Dienstag, 23. Oktober 2018

Ka und Rapunzel

Ich warne dich vor, es wird nun ein wenig konfus, surreal und verrückt. Nicht schön aber schön irre, also weißte Bescheid.

Die letzte Nacht war die kälteste seit dem Frühjahr. 3 bis 4 Grad, sternenklar und windstill. Gegen 3 Uhr saß ich auf der geliebten Bank unterm Baum bei einer leckeren Tasse heißen Kaffee. Wegen des vollen Mondes konnte ich in den Sträuchern und Büschen die Konturen der Äste gut erkennen, weniger ihre Farben, dazu war es zu dunkel, so doch all die Grauschattierungen. Deshalb nahm ich auch den niedrigen Schatten sofort wahr, der von hinten um den Baum schlich. Die eigene Neugier, um welches Wesen der Nacht es sich wohl dabei handeln mochte, ließ mich ganz ruhig bleiben und keine hektische Bewegung machen. Der Schatten schlich langsam hinter den Büschen auf mich zu.

"Hallo Georg", erklang eine Stimme aus den dornigen Gestrüpp, "erschrick dich nicht. Mein Name lautet Ka." Nun war ich aber doch ein wenig beunruhigt. "Was? Kaa? Die Schlange aus dem Dschungelbuch?"

Der Schatten bewegte sich weiter und aus dem Busch drang eine Gestalt zu mir. Klein wie eine Katze, was mich sehr beruhigte. Ein Dunkel hob sich deutlich vom anthrazitfarbenen Hintergrund ab, das Tier schien schwarz zu sein. Es stellte sich genau vor mich, dann setzte es sich und wandte seinen Kopf zu mir. Dunkelgrüne Augen schimmerten im Mondschein.

"Sehe ich etwa aus wie eine Schlange?", belehrte mich das schwarze Tier. Der Tonfall dabei gefiel mir ganz und gar nicht, wie soll ich sagen, selbst während meiner abflauenden Überraschung glaubte ich ihn als oberlehrerhaft wahrzunehmen. So etwas gefällt mir grundsätzlich nicht und Trotz breitete sich in mir aus.

"Achso, Ka wie das Auto also. Wie der Ford Ka, die lustige Knutschkugel?" Ich lachte dabei ziemlich gehässig, das will ich zugeben.

"Du siehst selber, dass ich eine Katze bin. Schön und schwarz wie die Nacht." Sie wandte langsam den Kopf von mir ab, hob ihn ein wenig und schaute seitlich an mir vorbei. Grade so, als sei ich nicht vorhanden, ein gespieltes Desinteresse.

"Ist ja schon gut", begann ich, "es sollte nur ein Scherz sein. Entschuldigung. Also einfach nur Ka. Hallo Ka, was führt dich zu mir?"

Ka schwieg. Ich wusste nicht, ob in beleidigender oder provozierender Absicht.

"Bist du eigentlich eine Katze oder ein Kater? Ich meine, was ist der Name Ka? Männlich oder weiblich?" Über irgendetwas wollte ich halt reden. Ka drehte sich wieder zu mir: "Na, soll ich mich jetzt auf dem Rücken vor dich hin und her rollen und dabei deine gierig forschenden Blicke ertragen, dir meine Intimsphäre offenbaren? Hallo? Das ist sexistisch im höchsten Maße!"

Mir war augenblicklich klar, es war eine Katze, denn so sprechen keine männlichen Wesen, gleich welcher Kreatur.

"Gut, Ka, alles ist gut," begann ich ruhig. Mit bemühter Freundlichkeit in meiner Stimme fragte ich erneut: "Was führt dich zu mir, liebe Ka?"

"Nun, da du nicht weißt, wer ich bin, möchte ich es dir erzählen. Vielleicht verstehst du dann den Grund meines Kommens."

"Fang an!", munterte ich Ka auf und nahm einen großen Schluck aus der Tasse. Es war so kalt in der Nacht unterm Baum, dass der Kaffee nur noch laue Wärme spendete und das, obwohl ich ihn gerade mal vor wenigen Minuten erst eingegossen hatte. Ich lehnte mich auf meiner Bank zurück und genoss einen langen Zug aus meiner E-Pfeife.

