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Mittwoch, 5. Oktober 2022

Das unentdeckte Land

Jemand, der noch klar bei Verstand ist, wetteifert nicht mit anderen im Öl-Nachgießen der Kriegstreiberei, sondern macht Vorschläge für den Frieden. Elon Musk ist so jemand. Er nennt 4 Kernpunkte:

- "Eine Wiederholung der Referenden unter UN-Überwachung. Russland zieht sich zurück, wenn das der Wunsch der Bevölkerung ist.
- Die Krim ist formell Teil von Russland, wie sie es seit 1783 war (bis zu Chruschtschows Fehler).
- Die Wasserversorgung der Krim bleibt gesichert.
- Die Ukraine bleibt neutral."

So einfach wäre das, so leicht wäre der Frieden. Aber was bei Twitter und in den Mainstreammedien zu diesen Vorschlägen "gehitstormt" wurde und wird, ist schon bemerkenswert. Mich, der ich immer noch an eine positive Schwarmintelligenz des Pragmatismus glauben will, überkommen bei der massenhaften Ablehnung der Friedensideen von Elon Musk zum wiederholten Male Zweifel, ob nicht eine Mehrheit Roboter hinter den ablehnenden Aussagen in den sozialen Netzwerken steckt. Und ein alter Star-Trek-Spielfilm kommt mir angesichts des Krieges, der vielen Fake-News auf beiden Seiten und der ungeheuren Kriegshetze auch in den Sinn: Erinnerst du dich noch an "Star Trek VI - Das unentdeckte Land"? Der Film ist eine Schablone der Kriegstreiberei, der Verschwörer auf beiden Seiten und der Ablehnung des Friedens aus Prinzip. Sieht man den Film unter den gegenwärtigen Gesichtspunkten, insbesondere der Reaktionen auf jede noch so kleine Friedensinitiative, wirkt er schon beinahe prophetisch. Wie wir alle wissen, geht die erzählte Geschichte nach der Enttarnung der Verschwörer gut aus. Vielleicht ist Elon Musk ja ein James T. Kirk der Gegenwart.

Dienstag, 4. Oktober 2022

Hinter Glas

Das ist ein Oldie, ein altersschwacher (13 Jahre alt) roter Maine-Coon-Kater, der bei meiner Nichte (gelernte Tierpflegerin) sein Gnadenbrot erhält. Deshalb soll er auch nicht ohne Aufsicht mit dem Beagle alleine sein. Der Kater ist freundlich und sanftmütig wie ein Lamm, mit allen Haustieren super verträglich, doch Hektik wird ihm sichtlich und schnell zu viel, weshalb er sich dann gerne zurückzieht. Er ist in etwa so groß wie der schreckliche Beagle, gigantisch für eine Katze, und besitzt, was auf den Bildern leider nicht gut zu erkennen ist, eine prächtige Löwenmähne. Wie du siehst und wie ich sah, ist er dennoch die Neugierde in Person. Als ich am heutigen zweiten Tag des Hundesittings übermüdet draußen in der Sonne saß (ich berichtete fast live vor Ort), beobachtete er das Geschehen lange Zeit lang durchs Glas der Eingangstür. Muss ich erwähnen, dass der Monster-Beagle ihn fast durchgehend ankläffte?

Wie immer: klick aufs Bild für eine Großansicht.

Montag, 3. Oktober 2022

Bo und Meika

Einen Größenvergleich lass ich mal, Meika kann bequem unter die stehende Bo spazieren gehen. Im Einzelportrait aber genießen sie optisch dieselbe Aufmerksamkeit. Wobei eine Aufnahme mit beiden gemeinsam eher eine Geduldsprobe wäre, die ich momentan nicht habe, da ich nur zwei Stunden schlafen konnte. Bo, die große, ist pflegeleicht und sowieso toll, der verrückte Beagle allerdings sitzt stundenlang heulend in der Diele - mit zunehmender Quengelintensität von einem beginnenden flehentlichen Gejammer über überwiegend forderndem Gejaule bis hin zu unmissverständlichen Schimpftiraden. Der Rest ihrer Besuchszeit ist sie mit der Suche nach Fressbarem beschäftigt. Ein Beagle ist ja nett für Kinder, doch die Bezeichnung "Hund" finde ich irreführend: hysterischer Such- und Aufspürroboter, dem alles rundherum egal ist, das trifftꞌs schon besser. Tschuldigung an alle Beagle-Liebhaber :-)

Außerdem stinkt die ganze Wohnung momentan nach Pansen. Ekelhaft.

