.

Dienstag, 3. August 2021

"Ich fürchte, es sieht düster aus ..."

Was für ein geniales Interview. Das möchte ich dir nicht vorenthalten. Gefunden bei "Achgut" und unbedingt wert, massenhaft geteilt zu werden. Dr. Paul Brandenburg im Gespräch mit Ulrike Stockmann:

Contact

5:15 Uhr ist es gleich und ich starte jeden Moment den 24 Jahre alten Streifen "Contact" mit Jodie Foster, meiner bescheidenen Meinung nach einer der 5 besten je gedrehten Spielfilme überhaupt. Dieser nach dem Drehbuch von Carl Sagan entstandene Film wurde dermaßen zukunftsweisend in Szene gesetzt, dass bis auf die Röhrenmonitore und fehlenden Smartphones ihm eigentlich kaum etwas das Alter eines viertel Jahrhunderts anmerken lässt. Thematisch sowieso nicht. Der besondere Clou war die Einbindung von Filmsequenzen mit Bill Clinton innerhalb der Dramaturgie - etwas, auf das man vielleicht lieber verzichtet hätte, um der Geschichte ihre Aktualität zu bewahren, was aber seinerzeit für mehr Erfolg in den Medien und an den Kinokassen sorgte. Erfolg = Geld. Wie dem auch sei, bereits der Vorspann, in dem in wenigen Minuten der Kern des Filmes visuell beschrieben wird, faszinierte mich im Kino so ungemein, dass meine damalige Lebensgefährtin, die neben mir saß, mich noch lange darauf frotzelnd ansprach und meinte, mit mir sei ein Kinobesuch langweilig, da ich nichts ringsherum mehr wahrnehmen würde. Ja, es gibt Filme, die man als Event anschaut ("The Rocky Horror Picture Show" zum Beispiel) und solche, bei denen ich jede Sekunde aufmerksam in mich aufsauge und die geringste Ablenkung mit strafenden Blicken würdige. Zu diesen Filmen gehört eben "Contact".

Seit 1997 habe ich ihn etliche Male gesehen, auch hier im Tagebuch schon ein paar Mal besprochen, sogar die Filmmusik ist auf meinem MP3-Player vorhanden, doch so einfach zwischendurch kann ich ihn auch nicht ansehen. Nicht nur seine fast 3 Stunden Länge benötigen Zeit und Muße, vielleicht hat es am meisten Ähnlichkeit mit "Der mit dem Wolf tanzt", ebenso ein Jahrhundert-Meisterwerk meiner Meinung nach, den man genauso wenig nebenher anschauen kann. Beide Filme müssen zwingend zelebriert werden, andernfalls wirken sie nicht und können leicht als langatmig oder langweilig missverstanden werden.

Kognitives

So, jetzt bin ich wieder up to date.  Über den jämmerlichen Versuch der Haupt-Medien, die Demo in die rechte oder VT-Ecke zu drücken, brauche ich nichts weiter zu schreiben, denn besser als Boris Reitschuster könnte ichꞌs eh nicht. Auch wenn ich glaube, dass eine aufgehetzte Mehrheit gegenwärtig des Denkens beraubt wurde, so sind heute aber sicher nur die wenigsten so blöd, dieser Stasi-Zersetzungsmethodik auf dem Leim zu gehen. Sollen Tagesschau & Co. nur weiter framen, am Ende, wenn keiner mehr außer sie selber innerhalb ihres Frames vorhanden ist, befinden sie sich quasi außerhalb. Wie war das noch gleich bei der Mengenlehre? Die ich glücklicherweise in der Schule nie mitmachen musste aber deren visualisierte Grafiken der farblichen Punkte außerhalb und innerhalb von Gruppen und Kreisen schon immer ziemlich faszinierend auf mich gewirkt hatten. Ja, Mathematik lässt sich bis zu einem gewissen Grad gut visualisieren. Auf die Ergebnisse der "antirassistischen Mathematik", die seit diesem Sommer in Kanada gelehrt wird, darf man auch mächtig gespannt sein. Doch Halt!, ich gerate gerade wieder vonet Höcksken aufet Stöcksken :-)