"Du weißt sicher, dass Katzen sehr gut schleichen können, nicht wahr", fragte Ka. "Natürlich", blies ich die Antwort begleitet von einem Schwall wohlduftenden Früchte-Dampf meinem Gegenüber entgegen. "Das können die Katzen, frag doch mal die Maus."

"Lustig, Georg", konterte Ka in einem süffisanten Tonfall. "Ich überhöre deinen Sarkasmus. In meiner Eigenschaft als stets unsichtbare Figur der Nacht erfülle ich wichtige Aufträge meiner Gebieterin..." "Welcher Gebieterin?", unterbrach ich die Katze. "Möchtest duꞌs nun wissen oder nicht? Fall ja, unterbrich mich bitte nicht", antwortete Ka barsch. "Ja, erzähl weiter", lenkte ich ein. Es hat keinen Sinn, mit Katzen über so etwas nachts um 3 Uhr zu diskutieren, das war mir dann auch klar. "Aber bitte, fasse dich kurz, ich muss nämlich gleich meinen nächsten Kontrollgang erledigen", fügte ich hinzu.

"Immer diese Eile! Sogar des Nachts". Ka schüttelte leicht ihren Kopf und ich zuckte mit den Schultern, "ist eben so, Punkt."

"Nun gut", fuhr sie fort, "ich lebe seit vielen Hundert Jahren... Georg, lass deinen spöttischen Gesichtsausdruck bleiben". Schon bemühte ich mich wieder um etwas gespielte Ernsthaftigkeit. "Gut," setzte Ka erneut zur Erklärung an, "da du mir nicht glauben möchtest, versuche ich es anders. Du kennst doch sicher das Märchen von Rapunzel, oder?" "Rapunzel, lass dein Haar herunter", grinste ich in einem abermaligen Schwall Früchte-Dampf.

"Genau, du weißt aber sicher auch, dass Märchen eine vergangene Realität kindgerecht aufbereiten. Rapunzel lebte nicht in einem Schloss, sondern in einem frühmittelalterlichen Bordell." Ich prustete laut lachend, was mich sogleich husten ließ, denn ein weiterer Zug Früchte-Dampf befand sich gerade auf dem Weg aus meiner Lunge hinaus als er von den Lachmuskeln auf seinem Weg kurz unterbrochen wurde. "Wie bitte?"

"Georg, deine Unterbrechungen sind schwer erträglich. Wenn es nach mir ginge, wäre ich schon längst weg. Mein Auftrag beinhaltet aber folgend auch die Nachricht, dass dein Nichtwissen und deine Zweifel für immer entschwinden können und du über die Wahrheit informiert wirst, die dir anschließend die Möglichkeit bietet, in Ewigkeit zu leben. Na, neugierig geworden? Willst du mir nun also zuhören oder nicht? Ich habe auch Besseres zu tun als um 3 Uhr nachts vor dir zu hocken und dich in der Kälte aufzuklären."

Was sollte ich dazu sagen?

"Gut, gut, sorry, ein Bordell also. Jaja, erzähle weiter." Ich grinste innerlich darüber, auf was für seltsame Kreaturen man doch um diese Uhrzeit treffen kann.

"Bei dem roten Haar, welches man gemeinhin als das der Rapunzel annimmt, also das sie für ihren Liebsten aus dem Fenster herabfallen ließ, handelte sich in Wahrheit um eine schmale aber langgezogene rote Fahne, ein Vorläufer gewissermaßen der bekannten roten Laterne. Die Gemeinsamkeit mit dem Märchen besteht lediglich darin, dass durch sie dem Prinzen sichtbar gemacht worden war, wo sich seine Angebetete befindet. Meine Aufgabe war es, ihm bis dort den Weg zu weisen aber vor allen Dingen, ihm vorher in vertraulichen Gesprächen von einem schmachtenden Rapunzel zu erzählen, so dass er sich überhaupt auf dem Weg zu ihr begab. In dieser Art und Weise habe ich Hunderte Prinzen zu Rapunzel gelenkt. Heute würde man manipuliert dazu sagen."

"Ja, aber warum?", unterbrach ich jetzt doch in voller Absicht die schwarze Katze.