Inneres Ich: "Nicht ekelhaft, den vierbeinigen Gesellen läuft das Wasser im Mund zusammen. Dem gilt dann auch die akustische Zupforgie auf den Saiten der sensiblen Harfe deines Nervenkostüms. Selber Schuld, würde ich da mal sagen."

Jaja, so ist es wohl, so magꞌs wohl sein ...

Sonntag, 2. Oktober 2022

Hunde, Kerze und ein Stützdorn

Ab Montag werde ich ein paar Tage wieder Bo hüten, den Mix aus einem großen Berner Sennenhund und irgendetwas ebenso riesiges anderes. Sie sieht mit dem nachgewachsenen Fell jetzt wieder megatoll aus, ich zeige dir bestimmt ein Foto. Zu ihr wird sich dieses Mal ein uralter, treuloser und um so verfressener Beagle gesellen, der sogar lautmalerisch spricht, wenn man mit ihm redet. Noch weiß ich nicht, wie das mit meinem nötigen Schlaf am Tage zusammenpasst, da ich Sonntag und Montag noch arbeiten muss, bevor drei Nächte frei sein werden. Wahrscheinlich komme ich vor etlichen Schlafversuchen und vor lauter Hundebespaßung nicht zum Tagebuchschreiben. Wenn ich mich also erst am Dienstag melde, weißt du heute schon, warum ich Montag schweige.

Sonst nix Neues aus der kerzenbeheizten Feinstaubhöhle. Doch, ich muss meine gestrige Negativ-Aussage über die Brenndauer der neuen Kerzen (Durchmesser 60 mm) für die Blech-Laterne berichtigen, denn zuerst sah es nicht danach aus, doch diese Kerze auf dem Foto brennt tatsächlich schon über 30 Stunden (zwar mit Unterbrechungen, wenn ich nicht zu Hause bin oder schlafe, doch zusammengerechnet). Du magst bei ihrem Anblick sicher denken, ich dachte es jedenfalls, dass dieser kleine Rest sicher gleich am Ende ist - weit gefehlt, denn so brennt sie seit etlichen Stunden. Man sieht schon den Dorn, doch die Flamme bleibt gleich groß und hell und warm. Wahrscheinlich liegt es aber nur an einem Zufall, denn der Docht ist bereits umgeknickt und wäre mit einem spitzen Dorn längst im flüssigen Wachs versunken, doch ausgerechnet in seiner Fallrichtung liegt er nun gestützt auf der Schraube. Lustig, was?

Samstag, 1. Oktober 2022

Teelichtbecher aus Glas

Meine neueste Errungenschaft :-) Vorteile dieser Teelicht-Becher aus Glas: 1. Umweltschutz. Sie sind wiederverwendbar. Kein unnötiges Blech und schon gar kein Plastikverbrauch. 2. man kann in Riesenverpackungen jene Teelichte kaufen, die nackig deutlich billiger sind. 3. Falls gewünscht, so sind Teelichte im Glasbecher durch die Lichtdurchlässigkeit natürlich deutlich heller. Es gibt aber auch wunderschöne Edelstahlbecher mit farblicher Beschichtung (sie sind schon unterwegs aus China), die dann mit fantastischen Farbreflexionen leuchten. Darauf bin ich ja mächtig gespannt; es dauert aber noch etwas.

