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Sonntag, 20. Oktober 2019

Das Besondere im Detail

Klick aufs Bild = mächtig groß
Hach, was tut es gut, nach der Arbeit mal nicht sofort als allererstes den Rechner einzuschalten. So hatte ich mich gestern nämlich an den Tisch gesetzt und zu basteln begonnen. Das Kunstleder der E-Dampfe wollte ich durch echtes Leder ersetzen. Also wurde einem alten und längst kaputten Lederschuh (ein Messi wirft nix weg) ein Stück schwarzes Rindsleder entschnitten, was aber viel zu dick war. Folglich schliff ich mit dem Dremel in mühevoller Handarbeit die Hälfte seiner Dicke weg (es roch wie verbrannte Haut), und das passte dann am Ende. Die eigentliche Arbeit an der Dampfe dauert nur wenige Minuten, zumal man das einzusetzende Lederteil überhaupt nicht akkurat schneiden muss, da seine Enden und Seiten komplett von der Blende ähnlich einer Spange verdeckt und festgezwungen wird. Das alte Kunstlederteil ist nicht stark geklebt, sondern wird durch einen Haftkleber nur in Position gehalten; das ist nötig, da in der Mitte der Fläche die E-Dampfe einen Knubbel hat und dieser leicht das umliegende Gewebe abheben lässt (wie beim Bekleben eines Kegels) oder Falten entstehen können. Da der Knubbel aber nur minimal vorhanden ist, hält das elastische Kunstleder durch die Spange und das leichte Bekleben bereits gut. Genauso istꞌs danach mit dem echten Leder, nur statt zu kleben habe ich zwei kleine Streifen doppelseitiges Klebeband verwandt. Fertig. Und es lässt sich jederzeit wieder rückstandslos entfernen.

Schwarzes Kunstleder durch schwarzes Leder zu ersetzen bringt optisch aber wenig. Es gefiel mir nicht. Ich besaß noch ein Stück rotbraunes Leder, und mit ihm wiederholte sich das ganze Spiel. So sieht die Dampfe jetzt richtig toll aus, finde ich.

Die blaue, güne und rote Aegis-Dampfen blickten neidisch zur schönen rotbraunen und ich versprach ihnen in wenigen Tagen eine eigene Modenschau. Bei Amazon wird für nur 5 oder 6 Euro ein Kilo bunter Lederreste angeboten. Alle so klein wie ein Handteller. Größer ist auch gar nicht nötig. Mitte oder Ende kommender Woche gibt es somit eine weitere kleine Bastelstunde ohne Internet aber mit einem anschließenden Fotoshooting.

Nun ist es ja so, dass die Aegis-Dampfe wohl das beste je hergestellte Gerät ist und sie sich in Kürze mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in jeder Hand befinden wird. Jeder hat dann die gleiche wie im Sozialismus. Deshalb macht die Veredelung und Individualisierung besonders Freude, das Massenprodukt verwandelt sich mit wenig Aufwand optisch zu einem schmucken Einzelstück.

Genieße auch du deine schmucke Einzigartigkeit unter Milliarden Artgenossen. Der edle Mensch ist nicht fürs Gleichsein geschaffen. Du und ich, wir sind etwas Besonderes, jawohl. Die Herde der Gleichförmigen ist und bleibt uns fremd.

Freitag, 18. Oktober 2019

Beredtes Schweigen

Das bewusste Verschweigen der Medien dieser fulminanten Rede spricht Bände. "Drei Finger zeigen auf Sie zurück":


Donnerstag, 17. Oktober 2019

3 Tage Blogpause | Mütterliches

Es ist mal wieder soweit, ich brauche drei Tage Blogpause. Erstens, da ich viel arbeiten muss und mich nicht von meinem Inneren Ich jeweils zum Feierabend unter Druck setzen lassen möchte (Georg, du musst aber noch einen Eintrag für heute schreiben. Du MUSST!). Zweitens, um meine Gedanken vom Montag dieser Woche nicht ad absurdum zu führen. Und drittens, um der augenblicklichen Leere in meinem Kopf adäquat Ausdruck zu verleihen.

Also bis Sonntag, gehab dich wohl.