"Die Zeit des Frühmittelalters war eine der Entbehrungen und Not, der Gewalt und der Brutalität. Schlimme klimatische Verwerfungen führten zu Missernten, und die wenigen Menschen, die in dieser Epoche Europa bevölkerten, litten schwer und starben früh. Die mittelalterliche Ständegesellschaft war noch nicht etabliert, es herrschte im Grunde überall wilde Anarchie und das Recht des Stärkeren. Die vereinzelten wohlhabenden Menschen jener Zeit waren die erfolgreichen Diebe und Mörder, die ihre Macht durch ihr Schwert und ihre skrupellose Brutalität erwarben. Erst später nannten sie sich Adel und benutzten das Christentum als Legitimation eines imaginären Willen Gottes, der ihnen unangefochtene Macht verlieh. So weit dürfte dir im Groben die Geschichte bekannt sein, oder?"

"Jahhh", gähnte ich, "höre mal, ich muss jetzt aber wirklich los. Dauert dein Vortrag noch arg lange? Ich meine, wer sitzt schon nachts in der Kälte und hört sich eine Katze als Frau Lehrerin an? Das ist nicht normal, Ka".

"Ich bin gleich fertig", beschwichtigte mich Ka. "Da kaum jemand zu jener Zeit also Geld zur Verfügung hatte, fristeten selbst die Prostituierten ein kümmerliches Dasein in derselben Not wie alle anderen auch. Rapunzel kam auf den Gedanken, sich an die seltenen wohlhabenden Menschen zu wenden und sie für sich zu interessieren. Sogar in der größten Not oder im Reichtum sehnen sich die Menschen nach Edelmut, Romantik und wahrhaftiger Liebe. Ich erhielt also den Auftrag nach den möglichst jungen unerfahrenen, ungebildeten, hormongesteuerten aber reichen Söhnen der wenigen Herrscher zu fahnden und sie zu Rapunzel zu locken. Dort angekommen, bezirzte Rapunzel die jungen Männer und verbrachte je ein Leben mit ihnen im angenehmen Wohlstand. Das lief über viele, viele Generationen reibungslos so ab. Bis eben heute."

"Wieso? Was ist heute denn anders?", fragte ich schon deutlich genervt, denn die Uhr mahnte mich zum Aufbruch.

"Rapunzel und ich, wir sind unsterblich aber altern im Geiste und im Herzen. Rapunzel ist schon lange klar geworden, dass eine solche Fortdauer ihres Seins schlimmer als die größe Not und Pein ist. Ich soll einen Menschen finden, mit dem sie ihre Unsterblichkeit teilen kann. Das ist möglich, doch alle bisherigen Bewerber erfüllten nicht die Voraussetzungen dafür und alterten ganz normal, bis dass sie starben."

"Was sind das denn für Voraussetzung? Und wieso sollte ich so etwas besitzen?". Die Frage stelle ich bereits während des Aufstehens und begann die Utensilien meiner Pause wieder in die Packtasche des Fahrrads zu sortieren.

"Es ist zum einen der lebenslange Glaube, ja, die Gewissheit über die einzig wahre und bedingungslose Liebe. Nicht die Sehnsucht, nicht die Hoffnung oder der Wunsch danach, sondern das zweifelsfreie Wissen um ihre Existenz. Zum anderen ist es die Bereitschaft, sich Rapunzel klag- und fraglos zu unterwerfen. Sie ist es, die in Verbindung mit der Gewissheit der Liebe unsterblich macht. Der leichteste Zweifel bereitet dem bereits ein Ende. Und deshalb frage ich dich, ob du hier und jetzt und für immer mich zu Rapunzel begleitest. Falls ja, dann lass uns gehen. Lass dein Rad stehen, lass alles hinter dir, wende dich nicht um, verabschiede dich nicht und frage nicht; das Potential ist vorhanden, sonst hätte ich dich nicht besucht, die Entscheidung liegt aber nur bei dir."

Potztausend! Mit so etwas hatte ich nicht gerechnet. "Ka, du bist verrückt! Du entsprichst einer Fantasie meines Halbschlafs. Zweifel, das ist mein zweiter Name. Du irrst dich in mir. Was du ꞌPotentialꞌ nennst, ist die Gewissheit, ist das Wissen um den Zweifel, nicht um die Liebe und nicht um Gehorsamkeit. Der bedingungslose und immerwährende Zweifel in allem und jedem, der stete Widerspruch, der Ungehorsam. Sie sind es, die unsterblich sind, nicht die Liebe, nicht die Unterwerfung."