Mein Husten ist fast zur Gänze verschwunden. Potztausend! Da lag sein beinahe schon chronischer Verlauf in den meisten Jahren meines irdischen Daseins tatsächlich wohl am Rauchen. Sogar heute im Edeka-Markt habe ich nicht ein einziges Mal einen Hustenreiz verspürt. Immerhin bin ich nun schon knapp 20 Jahre Nichtraucher, was also offensichtlich auch einen großen Unterschied während der Rekonvaleszenz von Viruserkrankungen ausmacht. Ja, das magst du als Nichtraucher wahrscheinlich logisch finden und vielleicht schüttelst du sogar deinen Kopf vor Verwunderung über die doch sehr späte persönliche Entdeckung dieses Zusammenhangs - doch du glaubst ja gar nicht, wie kreativ Raucher bei der Findung von alternativen Begründungen für ihren chronischen Husten sind, statt das Naheliegende einfach zu akzeptieren. Auch ich hatte mir jahrzehntelang immer Neues vorgemacht. Tja, es ist eben schon ein kleines Dilemma, denn der Mensch lernt dann doch nur durch eigene Erfahrungen, also ich meine lernen als Einsicht. Es gibt bekanntlich zwei Arten des Lernens, die, bloßes Wissen als gegeben anzunehmen (aber nicht zu beachten) und sozusagen die kognitive Lehre (Kind = Finger in Steckdose = Aua = zukünftig weigert sich der Körper, die Finger auch nur in die Nähe einer Steckdose zu führen, ganz gleich, was man im weiteren Leben über die Elektrizität lernt). Aber genug, schon wieder gerate ich sprungtechnisch zwischen mehrere Stöckchen.

Einen angenehmen Dienstag wünsche ich dir. Einen Tag ohne Husten, Rauchen oder den zu Berge stehenden Haaren bei zu viel Kobold-Kontakt.

Montag, 2. August 2021

Nachholen - überholen - aufholen

Schon habe ich quergelesen. Meine Befürchtungen von gestern sind nicht eingetroffen, Tausende haben in Berlin demonstriert. 5.000 sagt die Polizei, erfahrungsgemäß liegt die wahre Zahl dann zwischen 5.000 und 10.000 - ist aber auch egal, denn selbst die unterste Schätzung zeigt diesen Erfolg insbesondere, da die Menschen sich von keiner Drohung haben abhalten lassen, ihr Recht wahrzunehmen. Angemeldete Demos sind sowieso absurd, denn mit angemeldeten Demos hätte es 1989 natürlich nicht gegeben. Genauso wenig wie 1968. Aber das ist ein anderes Thema.
 
Boris Reitschuster hatte den ganzen gestrigen Tag hindurch gesendet. Stundenlange Livestreams. Daneben gibt es etliche andere Livestreams der alternativen Medien anzuschauen. Virtuell dabei sein, dann kann man nicht mehr belogen werden. Kostet nur Zeit, sehr viel Zeit. Jaja, ich lebe immer in der Vergangenheit, bin also wieder von gestern, möchte nun allerdings nicht auch noch von vorgestern sein, daher muss ich gestern erst mal nachholen, quasi den Sonntag überholen und aufholen zum heutigen Tag. Der fängt für mich dann am Abend an. Aber ich habe die Zeit, da heute arbeitsfrei ist. Bis ich im Heute angekommen sein werde, sind meine Augen sicher so eckig wie der Monitor.

Einen angenehmen Start in eine erkenntnisreiche Woche wünsche ich dir.