Kurzes Zwischenergebnis kerzentechnischer Natur

a) Das Superangebot von 260 Duftkerzen für 30 Euro hat sich als absoluter Fehlkauf herausgestellt. Erstens duften sie kaum (nur im unbenutzten Zustand, dann aber riechen alle unterschiedlichen Düfte gleich) und zweitens brennt jede zweite Kerze nur zu einem Drittel ab, danach ist meist der Docht weggebrannt oder im flüssigen Wachs untergetaucht. Die, die funktionieren, sind nach zwei Stunden abgebrannt, und das, obwohl sie doppelt so hoch wie Teelichte sind.

b) Für die Stumpenkerze (Durchmesser 70 mm) in der Laterne musste ich andere kaufen, denn es wird in der Laterne zu warm, so dass die erste Kerze schmolz und statt den versprochenen 36 Stunden nach 12 Stunden und einer Menge Restwachs in der Laterne aufgebrannt war. Sie brennen nur freistehend gut. Die neuen minimal dünneren Stumpenkerzen (Durchmesser 60 mm) versprechen auch 36 Stunden. Sie funktionieren zwar gut, nichts schmilzt mehr dahin, doch sie halten "nur" 24 Stunden plus X, was für mich dennoch zufriedenstellend ist (ich stehe nicht mit der Stoppuhr daneben, um übertriebene Werbeversprechen zu entlarven, das fehlte auch noch *lach).

c) Momentan ist die Gas- und die Stromheizung komplett aus, trotzdem sind es bei 3 dicken brennenden Kerzen und 4 Teelichten muckelige 24 bis 25 Grad inner Hütte. Die Außentemperatur liegt bei 10 Grad, in der unbeheizten Diele waren es gerade eben 18 Grad, Tendenz fallend (ich habe auch ein paar auf Holz montierte Thermometer gekauft). Okay, in meiner Höhle müsste ich noch die Wärme der Monitore und Rechner abziehen. Wie viel das ausmacht, weiß ich aber nicht. Jedenfalls funktionieren für die Zwischen-Jahreszeit die Kerzen (in meinem speziellen -Fall) hervorragend als Heizungsersatz. Erst mal teste ich das ja nur, denn durchgehend für den ganzen Herbst und das Frühjahr wären Kerzen dann doch um einiges teurer als Strom - aber immerhin, als Notheizung sind sie also ein halbes Jahr lang prima geeignet. Was allerdings bei den 3 Wintermonaten mit Minus 10 Grad Außentemperatur der Fall sein wird, das muss sich noch erweisen. Mein Ziel ist ja eine Kombination aus den richtigen, den geeignetsten Kerzen und (weniger) Strom. Sieht bis jetzt gut aus, würde ich sagen.

Freitag, 30. September 2022

Serientipp: "Die Kaiserin"

"Die Kaiserin", Sisi reloaded sozusagen, eine deutsche Netflix-Serie in sechs Teilen, kann man die gucken? Naja, sagen wir mal so: für jemanden wie mich, der solche historischen Kostümfilme mag, ist sie absolut nicht die schlechteste Unterhaltung, wenngleich sie sich hinter den moderneren, frischeren Serien dieses Genres, als da wären "Becomming Elizabeth" und "The Serpent Queen" eindeutig mit Rang drei zufrieden geben muss. Leichte Kost zum abendlichen Einnicken.

In wenigen Tagen startet aber endlich die heißersehnte 5. Staffel von "The Crown". Sie spielt natürlich in einer völlig anderen Liga und ist die reinste Freude. Bemessen daran, sind alle drei Serien dann doch eher flüchtige Skizzen.

Kurze Erklärung (ich rechtfertige mich wieder mal)

Eine kurze Rechtfertigung, danach ist aber Schluss mit diesem Thema.

