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Samstag, 21. Juli 2018

Doppelte Verblüffung

Es ist jetzt aber wie verhext. Ich kenne die Serie "Mr. Mercedes" aber weiß nicht woher. Wie es jeweils von Folge zu Folge weitergeht, die Personen, all das kenne ich, genauso wie die Serie endet. Aber woher? Das ist mir vollkommen schleierhaft. Den Roman habe ich nicht gelesen, die Serie im englischen Original Mitte/Ende letzten Jahres natürlich auch nicht gesehen. Jetzt habe ich bestimmt eine Stunde lang gegoogelt, dabei auch meine eher "dunkleren Kanäle" durchforscht, doch sie war definitiv bis jetzt noch nicht in deutscher Synchronisation erschienen. Woher weiß ich das dann aber alles? Mysteriös. Unheimlich fast.

Jedenfalls habe ich diese Nacht frei, morgen muss ich wieder zum Dienst, also werde ich die Serie mal zu Ende schauen. Bis jetzt, bin erst bei Folge 4 von 10 angelangt, bekommt sie definitiv 8 oder 9 Punkte von 10 = großartig.

Zu Beginn war ich ziemlich erschrocken, dachte ich doch, jemand hielte eine Kamera auf mich in meinem Sessel gerichtet und würde ein Live-Bild auf das große TV-Gerät übertragen - genauso lebe bzw. hause ich wie der Ex-Cop Bill Hodges (Brendan Gleeson). Bis ins kleinste Detail ist er und seine Wohnung ein Spiegel meines Daseins. Nur mit der Computertechnik bin ich ihm voraus :-)  Mein Schmunzeln will überhaupt kein Ende mehr finden.

Ein schönes Wochenende wünsche ich dir, man liest sich spätestens morgen Abend (Sonntagmorgen) dann wieder. In alter Frische sozusagen.

Freitag, 20. Juli 2018

Raubvogel

Wie die Aasgeier, sag ich dir, wie die Aasgeier! Oder doch eher wie ein stolzer Adler?

Im ausgetrockneten Serien-Valley auf einem verdorrten Ast saß, den Kopf tief in seinen Schultern versunken, der Geier Georg und hielt Ausschau nach einer noch so geringen Bewegung in der weiten Wüstenei des Internets. Da erspähte er mit einem Mal das Rudel der Schakale, wie es eine einsam dahintrottende, recht neue, deutsch synchronisierte Serie lauernd verfolgte. Die Federn kurz in den brennend heißen Sonnenstrahlen geschüttelt, schon erhob sich der Geier, stieg mit den warmen Aufwinden empor und kreiste geduldig den Rest des Tages und noch die halbe Nacht hoch oben über dem einsamen Wanderer. Vorhin im Zwielicht des Morgengrauens, zu der Zeit also, an der das potentielle Opfer in seinem tiefen Schlaf durch die Traumwelten der REM-Phase glitt und bei der seine Instinkte abgelenkt waren, verwandelte sich der Geier Georg wie durch Magie in einen räuberischen Adler, der im Sturzflug gleich eines alten deutschen Stuka-Fliegers kurz vor dem Zupacken der Beute seine messerscharfen Krallen ausfuhr und dabei jenes ohrenbetäubend schrille Sirenen-Lied des Jägers erklingen ließ, das den Schakalen das Ende ihrer Hoffnung auf die Exklusivität ihrer Beute kundtat und in das sie gleichfalls heulend einstimmten, wodurch die übrigen Wüstenbewohner vor Schrecken starr erschauderten.

Jep, alle 10 Folgen der Stephen-King-Serienverfilmung "Mr. Mercedes" sind nun in meinem Köcher. Gleich beginne ich im heimischen Horst mit dieser vielversprechenden Mahlzeit. Wie sie letztendlich schmecken wird, das lässt sich im Moment noch nicht sagen.

Bis dahin wünsche ich dir einen ebensolchen erfolgreichen Tag. Möge auch deine Jagd heute von Erfolg gekrönt sein.