Achso, doch noch etwas: Habe den Film "I Am Mother" gesehen. Vorweg: 8 bis 9 von 10 Georg-Punkte. Großartig! Zwar hätte ich mir ein alternatives Ende gewünscht, doch zeichnet besonders das Schauspiel der beiden einzigen menschlichen Darstellerinnen diesen Streifen aus und hier wiederum besonders der Hauptdarstellerin Clara Rugaard (sie erinnerte mich über weite Strecken an die ganz frühe Jennifer Lawrence). Ja, du hast richtig gelesen, es ist ein Spielfilm von fast zwei Stunden Länge, der ausschließlich im Studio aufgenommen wurde und mit nur zwei Schauspielerinnen besetzt ist, ein Kammerspiel eigentlich. Und es ist dem Regisseur gelungen, der dritten Darstellerin (was?, ich denke es sind nur zwei), einem weiblichen Androiden (achso) aber ohne menschliches Gesicht (ach?, sag bloß?), also einem Ding, tatsächlich menschliche Züge zu verleihen.

Hätte mir das vorher jemand gesagt, ich hätte den Film wahrscheinlich gar nicht erst angesehen. Pah! Das kann ja nur so ein Experimental-Streifen für die Filmakademie sein, hätte ich geunkt. Tatsächlich ist der Film aber spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Nein, keine Sorge, ich verrate hier nichts, ꞌs wär mir sowieso zu viel Schreiberei im Moment, denn ich mache ja drei Tage lang Blog-Pause.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Schauspiele

"Les Miserable", die sechs- oder achtteilige (je nach Schnittversion) TV-Serie bekommt von mir 2 von 10 Punkte und liegt in ihrem furchtbar peinlichen Revolutions-Kitsch somit gerade mal einen Punkt über der Benotung als Serienschrott. Auf demselben Punkteniveau liegt die 1. Staffel "The Blue Book". Der 10-Teiler soll wohl eine Wiederbelebung der 90er Jahre Mysteryserien darstellen, mischt aber zu viel Verschwörungs-Quark und UFO-Gedöns in den Brei, sodass am Ende eine Kinder- oder Jugendserie dabei herauskommt (die armen Kinder!), die zu verfolgen für einen aufgeweckten und aufgeklärten Geist das pure Elend bedeutet - ja, Kitsch kann so schrecklich weh tun und die Geduld so arg strapazieren, dass ich glaube, diese beiden Serien sind gar keine fürs breite Publikum hergestellte Unterhaltungsserien, sondern es handelt sich bei ihnen in Wahrheit um gestohlenes Foltermaterial aus den Tresoren geheimnisvoller dunkler Mächte.

Um nicht vollends in den Negativismus abzudriften, hier die gute Meldung des Tages: der in Europa teuerste Strom, nämlich der in Deutschland, wird endlich wieder teurer: die EEG-Umlage steigt im nächsten Jahr um 5,5 Prozent. Genau so wollten es mehrheitlich die Wählerinnen und Wähler der Blockparteien CDU/SPD/Grüne und Linke: geliefert wie gewählt.

Deutschland soll klima- und umweltpolitisch die Vorreiterrolle in der Welt spielen, bitteschön, jetzt bloß nicht schimpfen, denn für Rollen muss auch Gage bezahlt werden - oder glaubt jemand, dieses zu Tränen rührende Schauspiel würde kostenlos aufgeführt werden? Die Berliner Darsteller*innen genehmigten sich erst letzten Monat in seltener Eintracht von SPD, Linkspartei, Grüne, CDU und FDP eine kleine Erhöhung ihrer Gagen von rund 2.000 Euro monatlich. Aber noch mal: nicht aufregen, denn es wurde exakt geliefert wie frei und demokratisch von den Wählerinnen und Wählern ins Parlament gewählt (der wertfreien [!] sachlich-nüchternen Vollständigkeit halber: die Berliner AfD-Fraktion stimmte dagegen).