Verwundert über meine eigenen Worte hielt ich inne, denn ein Gedanke entfachte wie ein Streichholz eine Flamme. Wenn Rapunzel, die Unsterbliche, ihr wunderschönes rotes Haar bis zu mir herunterließ, dann konnte etwas nicht stimmen; und wie das wärmende Feuer eines offenen Kamins, so loderte gleißend - und ziemlich kitschig gesprochen - das Licht der Erkenntnis: nicht die Unsterblichkeit der Liebe ist das Treibende im Sein, sondern der Zweifel an ihr, nicht der Gehorsam, sondern der unsterbliche Drang des Ungehorsams.

"Ka, warum müssen Unken und böse Boten immerzu in der Farbe Schwarz daherkommen und oft die Gestalt von Katzen annehmen, so wie du?" Ka buckelte aber antwortete nicht mehr, sie wandte sich geräuschlos ab und verschwand. Während der anschließenden Dienstfahrt zweifelte ich natürlich wieder, weniger an dem Geschehenen und an eine vertane Chance auf Unsterblichkeit, als vielmehr daran, ob es wohl jemals Rapunzel gelingen würde, ihr Martyrium der unsterblichen Liebessehnsucht und ihres Triebes nach bedingungsloser Unterwerfung zu entkommen.

:: ENDE ::

Hach, ich hatte dich eingangs ja gewarnt. Jetzt musste sehen, wie du damit heute klarkommst. Bis morgen, gehab dich wohl.

Montag, 22. Oktober 2018

Chaos-Montag

Meine beiden linken Hände zeigten sich prächtig vorhin. Es war wie bei Loriot. Du erinnerst dich? Als er das Bild gerade hängen wollte und am Ende das gesamte Zimmer verwüstet war. Daran entsinnt mich mein talentiertes Geschick, mit dem ich gerade eben erst abgeschlossen habe. Kurz nach der Arbeit daran denken, das Fernlicht der Zusatzbeleuchtung am Fahrrad endlich zu optimieren und die Lackschäden der superteuren aber schon recht alten LED-Lampe mit den reichlichen Resten meines Lacks, mit dem ich letztens die E-Dampfe restauriert hatte, auszubessern.

Der Schalter der Fahrradlampe schließt bündig mit dem Gehäuse ab. Darauf befinden sich lediglich drei kleine Orientierungspunkte für Blinde. Blinde brauchen aber kein Licht und fahren kein Rad. Blödsinnige Herstelleridee also. Es ist so ähnlich wie bei der Taste 5 an jedem Telefon. Mit dicken Handschuhen lässt sich der Schalter nicht finden und sowieso auch nicht schalten, da er viel zu klein ist. Also dachte ich, klebe mal schnell irgendetwas da drauf, so dass ein Widerstand durch die Handschuhe zu spüren ist. Bei der anderen Lampe, wie gesagt alt aber ein Lichtwunder sondergleichen, gab es nur ein paar Gebrauchsspuren, die im Grunde mit zwei, drei Pinselstrichen behoben gewesen wären.

Ich will die Geschehnisse der letzten halben Stunde gar nicht bis ins Kleinste beschreiben. Der Sekundenkleber war glitschig und unbrauchbar, vom alternativen Alleskleber nahm ich zu viel - die Fahrradlampe ist nun dermaßen verunstaltet, dass ich mich weigere, ein Foto davon hier zu zeigen. Nun gut, ein Misserfolg macht der guten Laune am Feierabend noch nichts aus, also die Dose schwarzen Lacks geöffnet. Die wollte aber nicht, der Deckel war zugeklebt. Georg geht sodann im Geiste fröhlich pfeifend etwas resoluter mit seinen Superkräften um, noch dazu unterstützt durch die Hebelwirkung eines Schraubendrehers - ja, du ahnst es, der abrutschte und mir die Dose mit aus der Hand riss. Alles versaut. Der Lack ist komplett verschüttet. Über Lampe, Tisch, Hose, Jacke und Boden. Durchs Abwischen verschwand er nicht wirklich, sondern verschmierte nur noch viel großflächiger. Schön überall verteilt. Schnell das Waschbenzin aus dem Schrank geholt und drauflos gewischt - toll, verheerende Idee, denn der Lack hätte dafür wohl zuerst trocknen sollen, sieht noch verbotener aus, alles ist hellgrau, anthrazit und schwarz fleckig. Himmel nein! Möchtest du nicht sehen, glaube es mir.