Donnerstag, 19. Juli 2018

Erlesene Konserve

Bin gerade "neu-allmorgendlich" dabei, nach der Arbeit zum Ausklang des Tages so bis 9 oder 10 Uhr ein paar Folgen aus der Serien-Konserve zu genießen. Es herrscht bekanntlich derzeit Sommerflaute bei den Neuproduktionen. Was aber den riesigen Vorteil hat, eine Serie beim zweiten Mal unter ganz anderen Gesichtspunkten zu sehen, denn nichts der Handlung kann ja mehr überraschen aber um so aufmerksamer lässt sich all das Drumherum begutachten und, da ich sowieso nur erstklassige Serien archiviert habe, ehrfürchtig bestaunen. Hier sticht wirklich "Babylon Berlin" besonders positiv hervor. Die Serie wird auch im Nachhinein meiner persönlichen Höchstbewertung von 10 Punkten gerecht, die ich übrigens so selten vergebe, dass man sie alle an einer Hand abzählen könnte. Nicht einmal bei ihrer Wiederholung kann ich einen einzigen Filmfehler entdecken, alles und jede Kleinigkeit ist perfekt arrangiert, sogar die Filmschnitte sind ein eigenständiges Kunstwerk, würde ich meinen, und natürlich ist das Spiel der Darsteller einfach nur grandios. Obwohl ich heute bereits vorher weiß, was gleich geschehen wird, entsteht nach wie vor eine enorme Spannung, die nicht eine Sekunde Langeweile oder Langatmigkeit aufkommen lässt; selbst wenn ich kurz den Raum verlasse, drücke ich die Pausentaste, um bloß keinen Moment zu verpassen. "Babylon Berlin" umklammert wie beim ersten Mal mein inneres Ich und reißt es hinaus aus meinen Körper, zieht es hinein in den großen TV-Monitor und lässt mich wie bei einem Roman ein Abenteuer in einer virtuellen Realität erleben.

So, und deshalb habe ich jetzt auch keine Zeit und Lust fürs Tagebuch mehr, denn die letzten 4 Folgen stehen an. Es gibt eh sonst nichts Neues zu berichten, medial findet das übliche Sommertheater um rein gar nichts statt (wie öde muss man eigentlich sein eigenes Leben finden, wenn man beruflich gezwungen ist, gegenwärtig etwas für die Zeitung bzw. die News zu schreiben?) und ich könnte höchstens davon erzählen, dass und wie genau ich mir gestern selber mein Resthaupthaar vor dem Spiegel geschnitten habe, doch glaube mir, das willst du nicht wissen.

Bis morgen also, genieße den Tag.

Mittwoch, 18. Juli 2018

Medienkritik

Heute mal eine großartige Medienkritik von Simon. Er hat in nur 30 Minuten eloquent, sachlich und sehr unterhaltsam einen pseudowissenschaftlichen Artikel auf den "Nachdenkseiten" zerlegt (das ist ein seit Jahr und Tag unter anderen gegen Israel hetzendes und diversen Verschwörungstheorien zugeneigtes Weblog mit dem Anstrich einer journalistischen Onlinezeitung). Simon kritisiert, ohne beleidigend oder im Geringsten despektierlich dabei zu sein, so etwas findet man heutzutage nur noch selten. Thema ist das E-Dampfen bzw. die immer wieder von interessierter Seite geschürte Angstmacherei; viel Vergnügen:


Dienstag, 17. Juli 2018

Ansage

Nun befinde ich mich ja wieder in der Phase meiner Nachtschichten, schlafe demnach tagsüber, erwarte aber einen wichtigen Anruf (Fahrradreparatur), der jederzeit in dieser Woche erfolgen kann. Was also tun? Ja, den Anrufbeantworter des Festnetzes nach bestimmt 10 Jahren zum ersten Mal wieder aktivieren. Mannomann, ich muss schon sagen, so auf Kommando in ein Mikrofon zu reden, das ist nichts für mich, definitiv nicht, ist komplett anders als normal in ein Telefon zu sprechen. Höre mal [Korrektur, in der Kürze liegt die Würze. Danke, Barbara]; besser krieg ich's nicht hin. Klingt irgendwie schräg, nicht wahr? Und zu lang? Oje, mit solchen Sachen hab ich's wirklich nicht so.

Ansonsten wünsche ich dir einen schönen Tag, die REM-Phase ist gerade ganz doll angesagt ;-)

Montag, 16. Juli 2018

Filmtipp: "Vollblüter"

Aber es gibt heute nicht nur Negatives zu berichten. Thema Spielfilm: Das B-Movie "Vollblüter" ist entgegen jeder Erwartung wirklich gelungen. Mit einem etwas anderen Ende würde ich dem Film sogar ein sehr gut geben (8 von 10 Punkte) aber mit einem "nur" gut befindet sich der Film auch noch absolut im grünen Bereich der lohnenswerten Kulturereignisse, finde ich. Den Namen Cory Finley, dessen Regie-Debüt dieser Film ist, sollte wir Filmliebhaber uns sicher merken, denn man kann gespannt sein, was von ihm noch so alles folgen wird. Immerhin hat er mit "Vollblüter" eine prima Arbeit vorgelegt und bewiesen, dass er gute Filme drehen kann.

