einer (ich weiß nicht, als was ich es bezeichnen soll und nenne es daher grob) "nervösen Unruhe" durch gewissermaßen einen Ausritt aus der Realität eigentlich eher ein Back to the Roots als irgendetwas anderes, für das korrupte Ärzte garantiert irgendwelche chemischen Pillen auf Lager hätten. Es handelt sich quasi um eine Selbstheilung - allerdings, und das erwähne ich ausdrücklich: dafür muss man auch die äußeren Umstände besitzen, ich meine, in einem Haushalt, in dem mehrere Personen leben oder in einer Wohnung, in der das Tagesgeschehen von draußen akustisch zu einem vordringt, oder in einem Beruf, in dem man 24/7 eingebunden ist oder in einer Timeline, in der etliche anstehende Termine mahnen, lässt sich so ohne weiteres natürlich nicht derart vorgehen. Selbst ein Urlaub wäre zu schade, einfach so zwei Tage auszuschneiden. Also die Bedingungen bzw. Möglichkeiten muss man sich schon individuell schaffen, ansonsten gehtꞌs einfach so lange weiter mit der nervösen Unruhe, biss dass echte körperliche oder seelische Schäden entstehen.

Wie dem auch sei, nun bin ich wieder da in der realen Welt. Einen guten Morgen wünsche ich dir.