Sonntag, 1. August 2021

Leben hinterm Mond

Die Regierung möchte mit allen Mitteln vermeiden, dass heute Bilder in Berlin entstehen wie in den anderen westeuropäischen Metropolen, von denen die Hauptmedien seit Tagen gar nicht oder nur am Rande berichten. Berlin wurde vorsorglich abgesperrt. Fahrzeuge mit ortsfremden Kennzeichen insbesondere Reisebusse werden bereits auf den Anfahrtswegen aus den Verkehr gezogen und deren Insassen erhalten Platzverweise, die gar keine Verweise von einem Platz, sondern Ortsverbote sind. Ein gigantisches Polizeiaufgebot steht bereit, um einzelne Straßen der Innenstadt nach Bedarf blitzschnell abriegeln zu können. Wenn am Ende nur wenige Hundert Leute es schaffen sollten, zusammenkommen, werden die Medien schadenfroh framen, dass in Deutschland nur ein paar Irre demonstrieren gehen, der weitaus größte Teil der Bevölkerung aber treu hinter der Regierung stehe. Glauben die Verantwortlichen ernsthaft, mit solchen offensichtlichen und billigen Manipulationen im Zeitalter des Internets und der sozialen Medien das Volk belügen zu können? Wir werdenꞌs sehen, man darf gespannt sein, ob und was heute geschieht, und wie und wer was darüber berichtet.

Universalgrund für das Verbot aller heutigen regierungskritischen Demos ist die mögliche Übertragung eines Virus. Dazu passt auch prima ein Netzfund: "Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit kann man eine Krankheit, die man nicht hat, an jemanden übertragen, der dagegen geimpft ist." Wir leben in einem Irrenhaus.

Da ich arbeiten muss, gehe ich gleich zu Bett. Wenn ich aufstehe, muss ich meiner Nichte beim Entrümpeln helfen (für morgen ist Sperrmüll angemeldet), danach gehe ich wieder arbeiten (ohne Smartphone und abgeschnitten von allen News). Erst am Montagmorgen erfahre ich, was heute geschehen (sein) wird oder nicht geschehen (sein) wird. Ja, es stimmt, ich lebe tatsächlich in der Vergangenheit bzw. hinterm Mond :-)

Samstag, 31. Juli 2021

Vom Höcksken aufs Stöcksken

Geht es eigentlich nur mir so? Die Olympischen Spiele interessieren mich dieses Mal nicht die Bohne. Darüber bin ich selber am meisten überrascht. Es ist ähnlich wie bei der Tour de France: bis 2006 fieberte ich vor den TV-Live-Übertragungen mit und drückte den Helden die Daumen. Dann schlug das Desaster mit voller Wucht zu und sogar die Öffentlich-Rechtlichen beendeten die Live-Sendungen. Damit stimmte ich voll und ganz überein. In den Folgejahren ermöglichten echte investigative Journalisten den Blick in die verbrecherische Organisation dieses Sports. Was da alles jahrzehntelang an durchgeführten Betrügereien zu Tage trat, versetzte dem Radsport seinen wohlverdienten Todesstoß. Es waren keine armen Amateursportler, es war die Gier nach Geld und Erfolg, die alle in diesem System mitmachen ließ. Die einen wurden erwischt, u.a. Armstrong, der wohl größte Betrüger des Sports, den es je gegeben hat und dessen Buch, wie er seinen Krebs durchs Radfahren besiegte, ich mir sogar damals kaufte; andere hatten Glück und entgingen den Fahndern. Jedenfalls werde ich mir nie mehr im Leben diese Tour anschauen.

Bei Olympia ist es nicht genauso, doch die Strukturen lassen erahnen, dass es dabei ebenfalls nur ums große Geldverdienen geht. Beim Fußball läuft es ebenfalls in diese Richtung. Die letzte EM fand völlig außerhalb meiner Aufmerksamkeit statt, nicht ein einziges Spiel hab ich gesehen.