Somit zeigt die sommerliche Filmflaute überdies ihre Vorteile, indem mehr B-Produktionen in den Fokus des Interesses rücken, deren Perlen dann um so herausragender schillern.

Selbstgeißelung

Der Spiegel: "Die Gefahren des Fußballfiebers" - ich kann gar nicht so viel kotzen, wie ich dort lesen könnte. Bei den Franzosen ist der nationale Taumel dann natürlich etwas ganz anderes, der Spiegel würde es nicht wagen, ähnlich über Frankreich zu schreiben, denn er würde dafür von allen Menschen ausgelacht werden. Tja, besser als dieses zweierlei Maß kann sich die Überheblichkeit westlicher Medien gar nicht präsentieren.

Ansonsten dieser Tage nur Trump-Bashing, Russland-Bashing - und der Wadenbeißer Erwin Huber wird tagelang kampagnenartig für eine angebliche schlechte Stimmung innerhalb der CSU instrumentalisiert, damit am Ende jedes CSU-Mitglied selber glaubt, diese virtuell erzeugte Realität sei echt.

Niels Annen, ein berufsloser Partei-Karrierist der SPD, der noch nie in seinem Leben jemals gearbeitet hat, darf sich als Urlaubsvertretung der A-Politik über (na, was oder wen?) ausgerechnet die vermeintliche Erfolglosigkeit von Trump äußern, was gerade durch ihn im Grunde ein irrwitziges politisches Kabarett darstellt.

Und natürlich dürfen weiterhin die vielen täglichen Verdrehungen und Agitationen in den Medien nicht fehlen, an die man sich, statt sich dagegen zu wehren, längst gewöhnt hat (vom Israel-Bashing übers AfD-Bashing bis hin zu den immer häufigeren und immer drohender ausfallenden pädagogischen Zeigefinger der medialen Haltungspolizei). Journalistinnen und Journalisten betreiben zunehmend Politik, obwohl niemand sie gewählt hat. Wo sind die Medien, die informieren, ohne zu werten, die berichten, ohne zu agieren, die erklären, ohne zu manipulieren, die "sich nicht gemein machen mit einer Sache"? Hanns Joachim Friedrichs würde sich abgrundtief für seine heutigen Kolleginnen und Kollegen schämen.

Nein, das hier ist keine Medienschelte (oder soll es zumindest nicht sein), denn wir alle konsumieren diese Medien, inklusive ich selber natürlich. Wie bei der Bundestagswahl: alle schimpfen über Merkel, doch die Mehrheit wählt sie ins Amt. Erst recht die Nichtwähler. Wir, das Volk, haben selber verdient, was wir lesen, hören und sehen, welche Politik unser Land regiert, wie wir letztlich tagtäglich unser Leben gestalten. Ich kann nicht über die EU maulen, mich über immer neue Verordnungen beschweren, wenn ich diese EU durch meine Stimme für die CDU, SPD, FDP, die Grünen, oder wenn ich mit einer Wahlverweigerung als Ausdruck meiner inneren Immigration all das selber unterstütze. Ich bin in diesem Fall für den Zustand in unserem Land mitverantwortlich. Diese Einsicht mag frustrierend sein, nein, sie mag es nicht sein, sie ist es, doch so lange wir und ich noch Zeit und Muße finden, auf den Sofas zu sitzen und zuzuschauen, was mit uns und um uns herum geschieht, so lange gibt es keine Rechtfertigung, sich über irgendetwas ernsthaft aufzuregen.

Wenn eine zukünftige charismatische Frau oder ein solcher Mann als Merkelnachfolge von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt und beauftragt wird, unser Land zu regieren, wenn sie oder er frenetisch bejubelt werden wird, und das ist allein eine Frage der Zeit, dann kann man nur beten und hoffen, dass sie oder er der geballten Medienmacht widerstehen kann, die dann nämlich das Land zu zerreißen droht. Sie oder er wird, bevor eine neue Regierung arbeiten kann, den gesamten Regierungsapparat umbauen müssen. Das Heulen und Schimpfen der Medien und Parteien während dieser Zeit kann man sich kaum ausmalen. Doch ohne Risiko gibt es keinen echten Wandel, schon gar keinen wirklichen Neuanfang.

So, heute also das Wort zum Sonntag am Montag. Sieh es mir bitte nach, komme ich doch gerade erst vom Kotzen über der Kloschüssel zurück an meinen Rechner. Mir ist dermaßen schlecht geworden, nachdem ich, wie alle paar Tage mal, einige ausführliche Medien-Stunden verbracht habe, dass es schon gewaltig weh tut. Im Mittelalter entsprach das einer Selbstgeißelung. Ich, der reuige Sünder, bestrafe mich heutzutage selber, indem ich Zeitung lese.