Das ist mir jetzt aber egal, denn ich lasse mir von schwarzem Lack doch nicht meine gute Laune vermiesen. Alles, was ich nun versuchen würde, machte es nur noch schlimmer, ich weiß das, ein inneres Gefühl sagt es mir. Licht aus! Was ich nicht sehe, existiert auch nicht. Aus den Augen, aus dem Sinn. TV an, warme Chips stehen schon bereit und die 1. von 8 Folgen einer neuen Staffel von "The Team" startet gerade. Ich kann nicht sagen, was von dieser neuen Staffel zu halten ist, die alten waren mittelmäßig - aber hervorragend geeignet, um abzuspannen kurz vor dem Zubettgehen. In diesem Sinne: Schwarz ist die Nacht und Teile meines Schreibtisches nun ebenso. Ich habe aber noch Leuchtsterne, vielleicht klebe ich die morgen mal darauf. Könnte wie beabsichtigt, wie (kitschige) Kunst aussehen. Schaun wir mal, bis dahin, man liest sich.

Sonntag, 21. Oktober 2018

Der Klang der wohlig warmen Welle

Heute ist keine Zeit, muss übers Wochenende arbeiten. Falls du denkst, ich müsste bei der Menge an Diensten bereits stinkreich sein, nenene, auf dem Monat gesehen, sind es gar nicht so viele Nächte. In etwas über zwei Wochen habe ich nämlich wieder fast zwei Wochen lang mit nur einer einzigen Nacht Unterbrechung frei. Blöd ist lediglich die Unregelmäßigkeit des Dienstplans. Aber darüber rege ich mich ganz und gar nicht auf, kostet nur Nerven.

Ansonsten gibt es heute nichts Neues. Auch das ist im Grunde gut, denn Neues bedeutet fast immer unangenehme Überraschungen. Vor 20 Jahren oder so hätte ich nie für möglich gehalten, wie sehr ich eine langweilige Routine und einen ereignislosen Trott einmal schätzen würde. Der Begriff "Trott" ist sogar eigentlich falsch, da negativ konnotiert, und wenn du ins Synonymlexikon schaust, finden sich fast nur negative sinngleiche Begriffe. Wie wäre es mit erholsamer Regelmäßigkeit, einem beständigen Fortgang oder dem Klang einer wohlig warmen Welle?

In der destruktiven Wortschöpfung sind wir alle (auch ich selber natürlich) meist am Kreativsten, das sollte einem doch mal zu denken geben, oder? Einen schönen herbstlichen Sonntag in Ruhe und Ausgeglichenheit wünsche ich derweil dir.

Samstag, 20. Oktober 2018

Hello again

"Und seit einem Jahr beschäftigen wir uns in viel zu hohem Maße damit, ob wir beleidigt sein sollen oder nicht. Solche Menschen wählt man nicht", sprach das Merkelmonster auf dem Parteitag in Thüringen. "Deshalb fordere ich, dass wir uns jetzt um die Zukunft kümmern", fügte sie angesichts der anhaltenden parteiinternen Diskussionen um die Geschehnisse 2015 und die Flüchtlingskrise hinzu.

Kennen wir das nicht woher? Hello again: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!", sprach ihr Bruder im Geiste, Erich Honecker, in der Festansprache zum 40. Jahrestag der DDR im Oktober 1989. Immer wennꞌs dem Ende zugeht, erklingen solche Durchhalteparolen. Dreist dabei ist allerdings unsere Merkel, die sogar die Schuld am eigenen Versagen den CDU-Parteimitgliedern gibt. Keinesfalls sie selber ist am Verlust des Status einer Volkspartei verantwortlich, Merkel, die während kurzer Aufwachphasen ihres Nichtstuns im Alleingang große schlechte Entscheidungen getroffen hat, sie gibt nun jenen Menschen die Schuld am Niedergang der Partei, die über die Fehler ihrer Chefin zu lange reden und sich noch fragen, ob diese im aktiv wachen Zustand oder im Schlafwandel begangen worden sind. Dafür, und das grenzt jetzt schon gehörig an Masochismus, erhielt Merkel von den beschuldigten Delegierten auch noch stehende Ovationen. Warum schalten Menschen immer wieder, wennꞌs eng wird, ihr Gehirn einfach ab, verweigern sich der Realität und bejubeln selbst die flachste Rhetorik?