Bisher konnte man Dank des populärer werdenden Frauensports gut darauf ausweichen. Ich fand die Frauen-Meisterschaften im Fußball die letzten Male so ungeheuer spannend wie früher den Männerfußball. Von der Bundesliga über die EMs bis zu den WMs, es gab eine Alternative. Damit ist jetzt auch Schluss. Denn mehr und mehr zieht die Politik in den populären Sport ein. Politische Haltungen werden auch dort wichtiger als sportliche Leistungen. Richtig widerlich, wer da alles versucht, Einfluss zu gewinnen. Und kaum lässt sich endlich auch ein wenig mehr Geld damit verdienen, schon drängen die Männer in den Frauensport und schubsen die Frauen zur Seite. Einzelne Sportler, die jahrzehntelang als Männer gelebt haben, die als Männer aufgewachsen waren und ihre Körper entsprechend trainierten, wechseln ihre Identität und versuchen die bisher ausgebliebenen Erfolge nun innerhalb der Frauen-Riegen zu erreichen. Interessante Gedanken zum Männer- und Frauensport, die ich zwar nicht teile, die ich dir aber nicht vorenthalten möchte, bietet Gerd Buurmann in seinem Blog-Artikel "Olympische Spiele: Erste Transgender-Athletin kämpft in der Frauenklasse".
 
Und jetzt auch noch Corona und Olympia. Kein gemeinsames Leben im olympischen Dorf mit den anderen Sportlerinnen und Sportlern mehr, keine weltweite Zusammenkunft von Amateursportlern zum Ziele der Völkerverständigung, kein Event, keine Party - im Gegenteil, professionelle Abschottung alle von allen. Und drumherum eine gespaltene japanische Gesellschaft, die mindestens zur Hälfte die Spiele im eigenen Land ablehnt, wo aber wieder das große Geld der einzige Grund ist, der Bevölkerung zwangsweise statt olympische, nun anonyme Spiele aufzudrücken. Es ist wie beim Konzert von Nena: man kann einfach kein Event der Liebe feiern, wenn alle zwei, drei Zuschauer dabei in kleine Pferche hinter Plexiglas gesperrt werden.

Alles, was den Massen Freude bereitet, die Begegnung mit Menschen mit gemeinsamen Interessen, das Feiern des Lebens, die Freude am gemeinsamen Sport, an Tanz und Bewegung mit anderen, die offenen Gesichter, Berührungen und Umarmungen, ob im Großen oder im Kleinen der Clubs, der Partys, all das wird stetig mehr verboten. Wo soll das nur enden, wenn den Menschen ihr Menschsein verwehrt wird? Ein Woodstock heute und die Polizei prügelte dich davon. Über allem schwebt das gigantisch große Geld und die Macht, die es den kleinen Handlangern verleiht, die dann wie besoffen nicht einmal merken, wie sie von den Mächtigen zu ihren Bütteln gemacht werden.
 
Notabene: Das hier ist übrigens nicht rechts oder nazi, das ist urlinkes Gedankengut.

Freitag, 30. Juli 2021

Serientipp "Paris Police 1900"

Gerade ist ja sehr viel Zeit, reinen Gewissens sich den TV-Serien hinzugeben. Perlen und flunkernde Klunker sind gleichermaßen vorhanden, was zuerst? Okay, das Schlimme zuerst:

In "Dolly Partons Heartstrings" werden um acht erfolgreiche Songs der Singer & Songwriter-Legende Dolly Parton je eine abgeschlossene Geschichte von einer Stunde Länge erzählt. An sich eine prima Idee. Dafür dass die deutsche Synchronisation wie die von B-Movies ausgefallen ist, kann das Original ja nichts, also Schwamm drüber. Auch über, na, wie nenne ichꞌs mal?, über die Erscheinung Dolly Partons, die als 75-jährige Frau bei jeder Folge erklärend auftritt. So zwängt sie sich in Kleider und Perücken, wahrscheinlich mit diversen Gesicht-OPs versehen, und gibt ein Bild eines glitzernden rosigen Plüsch-Püppchens dabei ab - bzw. das möchte sie wohl gerne (warum hat niemand ihr das ausreden können?). Denn zumindest bei mir verschwanden bei diesem Anblick nie die Bilder von grotesken Clownsmaskeraden im eher unheimlichen Milieu des Stephen Kings. Naja, alte Amis halt, da muss man drüber wegsehen. Dann die Geschichten. Natürlich alle samt auf LGBT-Zeitgeistlinie. Bei Episode Nr. 2 war ich noch zu schwach aufzustehen und die Fernbedienung vom entfernten Tisch zu holen, so dass ich mich halb dösend mit zusätzlichen Seufzern eines leicht schmerzenden Hirns dem Schicksal ergab. Bei dieser zweiten Folge ganz besonders, aber auch auf alle übrigen Teile, trifft der Oberbegriff "Kitsch" ins Schwarze. Und zwar ist es ein moderner Kitsch. In jeder Folge wird kräftig geflennt. Männer, Frauen oder Etwas-Gestalten, jede Dramaturgie führt zielstrebig zum Heulen, erst dann ist der (pädagogische?) Sinn abgehandelt. Jaja, ich weiß, es gibt Leute, die stehen auf so etwas, daher will ich diese Serie auch nicht in Bausch und Bogen verteufeln. Also bewerte ich sie persönlich (!) mal mit 4 von 9 Bewertungspunkten. Wenn man nichts anderes zur Verfügung hat, kann man ein paar Teile dieser Serie anschauen, ohne dass einem dabei die Haare zur Dolly-Turmfrisur emporsteigen.