Gestern erwähnte ich, dass meines Erachtens die USA gegen Russland im Stellvertreterkrieg in der Ukraine als Sieger hervorgehen wird. Mangels generell existierender magischer Glaskugeln sollte eigentlich klar sein, dass dies nur meine laienhafte Einschätzung ist. Und ich meine hier sowieso Jahre. Oft genug bewahrheitet sich aber auch die Regel "erstens kommt es anders und zweitens als man denkt". Wie genau die USA den Krieg gewinnen wird, ist ebenso fraglich, denn eine militärische Überlegenheit ist weder für die eine noch für die andere Seite gegenwärtig ersichtlich. Es wird aber mit ziemlicher Sicherheit zu keinem zweiten Kalten Krieg kommen. Kein Eiserner Vorhand wird erneut zugezogen werden, denn mit dem des 20. Jahrhunderts waren schon alle Beteiligten eher unzufrieden gewesen. Geschichte wiederholt sich nicht eins zu eins, sondern, wie Boris Reitschuster zu sagen pflegt, sie reimt sich. Wovor aus vielerlei Gründen Gestern noch die Militärs aus Angst oder Verantwortungsgefühl zurückgeschreckt hatten, das muss sich mit anderen Menschen in einer technisch ungeheuer weiter entwickelten Zeit nicht zwangsläufig gleich abspielen. Auch im Kalten Krieg standen mehrmals die Optionen für einen 3. Weltkrieg Spitz auf Knopf. Anders als damals glauben heutige Militärs, einen begrenzten Atomkrieg ausfechten zu können - und ich denke, bei allem Elend, den er hervorbringen würde, haben sie sogar recht. Die USA liegen weit genug von Europa entfernt, dieses Risiko einzugehen. Wir in Deutschland hätten dann natürlich die Arschkarte gezogen, das ist klar. Doch die Welt dreht sich schon lange nicht mehr um Deutschland.

Es geht mir auch nicht darum, wer "Recht hat", wer moralisch besser dasteht oder auf wessen Seite man sich am Besten schlagen sollte. Europa und die EU werden so oder so zu den Verlierern dieser Neuordnung der Welt gehören und sich fortan als verlängerter Arm der USA zufrieden geben müssen. Auch dies schreibe ich ohne jede Wertung. Was man wünscht und was man partout nicht haben möchte, das sind und bleiben immer noch zwei verschiedene Paar Schuhe.

Donnerstag, 29. September 2022

Pipeline-Sprengung - mein Senf dazu (wozu hat man denn ein Weblog)

Wir werden wirklich für dumm verkauft. Die Springer-Presse reitet fahnenschwenkend voran und brüllt: Der Russe warꞌs. Wie entlarvend, denn bekanntlich wurde erst jüngst das Netzwerkdurchsetzungsgesetz verabschiedet, das eine Handhabe gegen irre Verschwörungstheorien ermöglichen soll. Wie wir sehen, kommt es halt darauf an, wer was schwurbelt. Bei den einen istꞌs verboten, es könnte ja die Wahrheit ans Licht kommen, bei den anderen istꞌs erlaubt, denn sonst könnte ja die Wahrheit ans Licht kommen.

Also für Dummies: Die Ostsee ist das wohl am besten überwachte Seegebiet Europas. Jeder Quadratzentimeter wird 24/7 überwacht. Die einzigen, die dort zur fraglichen Zeit gesehen wurden, waren amerikanische Schiffe. Auch U-Boote werden überwacht. Wäre auch nur entfernt ein russisches U-Boot gesichtet worden, hätte es Alarmstufe Rot der NATO gegeben. Überdies ist die Annahme absurd, dass Putin sein einziges Druckmittel gegen Europa und Deutschland ohne Not selber zerstört.

Cui bono, wem nützt die Sprengung der Pipelines? Zuallererst galt zu verhindern, dass Putin im Falle eines strengen Winters den Europäern zur Hilfe eilt. Das würde dem Stellvertreterkrieg USA/NATO versus Russland mit einem Ruck den Boden unter den Füßen wegziehen. Zum anderen, das ist hinlänglich bekannt, weshalb ich nicht viel dazu schreiben brauche, hat Präsident Biden mehrfach betont, dass Nordstream 2 niemals ans Netz gehen werde. Dafür werde gesorgt. Hat ja wunderbar geklappt. Besäßen wir eine funktionierende Regierung, wären wir dem Spezialkommando Sprengung längst auf der Spur. Wundern würde mich also nicht, wenn von der lückenlosen Überwachung einige kleine aber feine Daten verschwänden bzw. jene Beobachtungen, die nur dem Militär zugänglich sind, unter Verschluss gehalten werden.