Sonntag, 15. Juli 2018

Grabesruh

Zur Zeit herrscht echte Sommerpause, was die Produktion neuer Serien oder Spielfilme betrifft. Grabesruh. Wir sind ja verwöhnt von diesem Unterhaltungsmarkt. Was bleibt demnach, wenn gerade nichts Hochprozentiges zur Verfügung steht? Genau, das fade Gepansche dringt in den Fokus des kulturhungrigen Interesses.

Fad ist exakt der richtige Begriff für die CBS-Serie "Salvation". Ein tolles Thema (bevorstehender Kometeneinschlag, der alles Leben auf der Erde zu vernichten droht), das schon mehr oder weniger gelungen x-mal verfilmt worden ist, wird hier in eine Seifenoper für Jugendliche oder junge Erwachsene verwandelt. Früher mag man sich bei solchen Themen noch reichlich Mühe gegeben haben, die Realität möglichst realistisch abzubilden, bei "Salvation" hingegen wird eine Smartphone oder Facebook-Welt voller Oberflächlichkeit bedient. Im Prinzip findet man dort keinen Unterschied zur Comic-Verfilmung "Supergirl" - die kommt hingegen mit absolut keinem Realitätsanspruch daher und ist deshalb sogar gute Unterhaltung, Comic eben, doch falls junge Menschen wirklich glauben, "Salvation" sei irgendwie nahe an der Wirklichkeit inszeniert, dann leben sie tatsächlich innerhalb einer ziemlich beschränkten Wahrnehmungsblase. Drei Folgen habe ich von dieser Serie gesehen, mehr kann ich mir bei allem Verständnis für die Sommerpause von diesem B-Zeug nicht antun. Das Hirn leidet beim Konsum, es schmerzt und drängt den Zeigefinger zum Abschaltknopf.

Schlimmer geht’s nicht? Es geht.

Der Spielfilm "Die Frau, die vorausgeht" wurde (na, wie könnte es anders sein?) inhaltlich vom "Spiegel" gelobt, doch sogar der Rezensent brachte es nicht fertig, diesen Film letztlich zu empfehlen. Mir kam der Streifen vor wie eine Schülerproduktion, bei der es sogar zu viel Mühe bereitet hat, Sandwege in der Wildnis vor den breiten Spuren der Autoreifen zu kaschieren. Alles wirkt zweitklassig an dem Film. Im Tenor mag er an "Der mit dem Wolf tanzt" erinnern, doch eigentlich darf ich dieses großartige Meisterwerk nicht einmal ansatzweise für einen Vergleich heranziehen, denn es liegen Welten zwischen beiden Filmen, ach, was sage ich, Galaxien sind's. Während bei "Der mit dem Wolf tanzt" die Zivilisationskritik weitgehend ohne mahnende Zeigefinger auskommt und der Blick auf die Indianer gelenkt wird, indem den Zuschauern vorgeführt wird, dass deren Leben im Grunde genauso verläuft wie ihr eigenes mit denselben Nöten, Ängsten und Sorgen aber auch demselben Humor, denselben familiären Geschehnissen oder Klatsch und Tratsch, während ihnen also ein Spiegel vorgehalten und darin gezeigt wird, dass Indianer eben keine brutalen Wilden sind, sondern Menschen wie du und ich, so beschränkt sich in "Die Frau, die vorausgeht" die inhaltliche Aussage auf Attribute wie gut und schlecht: wir zivilisierten Menschen sind die schlechten. Der Film bildet die einfache Weltsicht einer oft als Gutmenschen bezeichneten (zivilisationsmüden) Generation ab, die, genau wie auch in der Serie "Salvation", ihre Weltsicht aus Facebook und einer zweifelhaften naiven Moral gewinnt, die ich gerne als "virtuelle Ethik" bezeichnen würde und die erst im Laufe des eigenen Lebens ihre Relativität erfährt.

Despektierlich könnte ich auch von zwei Aufführungen für die alljährliche Ferienfreizeit des Sommerlagers schreiben, wenn ich denn ein böser, alter, weißer Mann wäre - huch, bin ich ja. Na gut, ich hätte zwar noch einen weiteren Serien-Verriss zu bieten, doch dann schweige ich jetzt besser wie in einem Grab.

Falls du also heute am Sonntag einen Friedhof besuchen solltest (an die Jüngeren: das hat man früher oft sonntags gemacht) und dort ein Glöckchen hörst, dann bin ich das, der dir damit aus dem Grab heraus einen guten Tag wünscht, denn ich langweile mich derzeit so ganz ohne neue cineastische Unterhaltung zu Tode.