Dann aber - und Tusch! - eine weitere der überaus seltenen 10 Punkte-Serien (von 9 Punkten), also eine ins Geniale entwickelnde Serie namens "Paris Police 1900". Was ist das? Seit "Babylon Berlin" findet sich nach "La Garconne" nun schon die zweite Nachahmer-Serie, die uns eine um nichts mindere hervorragende Geschichte in epischer Breite erzählt und die abermals in einem bis ins Kleinste stimmigen Ambiente gedreht worden ist. Und wieder ist es eine französische Serie mit herausragender Synchronisation und tollen Schauspielern. Jede zweite Szene kommt einem Gemälde gleich, erneut eine Perle der Kameraführung. Solche fantastischen Bilder zu erzeugen, das finde ich große Kunst, die natürlich ein ebensolches immenses Können voraussetzt. Die Epoche, in der die Serie spielt, ist noch ein wenig interessanter als die der 1920er Jahre, nämlich die Jahrhundertwende. Auf dem Höhepunkt der Dreyfusaffäre wird ein gänzlich anderes Paris gezeigt als das Postkarten-Idyll - ein dreckiges, gewalttätiges und korruptes Paris auf der Schwelle zur Modernen (Einführung des Telefons, kriminaltechnisch neue Untersuchungsmethoden usw.). In der Tat ist für Franzosen die Zeit nach dem verlorenen Krieg gegen Deutschland mit weitreichenden Gebietsabtrennungen bis zum Ersten Weltkrieg die interessantere Epoche, da sich in der Dritten Republik die Kräfte und Gegenkräfte einander beinahe aufrieben. Jedenfalls vor diesem spannenden politischen und gesellschaftlichen Hintergrund lässt uns die Serie wieder mit den Augen eines jungen Kriminalers Land und Leute erleben. Großartig gespielt von Jeremie Laheurte in der Rolle des Inspektors Antoine Jouin.

Der einzige Wermutstropfen im Augenblick ist, dass ich sechs Episoden von acht gesehen habe und für die letzten beiden nun noch ein paar Tage abwarten muss *heul*. Mensch, was ist bloß mit den Franzosen los? Nach einigen Jahren absoluter Serienflaute und einem fast schon überlaufenden Fass an peinlichem Klamauk, wurde mit "Paris Police 1900" schon zum zweiten Mal binnen weniger Monate eine geniale Produktion erschaffen, die endlich unter Beweis stellt, dass die Franzosen nach wie vor in der führenden Riege der Serienproduzenten mitmischen.