ABER: anders als bei einem versehentlichen Abschuss einer Passagiermaschine, für den gerade einmal eine 4-Mann-Besatzung einer mobilen Abschußrampe verantwortlich wäre, sind für die Pipelinesprengung viel mehr Menschen notwendig und folglich eingebunden. Mindestens 2 Teams von vielleicht je 6 Mann, ein Schiff samt Besatzung, etliche Leute der Planung und noch mehr, die beim wahrscheinlich monatelangen Training mithalfen. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis dass jemand stolz von seinen Heldentaten erzählen wird. Ab einer bestimmten Anzahl Mitwisser, lässt sich nichts dauerhaft geheimhalten, das ist eine uralte Binsenweisheit, und ich bin daher sicher, dass in einem Jahr auch ohne aktive staatliche Aufklärung die ersten Schilderungen der Beteiligten zu lesen sein werden. Das alles wird ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Früher oder später.

Seit 20 Jahren schreibe ich hier im Tagebuch, dass die NATO uns in einen 3. Weltkrieg mit hineinziehen wird. Alles, was heute geschieht, ist keine Überraschung. Es gehört zum Streben der USA, alleinige Führungsmacht auf dem Planeten zu werden. Zuerst wird sich Russland gewidmet, danach China. Ich gehe davon aus, dass die USA ganz am Ende als Sieger gegen Russland hervorgehen wird. Wahrscheinlich wird Russland zersplittert, also die Teilrepubliken erneut vom Kernland abgetrennt werden, Putin gestürzt und das Militär geschwächt werden. Danach biegen wir gemeinsam mit der NATO auf den Zubringer zum 3. Weltkrieg ab. Wie der ausgehen wird, weiß keiner. Sollte Bill Gates mit seiner Warnung vor einem Bürgerkrieg in den USA richtig liegen, wäre das sogar ein Brandbeschleuniger, denn das beste Mittel, die Bevölkerung zu vereinen, ist der Zusammenhalt aufgrund einer Bedrohung von außen. Also der Vater allen Tuns, der große Krieg.
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Kurze Rechtfertigung als Nachtrag.

Kurzkritik zu "Blonde"

Oje, liegt es daran, dass bevor "Blonde" veröffentlicht wurde, bereits jeder etwas über den Film sagen wollte - wie ich ja auch - und dass ihm dadurch schon über Gebühr Aufmerksamkeit zuteil wurde? Oder liegt es an der Magie, die Marilyn Monroe bis in die Gegenwart umgibt? Oder ist es schlichtweg perfekt gestreute Publicity, dass man automatisch glaubt, mit diesem Film etwas Außergewöhnliches zu sehen?

Zuerst einmal ein bisschen Selbstkritik: scheinbar bin ich zu doof, denn ich habe nicht verstanden, was immer wieder der Wechsel ins 4-zu-3-Format eigentlich bezwecken soll. Genauso wenig begreife ich den Wechsel von Schwarz-Weiß und Farbe. Beides empfinde ich als störend. Wahrscheinlich liegt aber irgendein "Anspruch" dem zugrunde, der mir somit leider verborgen bleibt.