Naja, es soll mich nicht weiter kümmern. Bin vorhin wach geworden, hello again.

Schlafkater

Heute besucht mich mal wieder eine Schlafkatze. Mal schauen, wie lange ich ihr Gesellschaft leisten werde.

"Gefurzt wird immer in der Nacht
und immer so, dass es schön kracht."

Nicht ich, Mozart war's, der sagte sowas.

Freitag, 19. Oktober 2018

Klingonen Flashi

Die über mehrere Generationen in Hollywood prägenden Spezialeffekte aus Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey" führten auch für mich zu einer der beeindruckendsten szenischen Einleitungen eines SiFi-Films, die ich je gesehen habe, nämlich die Eingangssequenz von "Star Trek - The Motion Picture". Wie zuvor in "2001: A Space Odyssey" waren auch beim ersten Star-Trek-Film Douglas Trumbull und Richard Yuricich für diese fulminante Trickgestaltung verantwortlich. Heutzutage kannst du sie in abgespeckter Auflösung auf YouTube bestaunen (dauert nur 5 Minuten). Bitte beachte, das sind alles reale Modelle und keine computeranimierten Aufnahmen.

Die Klingonen entdeckten die Wolke, in der sich "Vꞌger" verborgen hielt, aber sie wussten nichts mit ihr anzufangen. Was also tun, wenn man einem kriegerischen Volk angehört? Genau, erst mal drauflosballern und eine Salve Torpedos in die Wolke schießen und dann gucken, was passiert. Wie wir heute wissen, war das keine besonders gute Idee. Die Trickaufnahmen aber, die analog abgespielt auf der großen Kinoleinwand dem Publikum seinen Atem stocken ließ, brannten sich mir als junger Mann förmlich ins Gedächtnis ein.

Jedenfalls sprang das Bild der Sehschlitze der klingonischen Schlachtkreuzer sowie der Raumstation "Epsilon IX" sofort aus meiner Erinnerung hervor als ich die Tankverkleinerung des "Flash-e-Vapors" in einem chinesischen Katalog zum ersten Mal sah. Eine  Verkleinerung des Tanks ist aber eigentlich abwegig, denn der Tank könnte nicht groß genug sein. Bei den bunten Varianten ist es ja noch designtechnisch interessant aber bei der Edelstahlversion? Das große Glas durch ein winziges ersetzen? Eine Vergrößerung befindet sich schon seit Jahren auf einem meiner Verdampfer. Deshalb kaufte ich also auch nicht das Verkleinerungs-Kit. Ein ganzes Jahr lang nicht. Doch jetzt halt schon, denn immer wieder, wenn ich auf der chinesischen Shopseite blätterte, erschien beim Anblick der Tankverkleinerung das schaurig-schöne Bild des Klingonenschiffs vor meinem inneren Auge. Auch die erschreckten Blicke aus der Station "Epsilon IX" wollten mir nicht aus dem Sinn.

Und so sieht die Klingonen-Variante dann als E-Dampfe auf meinem Schreibtisch aus. Nicht ganz so bedrohlich, doch es hat etwas Martialisches, etwas Robustes, oder? Die beiden Personen sehe zwar nur ich im Geiste, habe sie aber mal für dich visualisiert :-)


Donnerstag, 18. Oktober 2018

Menschwerdung

Das Rätsel wurde vor seiner Zeit gelöst, die Gold- und Silbermedaille wurden verliehen. Fressalien als Oberbegriff war richtig, speziell hier die Chipstüten. 

Sehn se nich schön aus.