Donnerstag, 29. Juli 2021

Krank und wieder gesund

Ein paar Tage war ich krank, richtig krank. Jeder von uns kennt das, wenn die Influenza grassiert. Wenn sie dich trifft, bist du ein, zwei Wochen angeschlagen und auf dem Höhepunkt, so zwei, drei Tage lang, wirklich nicht mehr Teil von dieser Welt. Du hustest dir die Seele aus dem Leib, hast Fieberschübe, fällst rund um die Uhr in einen komatösen Schlaf, der mehr an Bewusstlosigkeit als an Schlaf erinnert. In den Zeiten davor und danach wandelst du wie benommen durchs Hier und Jetzt, jede Zelle deines Körpers schmerzt, jede Bewegung. "Kopf- und Gliederschmerzen", so wird es simpel und emotionslos beschrieben, doch es kommt mitunter einer Vorhölle gleich. Deine Sinne versagen oder trügen dich, du siehst nicht mehr gut, staunst über manchen Anblick von ganz banalem Zeug und du hörst nur noch gedämpft, was sich auf den Gleichgewichtssinn auswirkt. Im Ergebnis sind das ein paar Tage Leben eingehüllt in Watte. Danach wird es langsam aber merklich besser. Individuell alles sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die Spätfolgen, wie die Wiedererlangung des Geschmacks- und Geruchssinns oder die volle Konzentrationsfähigkeit ziehen sich oft wochen- oder sogar monatelang dahin.

So etwas erlebt jeder wohl ein paarmal in seinem Leben. Öfter geht immer, gar nicht, das habe ich noch von keinem Menschen je gehört, egal in welchem Land er aufgewachsen ist. So etwas kennt der Mensch seit der Menschwerdung. Wahrscheinlich kannten das auch schon unsere affenähnlichen Vorfahren, nur gab es bei denen halt keine Weblogs, also wissen wir es nicht mit Sicherheit. Und womöglich geht es ebenso den meisten Tieren, was wir als Menschen allerdings auch nicht wirklich mitbekommen. Viren benötigen Wirte, um zu leben, so wie wir die Erde brauchen. Ohne Wirt ist ein Virus nicht lebensfähig, wir ohne Erde ebenfalls nicht. Der Planet Erde ist unser Wirt (die Grünen demnach eine Deltavariante, hochansteckend aber den Wirt nicht umbringend). Jedenfalls betreffen diese Krankheiten jeden Menschen, sie gehören einfach zum Leben dazu. Sie galten nie als besonders erwähnenswert und taugten nicht für ausführliche Berichte - "Wo warst du letzte Woche?" "Ich hatte Grippe." "Du Armer" oder "Du Ärmste", mehr Unterhaltung darüber war nicht nötig, da jeder wusste, wovon der andere redete. Das alles hat sich seit Corona verändert.
Kurzer Einschub: "Sitzen und sinnen".

Man kann ja mal ein wenig sinnieren - oder wie wir in meiner Jugend beim gepflegten Abhängen an lauen Sommerabenden vor der Außengastronomie auf die Frage zu antworten pflegten: "Was macht ihr da?" "Sitzen und sinnen". Also was ist von einer Weltbevölkerung zu erwarten, die man mühelos in einen Rausch versetzen kann, der sie gegeneinander aufbringt und der die schlechtesten Seiten des Menschseins zum Vorschein bringt? Es gibt ja keine großen Kriege in Europa mehr, in den USA schon länger nicht mehr, wenn aber auch noch der Platz zur individuellen Entfaltung abnimmt, es kaum mehr Raum für persönliche Abenteuer gibt und die Regeln, Verordnungen und Gesetze keine Luft zum Atmen lassen, wenn das Individuum hinter einem vermeintlichen Gemeinwohl gedrängt wird, dann sind wir nicht mehr weit entfernt von einer Drohnen-Gesellschaft. Jeder hört und sieht dasselbe, denkt dasselbe und jeder benutzt dieselbe Sprache, in der Worte der Kritik ausgemerzt wurden oder unsagbar gemacht worden sind, so dass sich zukünftig aufkeimende Unzufriedenheit erst gar nicht artikulieren ließe, bevor bereits Gegenmaßnahmen getroffen würden. Wenn man die Weltbevölkerung schon nicht halbieren kann (Überbevölkerung), dann lässt sie sich wenigstens ordnen und strukturieren - zu unser aller Wohl natürlich - so dass jeder Tagesablauf vom morgendlichen Aufstehen bis in den nächtlichen Schlaf hinein nach Plan abläuft. Ein Leben für den Plan. Für die Arbeit = Drohnen-Fabriken, für die Kinder = Drohnen-Horte, für die Familien = Drohnen-Überwachung. Ansätze sind alle längst vorhanden.