Dienstag, 15. Oktober 2019

Mehr Frauenverachtung geht nicht

Habe vorhin "El Camino" angesehen. Eigentlich ist es kein Spielfilm, denn die Dramaturgie ist angelegt wie zwei Serienfolgen. Man kann den Film prima als Abschluss von "Breaking Bad" im Anschluss an die Serie gucken. Dafür bekommt der Film aus meiner persönlichen Punktekiste von insgesamt 10 Punkten 7 Punkte, als Spielfilm allerdings erhält er gerade mal einen einzigen Punkt. Der Unterschied von einem Spielfilm zu einer Serie wird daran sehr deutlich, denn zur Regiearbeit eines Spielfilms gehört wesentlich mehr als für die Regie einer Serie.

Übrigens gibt es ganze 3 Charaktere als Rollen für Frauen, wenn man von der Leiche einer Haushälterin als Schauspielerin einmal absieht: eine alte Frau, die sich in einer kurzen Szene um ihren Staubsauger Sorgen macht, eine Gruppe Prostituierte, die aus einem Auto aus- und wieder einsteigen darf und eine Mutter mit 2 oder 3 Sprechsätzen. Das war's an Darstellerinnen. In einer Rückblende, die aus einer alten Szene der Serie stammt, ist nochmal Pinkmans Freundin vielleicht 5 Sekunden lang zu sehen. Jedenfalls bestehen die einzigen 3 besetzten weiblichen Charaktere des Spielfilms "El Camino" aus wenigen Sekunden Putzfrau, Mutter und Fickfrau. Das Universum der Produzenten? Na, wenn sie am Ende dafür keinen Shitstorm bekommen.

Quintessenz: Als Fan von "Breaking Bad" muss man den Film wegen seines Inhalts anschauen, als Filmfan kann man auf ihn getrost verzichten (es ist wehmütig, Robert Forster in seiner letzten kleinen Nebenrolle zu sehen) und als moderner Mensch, für den die Gleichstellung der Geschlechter mittlerweile eine selbstverständliche Realität ist, kann man nur mit dem Kopf schütteln angesichts dieser offen Frauen diskriminierenden Produktion.

Bis morgen in alter Frische.

Montag, 14. Oktober 2019

Methode zum Ertragen der Hysterie

Schon öfter habe ich geschrieben, keinen allzu großen Unterschied der überhitzten Gesellschaft im Vergleich mit den 1960er oder 70er Jahre zu erkennen, im Gegenteil, es ging damals sogar um einiges hysterischer und gewalttätiger zu als heute. Was jetzt allerdings anders ist, ist die Verbreitung im Internet: du kannst all dem kaum noch entfliehen. Weder findest du Kommentare, Forenbeiträge noch sonst etwas Sozial-Mediales mehr, in denen diese Schreihälse nicht anzutreffen sind. Völlig gleichgültig zu welchem Thema. Es wird immer schwieriger, ihnen aus dem Weg zu gehen. Somit kehrt sich langsam die geniale Erfindung der globalen Kommunikation jedes einzelnen Menschen mit allen anderen ins komplette Gegenteil: Freiheit bedeutet mehr und mehr, aufs Internet zu verzichten oder sich in geschützte moderierte Bereiche zurückzuziehen, was natürlich eine "Blasenbildung", ein Leben in einer künstlichen Realität bedeutet. Damit lässt sich zwar frei unter seinesgleichen leben aber der Blick für die Wirklichkeit geht verloren.

Was also tun?

Tja, wenn diese Antwort so einfach wäre. Mir fallen da drei Punkte ein.

1. Eine ausgewogene Mischung finden zwischen der realen und der virtuellen Kommunikation. Mit Selbstdisziplin und nötigenfalls einem Stundenplan, der wie ein Haushaltsbuch die Zeiten auflistet, an denen man einerseits mit Menschen im persönlichen Gespräch von Angesicht zu Angesicht kommuniziert und andererseits berührungs- und geruchslose virtuelle Unterhaltungen führt (ich schreibe das extra so, damit keiner sagt, er sähe doch via Videochat sein Gegenüber, dies sei also dasselbe, wie ein persönliches Gespräch vor Ort).

2. Die News nur ein oder zweimal pro Woche lesen. Die Welt geht nicht unter, nur weil du und ich nicht minütlich über alles informiert sind.