War es tatsächlich so offensichtlich? Habe ich mich schon so weit blogmäßig ausgezogen, dass die einzigen wirklich wichtigen Interessen bzw. Leidenschaften meines Restlebensabschnitts so offen zu Tage treten? Potztausend! Wahrscheinlich ist es so. Und ich binꞌs selbst Schuld, gell. Ein Exhibitionist ist ja nichts gegen mein eigenes Nackigmachen hier im Tagebuch. Okay, ums ganz deutlich zu sagen, ein Verheimlichen hat offenkundig keinen Sinn mehr: Mein Lebenszweck lässt sich mit drei Schlagworten trefflich zusammenfassen:

Essen, Episoden, E-Dampfen

Oder etwas derber:

Fressen, Filme, Funny Vaping

Und wenn man das jetzt mal aufs Wesentliche herunterbricht - ich meine, zum "Fressen" gehören bei mir keine kulinarischen Genüsse exotischer Art, sondern nur Kalorien mit Geschmacksverstärker, und zu den Serien und Filmen zählen nicht intellektuelle Kulturereignisse aus elitären cineastischen Zirkeln, sondern reine Unterhaltung, und selbst beim E-Dampfen nutze ich chinesische Billig-Kopien im selbstgemischen (10 Cent à 10 ml) aber um so schmachhafteren Liquid auf krummen und schiefen Selfmade-Wicklungen der einfachsten Art, durchzogen von Bio-Watte aus dem Discounter von 2013 (dieses Hobby könnte leicht um den Faktor 100+X teurer sein) - also in zweitletzter Konsequenz entsprechen meine Vorlieben bzw. entspricht mein Verhalten dem eines Babys oder Kleinkindes: gib ihm reichlich zu essen, dass es satt mit vollem Bauch gluckst, bespaße es in seinen Wach-Phasen und schaue, dass es immer einen Schnuller in Reichweite hat bzw. lass es glücklich und zufrieden Däumchenlutschen bis zum Abwinken. Und in der letzten Konsequenz dann entspricht es sogar nicht nur dem eines Babys, sondern dem eines jeden Nachwuchs aller lebendigen Kreaturen mit einem Mindestmaß an Intelligenz und Emotionen. Ein Welpe verhält sich nicht sehr anders als ein Baby bzw. beide brauchen dasselbe zum Glücklichsein.

Ist die spätere Phase der Weiterverbreitung der eigenen Gene zwecks Fortpflanzung vorüber (Kampf und Sex), wird ein Lebewesen anscheinend wieder zu dem, was es ohne Sexualhormone etc. vom Wesen nach ist: das aus Vergnügen quietschende, mampfende, kauende, spielende und lutschende Etwas aus beweglichen, sich reproduzierenden Zellen.

Oha! Mehr sind wir alle nicht? Zumindest ich bin nicht mehr, alles Zusätzliche, all das Drumherum (Kultur, Ideologie, Religion etc.) ist nur Fassade, Ablenkung oder Sucht als Stellvertretung für diesen Kern des Seins, das habe ich erkannt.

"Aber das klingt doch viel zu einfach, um wahr zu sein." Soll es ja, denn ich glaube, dass der Kern allen Seins schlicht und ergreifend ziemlich einfach ist. Aber es geht natürlich auch komplexer:

Nummerieren wir die drei oben genannten, ich möchte sie mal Komponenten des Daseins nennen, mit den Zahlen 1, 2 und 3.

Die Nummer Eins zu erklären ist recht leicht. Der Körper muss satt sein, dann wächst und gedeiht er ohne Verlusterscheinungen. Halt die Nahrungsaufnahme. Essen und Trinken als bloße biologische Notwendigkeit.

Zur Nummer Zwei gehört schon einiges mehr. Der Geist möchte auch wachsen und gedeihen. Das beginnt mit der Babyrappel, einem Beißring etc., setzt sich fort im Spiel und endet in wahren Meisterschaften handwerklicher Geschicklichkeit, mit Preisen überhäufter geistiger Arbeiten oder künstlerischen Meisterwerken. Das ist beim Hund genauso: die Babyrassel ist für ihn der Quitscheball und die Höhepunkte seiner Leistungsfähigkeit zeigen sich bei exzellenten Such-, Spür-, Fährten, Rettungs- oder Hütehunden. Ihre Nobelpreisträger sind zweifellos die Blindenhunde, denen wir durch jahrelanges Lernen sogar Menschenleben anvertrauen. Der Blindenhund findet sich in komplexen und stets variablen Verkehrssituationen zurecht. Ein Fehler bedeutet den Tod für Mensch und Tier. Eine solche Intelligenzleistung erbringen viele Menschen nicht mal. Uninformierte Leute sagen, der Hund sei lediglich trainiert worden. Na, Lernen und Training sind zwei Seiten einer Medaille. Trotzdem würde niemand zu einem Kindergarten Trainingscamp sagen, denn mit diesen Begriffen findet bereits eine Wertung zu Ungunsten des Hundes statt. Aber ich schweife ab.