Doch jetzt kurz zum Film. Sein Titel "Blonde" ist irreführend. Er hätte viel besser "Tränen" heißen sollen. Zumindest sind sie es, die 90 Prozent des Films ausmachen: Flennen vom Anfang bis zum Ende. Sollte jemand nicht wissen, was Weinen ist, ein Außerirdischer zum Beispiel, der sich gerade auf Besuch bei uns auf der Erde befindet, dann kannst du ihm diesen Film vorspielen, in dem die Heulerei geradezu enthusiastisch und beispielhaft in allen Lebenslagen vorgeführt wird. Die Schauspielerin Ana de Armas, die nebenbei erwähnt kaum Ähnlichkeit mit Norma-Jeane Mortenson hat aber wie jede zweite Frau natürlich mit Perücke und dickem Lippenstift an Marilyn Monroe erinnert, spielt ihre Rolle gut - aber wirkt, was allerdings der Regie geschuldet ist, durchweg albern und überzeichnet. Gewalt, viel nackte Haut und eine Menge Tränen, das ist das Rezept, um bei Kritikern gut anzukommen. Das war früher so, und es ist anscheinend heute immer noch der Fall. Allein die negative Emotion ist (für mich) aber noch lange kein Schauspiel. Sie ist eine Facette, das muss man können, doch kein Mensch besteht ausschließlich daraus - mehr geschieht allerdings nicht im Film. Für die durchweg schlechte deutsche Synchronisation (ich konnte die Synchronstimme in ihrem akustischen Laientheater kaum ertragen) kann der Film nichts, das ist klar, doch sie tut ihr Übriges, vorzeitig den Kinosessel zu verlassen, um draußen eine Zigarette zu rauchen - wäre ich ein Raucher, würde ich das tun, ich rauche aber nicht, also tippe ich diese kurze Rezension in die Tastatur, die trotz ihres schlimmen negativen Charakters wohltuend entspannend für mich ist, da sie mich pausenmäßig vom Weitergucken abhält, das nämlich enorme Überwindung kostet.

Also was ist der Film nun? Er hat etwas von einer Collage, möchte intellektuell der Kunst- und Kulturszene der 50er und 60er Jahre gerecht werden und doch empfand ich ihn nur als eine neuerliche verquaste Männerfantasie. Für so viel musste seit Jahrzehnten die Kunstfigur Marilyn Monroe herhalten, es hört einfach nicht auf. Als Küchenpsychologe würde ich den Regisseur, der auch das Drehbuch schrieb, schleunigst in eine Heilanstalt einweisen.

"Blonde" wird Preise einheimsen, davon gehe ich aus, doch beim Publikum wird der Film floppen. Gar nicht mal wegen des Inhalts, sondern in erster Linie, da er eines der typischen Kunstprojekte darstellt, über die man in Galerien und Museen andächtig zu staunen vorgibt aber im Inneren doch nur denkt: Welch ein Schrott.

Blondes

Guten Abend, es ist zwanzig nach sechs. Gegen neun Uhr weiß ich mehr.

Inneres Ich: "Was? Wovon sprichst du?"

Interessant, der biografische aber dennoch fiktionale Film "Blonde" spaltet auf "Rotten Tomatoes" die Kritiker: zur Zeit mag ihn exakt die eine Hälfte, während die andere Hälfte ihn ablehnend bewertet. Gleich ist mein Abendessen fertig, danach schaue ich mir den Film selber an. Ich bin ehrlich gespannt und gehe den Film neutral an, denn ich kann einerseits verstehen, dass Monroe-Fans diese überwiegend negativ erzählte Biografie hassen, andererseits verstehe ich das Publikum vor allen Dingen im aktuellen Zeitgeist, das Vergnügen daran empfindet, wenn alles Vergangene zerrissen und von den Sockeln gestoßen wird. Doch was rede ich, was schreibe ich schon vorher? Die nächsten drei Stunden sind Kino angesagt. Nur einschlafen darf ich nicht, denn man darf wütend sein, stinksauer sich empören, man darf gelangweilt sein, oder man kann euphorisch werden, glücklich oder traurig sich am fiktionalen Schicksal der Hauptdarstellerin ergötzen, doch bei einem Film einschlafen, das wäre quasi die schlimmste vorstellbare Kritik schlechthin. Schaun wir mal, gegen neun oder zehn Uhr melde ich mich noch mal kurz.