3. Sich abzugewöhnen, überall seinen eigenen Senf zuzugeben. Auch wenn das sehr schwer fällt, denn diese Art der spontanen Kommunikation ist nichts anderes als Lautbekundungen, meist Unmutslaute, einer Herde Rinder oder Schafe. Für uns Menschen hören sich unsere Worte natürlich wichtig an, ein Schaf glaubt ebenso, sein Blöken sei gehaltvoll, wahrscheinlich ist es das auch für die anderen Schafe, sie verstehen es haargenau. Für ein Tier oder für einen Außerirdischen, der unser menschliches Blöken von oben beobachtet, klingen unsere Worte hingegen nicht anders als das Schnattern einer Schar Gänse. Dieses Bedürfnis, zu allem und jedem seinen Senf hinzuzufügen, ist also wahrscheinlich evolutionär bedingt und war sicher in frühen Menschheitszeiten auch sinnvoll, es liegt gewissermaßen in unseren Genen, doch wenn wir wirklich glauben, uns vom Tier fortentwickelt zu haben, dann sollten wir diese animalischen Instinkte auch erkennen und entsprechend handeln.

In meinem Haushaltsbuch der Kommunikation habe ich seit gestern Abend eine Strichliste begonnen. Reale Kommunikation auf der linken Seite, virtuelles auf der rechten. Die linke Seite hat sodann ihren ersten Strich erhalten:

Abends gegen 21 Uhr verließ eine Frau mittleren Alters ihre Arbeitsstelle, trat aus der Tür eines Gebäudes und ging zum nahegelegenen Parkplatz, auf dem sich ihr Wagen befand. Zur selben Zeit schob ich mein Fahrrad den gegenüberliegenden Weg entlang. Die Frau und ich begegneten einander an der Einfahrt des Parkplatzes. Wir teilten uns vielleicht zwei oder drei Meter nebeneinander gehend denselben Weg.
Ich: Hallo!
Frau: Hallo!
Ich: Wat dat warm isꞌ.
Frau: Ja, et isꞌ richtig warm geworden heute.
Ich: Isꞌ aber auch schön, ne?
Frau: Ja, herrlich ist es.
Ich: Stimmt, herrlich warm.
Frau: Schön warm.
Ich: Tschö.
Frau: Tschö.
Ich schwöre, dass sich die Unterhaltung genau so zugetragen hat. Habe sie kurz danach direkt auf meinen Notizblock wortwörtlich festgehalten. Und beginne am Nutzen meines Vorgehens und der Strichliste bereits leicht zu zweifeln.

In diesem Sinne, bin jetzt wieder still, muss nachher einkaufen (Ernährung: auch soꞌn evolutionärer Rest) aber verzichte als entwickelter, zivilisierter und kultivierter Zeitgenosse auf meine Unmutsäußerungen angesichts der bevorstehenden Fahrt mit dem Rad und der vielen Schlepperei. Mal schaun, ob sich im Edeka-Markt vielleicht etwas Inhaltsreiches für die Strichliste finden lässt.

Sonntag, 13. Oktober 2019

12 plus 4 News

Es war wettertechnisch mal wieder eine nette Nacht: wie erwartet wurde es zuerst abends von Stunde zu Stunde kühler. Und dann gegen 2 Uhr wehte plötzlich ein Schwall milder Luft heran, der schon beinahe wirkte, als habe jemand die Heizung hochgefahren. In den folgenden Stunden wurde es dann statt kalt immer wärmer. Insgesamt bestimmt 4 Grad Unterschied zum Abend. Allerdings wurde ich von diesem Wetter nicht überrascht, denn vor der Arbeit schaue ich mir stets das Regen- und Temperaturradar genauer an. Die einzige kleidertechnisch notwendige Konsequenz bedeutete, die halbe Nacht mit offener Jacke diese herrliche Oktober-Milde zu genießen. Denn trocken blieb es die ganze Zeit - nein, stimmt nicht ganz, ich meine, geregnet hat es zwar nicht, feucht und neblig warꞌs aber schon und zwar so sehr, dass meine Brille ständig beschlug. War trotzdem angenehm.

Sind das denn keine fulminanten Neuigkeiten fürs Internet? Sensationsgleich und fesselnd interessant? Einmalig, kostenfrei und exklusiv nur für dich :-)

Mit anderen Worten: nix Neues in the Country of my Life. Bis morgen. Und schmilz nicht gleich dahin.