Filme sind Kulturerrungenschaften. Sie zu schauen und anschließend reflektierend in diesem Tagebuch zu besprechen bedeutet ebenfalls eine kreative Leistung.

Zu Punkt Drei gehören alle Stimulanzen, die etwas bewirken, die Zufriedenheits- oder Glückshormone helfen zu vermehren oder die die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit erhöhen oder das Gegenteil bewirken und beim Entspannen helfen. Sogar die Massage gehört hierzu. Auch alle Genüsse sind unter diesem Punkt aufzuführen. Genuss als Stimulanz für ein Glücklicher-Sein. Also eine Droge. Im Grunde genommen ist jedes Getränk außer reines Wasser bereits eine Droge, die ohne Grenzen immerfort durch die menschliche Intelligenz und durch seinen Spieltrieb erfunden und erweitert wurde bzw. wird. Klar, auch die schlechten Drogen fallen in diese Kategorie. Das instinktive Saugen am Daumen oder an einem Kissenzipfel ersetzt die Brust der Mutter und unterstützt quasi im alleingelassenen Zustand oder während des Schlafs die Wirkungen der Punkte 1 und 2, es gehört zum Gedeihen dazu. Traumerweiterung, auch so'n schönes Thema in diesem Zusammenhang. Beim Welpen genauso wie beim Baby. Alle drei Punkte in einen Topf gegeben, ein paar Biochemikalien dazu wie Hormone, Enzyme und allerhand solcher Dinge, umrühren und den Teig in den Backofen schieben - schon duftet es nach einem neuen Kuchen eines kreativen selbstbestimmten Lebewesens.

Wenn die korrupte pharmafinanzierte WHO also eine suchtfreie Gesellschaft zum Ziel hat, so behindert sie die menschliche Entwicklung, da das Suchtverhalten instinktiv also bereits angeboren ist. Auch die anderen Verbotsparteien (Politik, Gesundheitsapostel, Religionen) hindern ihre Mitmenschen an einer gedeihlichen Entfaltung ihrer Selbst.

Unter diesen Gesichtspunkten, meine sehr verehrten Damen und Herren, wird der Karton mit den vielen Chipstüten geradezu eine lebensnotwendige Entwicklungsvoraussetzung, der mich entspannt einen Film genießen lässt, über den ich mir anschließend meine eigenen Gedanken machen kann, denen ich sodann nicht selten in einem kreativen Prozess hier in diesem Tagebuch Ausdruck verleihe. Als Konzentrationshilfe genieße ich das leicht nikontinisierte Liquid sowie den koffeinhaltigen Kaffee. Die Chips gehören demnach zu meiner Menschwerdung hinzu.

Noch Fragen? Na, denn, alles gut, alles prima. Einen schönen Donnerstag wünsch ich in die Menschenrunde.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Waldgeist

Gestern Abend während meines Rushs zum Dienst (es war mal wieder fünf Minuten über der Zeit), wäre ich doch beinahe gegen dieses riesige Paket gelaufen, das vor der Tür abgestellt worden war. Irre groß, gell? Das habe ich heute Morgen nach der Arbeit mal schnell geknipst. Jaja, so etwas kommt dabei heraus, wenn man schnell-schnell machen will und im Selbstauslösemodus nicht die Belichtungszeit abwartet: ich habe einen Geist erwischt, der noch rasch ins Gebüsch huscht.

Erst morgen öffne ich das Paket. Was wird wohl drin sein? Das ist quasi ein heutiges Rätsel. Morgen gibtꞌs die Auflösung. Klar weiß ich es und freue mich darauf :-)  Oh, wie gemein, nicht wahr?