Doch zurück ins Heute. Zu viel sinnieren führt nur zu sinistren Geschwistern. Kleiner Scherz. (Nachtrag: Ein Wortwitz allein des Gleichklangs der Worte wegen. Es hat sich mal wieder jemand aus der Family verunglimpft gefühlt - meine Güte!)
Wer auch immer nun genau - ob beabsichtigt oder auf den anfahrenden Zug schnell mit aufgesprungen - es wurde geschafft, eine banale Krankheit zu etwas Einzigartigem aufzubauen, vor dem die Bevölkerung weltweit in Panik und Hysterie verfällt - nicht aber ohne gleichzeitig die Lösung im Medikamentenköfferchen anzubieten. Wie beim Wetter. Das Wetter wird missbraucht, um vor dem Klima Angst zu machen - aber die Lösung liegt bereits für ein paar Taler (CO2-Steuer) im Köfferchen. Du brauchst nur zuzugreifen, dann wird alles wieder gut. Freiheit und Gottes Wohlgefallen waren und sind stets käuflich, darauf ist Ab- und Verlass.

Über mich persönlich gehe ich hier jetzt nicht weiter ins Detail. Keine genauen Infos = keine Handhabe wegen "medizinischer Fehlinformationen" etwas zu zensieren. Nur so viel: Ich habe keinerlei Medikamente genommen, da ich die Krankheit verstand und noch nie im Leben Medikamente genommen habe; ich hatte es niemandem gesagt, weil sonst die Panik in Form von gewaltsamen Vordringen bis in meine heiligen Hallen nicht auszuschließen gewesen wäre; und ich war sogar arbeiten - nein, das war nicht rücksichtslos von mir, denn während meines Dienstes ausschließlich nachts im Freien treffe ich, wenn ich das so will, nicht eine Menschenseele. Auch muss ich keine Maschinen bedienen, irgendwelche Gefährte steuern oder zu 100 % Aufmerksamkeit aufbieten. Ich konnte das also sehr gut verantworten. Es wurden keine Viren von mir weitergereicht. Unbeschreiblich hart war es trotzdem. Die Sehnsucht nach dem vertrauten Bett wird zur wichtigsten Triebfeder, die Schicht bis zu Ende durchzuziehen. Und das Glück, anschließend mit letzter Kraft sich der Kleider zu entledigen und dort für 16 Stunden hineinzufallen, das ist letztlich unbeschreiblich. Sollte aber mal besungen werden, wo ist die Poesie über das eigene geliebte Bett?

Momentan bin ich wieder zu 85 % fit. Der Husten wird mich noch ein paar Wochen begleiten, so war es jedenfalls bisher in meinem Leben - wobei, vielleicht wird das jetzt ein wenig anders, denn ab 2002 rauche ich nicht mehr und ab 2012 dampfe ich, seither war ich aber nicht ein Mal krank, mal schauen, ob der verlängerte Husten von früher eher am Rauchen lag. Ein Echtzeit-Experiment sozusagen. Und sieh es mit bitte nach, dass ich im Tagebuch nicht weiter darüber schreibe, ja, noch nie über gesundheitliche Dinge geschrieben habe (kurz erwähnt, wie heute, sicherlich, doch daraus machte und mache ich keine ausführliche Serie).

Lass dich nicht verrückt machen. Gehab dich wohl. Bis Morgen in diesem Theater.

Dienstag, 27. Juli 2021

Mucksmäuschenstill

Bin gerade ein klein wenig verhindert, wie man so schön sagt. Nichts Schlimmes, bin nur grad zu malad, das alles aufzuschreiben. Deshalb herrschen hier jetzt ein paar wenige Tage herrscht hier jetzt ein Tag lang Stille.